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Beitrag von Dawsonam Mi Nov 07, 2018 3:29 pm

Westliches Waldstück

Im Westen des Hains der Täschung befindet sich eine große, dichte Baumgruppe unzähliger Bäume - unterschiedlicher Art und Größe. Wege sind hier kaum zu erkennen, lediglich eine kleine Lichtung sorgt für ein wenig Bewegungsfreiraum. Sie ist kleiner als die eigentliche Lichtung des Hains, bietet aber ein wunderschönes Lichtspiel, wenn die Mittagssonne hoch oben am Himmel steht und ihre Strahlen durch das Blätterdach der Bäume sendet.

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Beitrag von Dawsonam Mi Nov 07, 2018 3:50 pm

Hain der Täuschung
Post #001, mit: Levia
Gerade noch sollte er vom Militär abgeführt und wieder nach Hause gebracht werden - wie so oft in seinem Leben. Es war mehr oder weniger ein auswegloser Fluchtversuch gewesen, als er den Rand der Stadt angesteuert hatte, denn wenn er sie nicht haben konnte, wollte er auch keine andere haben. Doch es wurde ihm verwehrt. Eigene Wünsche waren nicht gestattet, egal in welcher Hinsicht. Und er hatte sich zu fügen. Doch Auruhin an seiner Seite befugte ihn dazu, Dinge zu tun, die er sonst nie hätte tun dürfen. Zumindest in seiner Wahrnehmung. Er wusste, dass er nicht entkommen konnte - wie auch? Die Mauern der Stadt waren abgesperrt und selbst wenn er vor gehabt hätte, sie irgendwie zu überwinden, wäre er draußen nur sehr schnell gestorben. Doch diese Dinger, die er auf dem Rücken von Auruhin gesehen hatte - er musste wissen, was es damit auf sich hatte. So war er nun hier - und natürlich, das Militär fand ihn und wollte ihn wieder nach Hause zurück bringen. Und er wollte sich fügen - denn was blieb ihm anderes übrig? Doch er war nur einen Schritt weit gekommen, als das seltsame Ding wieder erschien - und er, bevor er sich versah, von ihm eingesogen wurde.
Und so landete er recht unsanft auf weichem Boden. Der Aufprall auf dem ihm unbekannten Untergrund hatte ihm die Luft aus den Lungen gesogen. Bäuchlings lag er da, mitten auf der Lichtung, die er selbst jedoch nicht als solche erkannte. Und es auch gar nicht konnte. Langsam stützte er sich mit seinen Armen ab und als er sich ein Stück nach oben gedrückt hatte, verblieb er in der Haltung: auf allen Vieren mitten in irgendeinem Gebiet, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Und was machte er? Er starrte auf den grünen, weichen Boden, den er bisher noch nie gesehen hatte. Und dann hob er den Kopf - und starrte fortan seine Umgebung an, ungläubig und verwirrt, welcher Anblick sich ihm dort bot. »Was...ist das?« stellte er die Frage, die in seinem Kopf umher spukte. Langsam rappelte er sich auf - sein Kaguron war da wesentlich sanfter gelandet, denn die Rakete stand standfest auf der Lichtung. Leider hatte sie einige der Bäume umgeworfen, aber das realisierte Dawson in diesem Moment nicht. Er starrte nach vorn, auf die Baumreihen hin, die kaum einen Weg für einen Menschen zuließen. War er...in einer Projektion gelandet? Aber sie sah so täuschend echt aus. So...als wäre es eben keine Projektion. Aber das war unmöglich. Ungläubig sah er sich um - wo war das Militärpersonal? Gerade eben hatten sie doch noch neben ihm gestanden. Nun da war nichts weiter als -- ja, was? Verwirrt, fast ehrfürchtig, schritt er auf einen der Bäume zu, streckte vorsichtig seine Hand aus und berührte die braune Rinde - nur um seine Hand kurz darauf wieder wegzuziehen. Sicher, er hatte schon einmal Bäume gesehen, aber nicht in dieser Menge. Einige vereinzelte Bäume standen in den Gärten der Stadt, die er so gern besuchte, doch sie waren kleiner, weniger. Noch einmal streckte er, mutig, seine Hand aus und berührte abermals die Rinde. So verharrte er für einen langen Augenblick, bis sich langsam, ganz langsam, ein überwältigendes Lächeln auf seine Lippen schlich. Was er hier sah war schlichtweg unglaublich! Er wusste nicht, wie es möglich war oder wo er sich gerade befand, doch er blickte auf eine Unmengen an Bäumen! Langsam hob er seinen Kopf und blinzelte der Sonne und ihren Strahlen entgegen. Doch sie war nicht so klar zu erkennen, wie er es bisher gewohnt war. Nein, die Strahlen mussten sich einen Weg durch das dichte Blätterdach suchen. Es war wie in einer der Projektionen, die er so gern besuchte: ein Waldgebiet. Doch noch nie hatte es sich so täuschend echt angefühlt. Natürlich, für ihn war es bisher immer real gewesen, doch das hier übertraf alles, was er bisher gefühlt hatte. Auch der Boden unter seinen Füßen war etwas Besonderes. Weich wie ein Teppich. »Es ist wunderschön.« murmelte er. Vergessen war die Zuteilung seiner Frau, vergessen sein Regelbruch und vergessen war das Militär, das eigentlich hinter ihm stehen und ihn abholen sollte. Zu atemberaubend war der Anblick, der sich ihm hier bot. Was auch immer er getan hatte, um das zu verdienen, er würde jeden Moment davon auskosten. Bis er wieder in sein Haus zurückkehren musste.



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Beitrag von Leviaam Sa Nov 10, 2018 6:17 pm

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#012 | Mit Dawson | Lichtung

→ Nach dem Zeitsprung

Heute war der perfekte Tag zum Spazierengehen!
Ja, gut, für sie war eigentlich jeder Tag ein guter Tag um spazieren zu gehen – selbst Regentage hatten ihre schönen Seiten, jawohl. Auch wenn das wohl nur die wenigsten Leuten so sehen würden, zumindest hatte sie bisher noch niemanden getroffen, der es genauso sah. Auch wenn sie zugeben musste, dass ihr Antrieb wohl durch ihr Unbehagen Zuhause 'eingesperrt' zu sein nur etwas verstärkt wurde. Auch wenn sich das seit dem Umzug in ein eigenes Haus in Ondula wesentlich verbessert hatte. Es war so schön, dass sie jetzt mit ihrer Schwester richtig zusammen wohnen konnte! Das sie nun auch beide Arenaleiterinnen waren, machte die Sache nur noch sehr viel schöner und angenehmer.
Dür ihren Spaziergang hatte sich die Weißhaarige den Hain der Taäuschung ausgewählt. Er lag nicht allzu weit entfernt von Ondula und war zudem auch noch wunderschön. Die Baumkronen besaßen alle ein dichtes Blätterdach und besonders nach einem Regenschauer war die Luft hier sehr angenehm. Aber heute war ein schöner, sonniger Tag, den Levia mit all ihren Sinnen genoss.
Ebenso taten es ihre Pokemon, die, wie immer, an ihrer Seite waren und sich frei über das Gras bewegten. Rea, das Maracamba, versuchte das Folipruba Atari zum Spielen zu überreden – zumindest sah es ganz danach aus – doch das Pokémon verließ Levias Seite nicht und schüttelte seinen Kopf. Er war zwar manchmal zu Spielen aufgelegt, aber seit dem Überfall dieser Ultrabestien hatte sich auch das Pokémon verändert. Es verließ Levias Seite nur selten wenn sie unterwegs waren und schien sich nur Zuhause etwas mehr zu entspannen. Ein bisschen besorgt sah die Weißhaarige zu ihrem Folipurba: „Du kannst ruhig spielen gehen, Atari.“
Ihre kleine Brandwunde war außerdem auch gut verheilt, auch wenn sie eine feine Narbe an ihrem Unterarm zurückbehalten hatte. Nero hatte sie außerdem seit dem Tag in Rayono nicht mehr gesehen – hoffentlich ging es allen gut. Auch wenn das Ende ziemlich merkwürdig gewesen war .... zumindest wenn sie sich richtig daran erinnerte, denn manchmal kam es ihr so vor, als wäre alles nur ein Traum gewesen ... wären da nicht diese merkwürdigen Ereignisse.
Lev seufzte und schüttelte leicht den Kopf. Es würde nichts bringen darüber nachzudenken. Lieber sollte sie versuchen Atari seine Anspannung zu nehmen, die er auch nach diesem halben Jahr nicht ablegen wollte. Selbst das Irrbis und das Lilminip waren wieder wie früher – ganz zu schweigen von dem Maracamba, dass noch immer fröhliche Laute von sich gab und um das Folipurba herumtanzte. Also hockte sich Levia hin, um mit ihrem Pokémon zu sprechen:
„Amüsier dich mal ein bisschen Atari. Das was passiert ist, ist schon so lange her – mir ist nichts schlimmes passiert und hier ist doch außerdem nichts.“, hätte sie das wohl lieber einmal nicht gesagt. Plötzlich bebte für einen ganz kurzen Moment der Boden und Levia konnte hören, wie einige Bäume umgerissen wurden. Überall knackte und krachte es – ganz in ihrer Nähe!
Vor Schreck fiel Lev nach hinten auf ihr Hinterteil und konnte sich im ersten Moment nicht rühren.
Bei ihr stand Atari und fixierte die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Er schien dazu bereit zu sein jeden anzugreifen, der jetzt aus dem Unterholz stolpern würde.
Doch auch als der Lärm vorbei war, saß die Weißhaarige noch einen Augenblick wie versteinert auf dem Boden. Was zur Hölle war das gewesen?!
Leider hatten sich sowohl das Irrbis, als auch das Lilminip schneller gefangen als ihre Trainerin und sie waren neugierig. Sie tauschten einen kurzen Blick aus und schon flogen sie direkt in die Richtung aus der der Lärm gekommen war. Levia sprang stolpernd auf ihre Füße und sah ihren Pokémon fassungslos hinterher. „Hey! Das ist gefährlich, kommt zurück!“, rief sie, doch die beiden hörten nicht. Ohne zu Zögern rannte Levia den beiden hinterher – sie konnte doch nicht zulassen, dass ihnen etwas passierte, sie war schließlich für die beiden verantwortlich!
„Abby! Aralia!“, rief sie, doch die beiden hörten nicht. An ihrer Seite waren nur noch Atari und Rea, die aber ebenso nach den beiden zu Rufen schienen, wenn auch mit genauso wenig Erfolg wie Levia. Plötzlich lichtete sich der Wald und neben einer riesigen Schneise, die durch die Bäume gezogen war, sah Levia etwas, dass sie augenblicklich wie angewurzelt stehen ließ. Da stand ein Wesen auf der Lichtung .... ein Wesen, dass schon an die höchsten Bäume heran reichte und damit vielleicht 10 Meter groß war ... ein Wesen wie aus einer anderen Dimension.
Levia war kurz davor einige Schritte zurück zu gehen, als sie etwas sah, dass ihr einen fast noch größeren Schrecken einjagte. Sie konnte dass schimmernde Irrbis und das Lilminip deutlich erkennen – doch leider waren sie nicht allein. Abgesehen von diesem riesigen, überdimensionalen Irgendwas, war da noch jemand. Und eben dieser Jemand wurde gerade von Abby umkreist und neugierig betrachtet, während das Likminip vor ihm in der Luft hing und den Kopf genauso bewegte wie er es tat.
//Ohje.//, ohne weiter darüber nachzudenken lief Levia auf diese Person zu, dass sie dabei auch genau auf die Ultrabestie zusteuerte, war ihr in diesem Moment einerlei. Abgesehen davon bewegte sich die Bestie nicht einmal sondern saß wie ein zu groß geratener Felsen regungslos auf der Lichtung – vielleicht hatten sie Glück und es schlief gerade? Zumindest begann es nicht damit den Hain zu zerlegen, wie es damals diese Dinger in Rayono getan hatten.
„Abby! Aralia! Schluss jetzt!“, rief Levia, kaum das sie in Hörweite war. „Lasst den Jungen in Ruhe!“
Schließlich blieb sie stehen und sah ihre beiden Ausreißer an, die einen Moment zögerten, bis schließlich zuerst das Lilminip klein bei gab und zu ihr zurück schwebte. Nur das Irrbis wollte, wie immer, nicht hören und umkreiste den weißhaarigen Jungen ein weiteres Mal, während sie fröhliche Laute von sich gab. Das war doch jetzt nicht wirklich Abbys Ernst oder?!
Levia schritt auf das Pokémon zu und packte es schließlich. „Es reicht es Abby – du sollst doch keine anderen Menschen ärgern, dass habe ich dir schon hundert Mal gesagt ...!“
Abgesehen davon war es verdammt noch mal unglaublich peinlich. Das ihr Pokémon so gar nicht auf sie hören wollte warf kein gutes Licht auf sie als Trainerin.
„Entschuldige, falls dich meine Pokémon geärgert haben. Aralia und Abby sind leider etwas zu neugierig und verspielt manchmal. Ich hoffe sie haben dich nicht erschreckt oder gestört?“, fragte Levia vorsichtig nach und ließ dabei auch wieder Abby los, die jedoch freundlicherweise bei ihr blieb – auch wenn sie sich dabei auf ihrem Kopf niederließ. Auch Atari und Rea waren bei ihr angekommen und betrachteten den Fremden, wobei Ataris Blick jedoch auch immer wieder zu diesem riesigen Wesen huschte, dass noch immer in ihrer unmittelbaren Nähe regungslos auf dem Gras verharrte. Hoffentlich würde es so ruhig bleiben und der Junge hatte keinen zu schlechten Eindruck von ihr – warum musste Abby auch immer so frech sein ...


Zuletzt von Levia am So Nov 11, 2018 3:00 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Levia
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Beitrag von Dawsonam Sa Nov 10, 2018 6:51 pm

Hain der Täuschung
Post #002, mit: Levia
Er konnte sich gar nicht satt sehen an diesen wuchtigen Bäumen und dem Sonnenlicht, das sich durch das dichte Blätterdach brach. Eine Projektion war es, nichts weiter, das wusste er - denn wie sollte es auch anders sein? Aber sie war so anders als alles, was er bisher gesehen hatte. So absolut fantastisch. Warum war er der einzige, der diese wunderbare Schöpfung begutachtete? Wo waren die anderen Menschen der Stadt, diejenigen, mit denen er seine Vorliebe für sämtliche Wald-Projektionen teilte? Er konnte gar nicht nachvollziehen, dass niemand das hier sehen wollte! Aber das war auch nicht das Einzige, was ihn völlig verwunderte. Während er die Rinde des Baumes berührte, schweifte er immer wieder ab und fragte sich, wo das Militär abgeblieben war, das eben noch neben ihm gestanden hatte. Und hatte sich nicht auch eines dieser Dinger gezeigt, die er eigentlich hatte begutachten wollen? Immer wieder schlich sich der Gedanke in seinen Kopf, doch genauso schnell war er auch wieder verschwunden - viel zu wundervoll war das, was er hier zu sehen bekam. Er kam nicht umhin, aufzulachen. So etwas Wunderbares hatte er noch nie gesehen!
Sein Lachen erstarb aber genauso schnell, wie es gekommen war, als etwas vor seinem Gesicht auftauchte, dass er ebenfalls noch nie gesehen hatte - nicht einmal als Projektion. Erschrocken wich er schnell einen Schritt zurück, wollte Abstand zwischen sich und diese...was auch immer sie waren bringen, doch das eine der beiden, ein lilanes kleines Wesen, ließ nicht von ihm ab und umkreiste immer wieder seinen Kopf. Panik stieg in ihm auf, da er nichts damit anzufangen wusste - was waren sie? Was wollten sie von ihm? Waren sie geschickt worden, um ihn verrückt zu machen? Dass dieser Gedanke völlig absurd war, kam ihm da gar nicht in den Sinn. Panisch fing er an, mit seinen Armen zu wedeln, um diese Wesen zu vertreiben. »Hinfort mit euch!« rief er dabei immer wieder aus. Sein Kaguron sah das ganze Schauspiel von oben herab, erkannte aber, dass von den Wesen keinerlei Gefahr ausging. Es blieb stumm stehen, wie einer der Bäume, den es zuvor zerstört hatte, weil es einfach viel zu groß war. Das Verhalten seines Partners ließ Dawson aber auch innehalten; noch immer hatte er Angst vor dem, was ihn da angegriffen hatte, doch wenn Auruhin nicht eingriff, konnte keine ernsthafte Gefahr von ihnen ausgehen. Immerhin waren Patreos ihre Beschützer! Er hörte auf, mit den Armen zu wedeln, versuchte aber, sich so klein wie möglich zu machen. Er wollte diese Wesen nicht berühren, kam aber nicht umhin, sie sich einmal genauer anzuschauen. Sie waren so klein, so winzig - wie kleine Mini-Patreos! Als wären sie geschrumpft. Wenn man einmal von Katagami absah, waren Patreos immerhin riesige Beschützer! Was war also diesen hier zugestoßen? Und warum hatte bisher niemand diese Erscheinungsform je gesehen?
Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, zuckte er abermals zusammen, als er die Stimme einer jungen Frau vernehmen konnte. Sie rief zwei Namen und befahl ihnen, dass sie ihn in Ruhe lassen sollten. Abby und Aralia? Waren das nicht Mädchennamen? Verwirrt sah er sich um, konnte jedoch niemanden sonst erblicken. Erst als das grüne Wesen auf die junge Frau hörte, dämmerte es Dawson, dass die Wesen irgendwie zu ihr gehörten. Was völlig absurd war - jeder hatte höchstens einen Patreos! Niemals aber mehrere. Und diese Frau...sie hatte gleich vier? Denn mit ihr waren noch zwei weitere Wesen aufgetaucht, beide in grüner Farbe, jedoch vollkommen unterschiedlicher Gestalt. Es war beängstigend und langsam fing Dawson an sich zu fragen, ob die Regierung das nicht eingeplant hatte, um dafür zu sorgen, dass er sich nie wieder ihren Regeln widersetzte - aus Angst, ihm könnte irgendetwas Schlimmes passieren. Das lilane Etwas umkreiste ihn außerdem auch weiterhin, was ihn schier verrückt machte. Es sollte endlich damit aufhören! Doch er rührte sich einfach überhaupt nicht mehr und versuchte, seine Aufmerksamkeit ganz auf die Frau zu fokussieren - die jetzt auf sie zuschritt und das lilane Wesen packte, sodass es keine andere Wahl hatte, als mit dem Umkreisen aufzuhören. Das verunsicherte Dawson allerdings nur noch mehr und er zuckte zusammen. »So behandelt man keine Patreos!« war das erste, was ihm dazu einfiel. Erst hinterher fiel ihm auf, dass er seine Worte laut ausgesprochen hatte. Er wusste ja nicht einmal, ob das Patreos waren! Aber eine andere Möglichkeit gab es auch nicht. Fast beschämt sah er auf den Boden. Na wenn er da mal nicht wieder zu viel gesagt hatte. Aber nein, statt ihn zu bestrafen, entschuldigte sich die Frau bei ihm! Ihre Worte ergaben für ihn allerdings überhaupt keinen Sinn. »P-Pokémon?« sprach er das ihm unbekannte Wort aus. Nein, das hatte er noch nie gehört. Was sollte das sein? Und diese geschrumpften Patreos gehörten jetzt tatsächlich zu dieser Frau? Das war..doch völlig unmöglich!



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Beitrag von Leviaam Sa Nov 10, 2018 7:45 pm

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#013 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Erst jetzt fiel Levia auf, dass der Junge sie und ihre Pokémon ziemlich erschrocken musterte. Lag das jetzt wirklich an ihr? Das konnte nicht sein, denn schließlich stand da ein riesiges Ding auf der Lichtung, dass definitiv vorher nicht da war und gefühlt einen Viertel des Waldes nieder gemäht hatte, als es herkam! Aber dennoch sah der Junge ganz eindeutig zu ihr und ihren Pokémon. Mehr noch, denn als sie das Irrbis daran hinderte den fremden Weißhaarigen weiterhin zu umkreisen, sagte er etwas, dass sie stutzen ließ. Hatte er ihr Pokémon gerade ein Patreon genannt?
Was war denn das schon wieder?
Jetzt war es an Levia einen Moment verwundert den Jungen vor sich anzuschauen. So ein Wort hatte sie definitiv noch nie gehört. Aber das bekam der Junge gar nicht mehr mit, da er ziemlich beschämt zu Boden sah und erst wieder aufblickte, als sich Levia für ihre Pokémon und deren Verhalten entschuldigte.
Sie sah den Jungen an und neigte leicht den Kopf, als er gar nicht darauf einging, sondern das Wort Pokémon ziemlich fragend wiederholte, als hätte er noch nie davon gehört. Das war doch aber unmöglich .... oder?
Dennoch ... die Art wie er sie uns ihre Pokémon ansah .... dass er nicht auf dieses fremde, riesige Ding reagierte, dass sie potenziell mit einem Schlag töten könnte ... dass er hier war, obwohl jeder weg gerannt wäre, wenn so ein Ding auf ihn zu käme ....
Levia schüttelte innerlich den Kopf um sich zur Ordnung zu rufen. Nein, das war unmöglich – vielleicht hatte der Junge ja auch jahrelang irgendwo eingesperrt gelebt .... oder hinter dem Mond .... oder .... ach egal.
„Ähm, ja, Pokémon.“, sagte sie endlich. „Das hier sind meine Pokémon. Sag bloß du hast davon noch nie gehört?“, fragte sie den Jungen verwirrt. „Und ich weiß zwar nicht, was du vorhin meintest, aber Patreons sind das ganz sicher nicht – ich weiß ja nicht mal was das sein soll.“
Oder war das einfach sein Wort für Pokémon?
Von den ganzen Fragen, die sich ihr in diesem Moment auftaten würde sie sicherlich noch Kopfschmerzen bekommen. Ob das hier nicht nur irgendeine Art von Traum war? Ein ziemlich schräger Traum ....?
Gerne hätte sich Levia in den Arm gekniffen um das zu überprüfen, doch sie hielt sich zurück um nicht einen noch schlechteren Eindruck auf den Jungen zu machen ... falls das überhaupt möglich war. Abby und Aralia hatten schließlich ganze Arbeit geleistet.
„Oh, im übrigen, mein Name ist Levia, und das hier sind Atari, Abby, Aralia und Rea – und wie heißt du?“, fragte sie stattdessen, um das Gespräch in eine normale Bahn zu lenken – zumindest hoffte sie das. Sie deutete zudem kurz auf jedes ihrer Pokémon, während sie ihre Namen nannte - ob sie vielleicht auch erwähnen sollte um welche Pokémon es sich dabei handelte? Denn zu kennen schien er Pokémon ja scheinbar wirklich nicht.
Außerdem musste sie nachher unbedingt Larry davon erzählen und hoffen, dass diese sie nicht für verrückt halten würde. Aber gerade sie als ihre Zwillingsschwester musste ihr das doch glauben oder? Ganz zu schweigen davon, dass sie sich so etwas verrücktes doch niemals einbilden könnte, oder?
Ein riesiges Etwas auf einer Lichtung und ein Junge, der keine Ahnung von Pokémon zu haben schien waren garantiert keine Dinge, die man sich einfach so ausdachte ...! Also ... zumindest sie nicht. Argh! Levia tat schon wieder fast der Kopf weh – sie war sich ja nicht einmal sicher, ob sie diesem Jungen überhaupt ihre Hand hinhalten sollte oder nicht. Es war so, als ob sie mit jemandem spräche, der von einem ganz anderen Planeten käme ....
Aber wie gesagt, dass war doch schließlich vollkommen unmöglich, oder?
Das Lilminip hatte es sich inzwischen auf Levias Schulter bequem gemacht und betrachtete den Fremden aufmerksam, während es das Sonnenlicht genoss, dass auf sie herunter strahlte. Doch trotz der angenehmen Wärme und der eigentlich wunderschönen Umgebung war die Situation gerade äußerst merkwürdig. Denn obwohl sie die Anwesenheit des riesigen Pokémons verunsicherte, wusste Levia nicht so recht, wie sie ihre neue Bekanntschaft darauf ansprechen sollte.
Etwas unsicher kratzte sie sich leicht am Hinterkopf, bevor sie, nach einem kurzen Blick in Richtung des riesigen, felsähnlichen, grauen Dings, sich wieder an den Weißhaarigen wandte. „Sag mal ... hast du nicht mitbekommen, dass dieses riesige ... äh ... irgendwas? ... hier abgestürzt ist?“, damit sah sie wieder leicht zur weiterhin äußerst friedlich dastehenden Ultrabestie, die Levia jedoch nach wie vor nicht als solche erkannte, denn begegnet war sie ihr damals in Rayono nämlich nicht. Gingen etwa wieder solche Portale überall hier im Land auf und fingen an fremde Pokémon in ihre Welt zu entlassen?
Dieser Gedanke bereitete der Weißhaarigen Unbehagen, auch wenn dieses Exemplar hier äußerst friedfertig zu sein schien. Mit Absicht hatte es die Bäume bei seiner Landung ja offensichtlich nicht umgemäht – sonst würde es ja damit weiter machen, oder?
Etwas fragend betrachtete Levia ihre neue Bekanntschaft, die jedoch, wenn auch aus anderen Gründen, ebenso verwirrt zu sein schien wie sie in diesem Augenblick. Doch noch war Levia nicht ganz klar was genau das war .... denn noch immer kam ihr nicht in den Sinn, dass dieser Junge vor ihr gemeinsam mit der Ultrabestie erschienen sein könnte. Dazu hielt sie diesen Gedanken für viel zu absurd.


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Beitrag von Dawsonam Sa Nov 10, 2018 11:16 pm

Hain der Täuschung
Post #003, mit: Levia
So verwirrt, wie die junge Frau ihn ansah, als er die Patraeos erwähnte, fühlte er sich bei diesen "Pokémon", die ihm so gar nichts sagten. Was sollte das sein? Woher kamen sie? Wieso kannte er sie nicht? Langsam glaubte er doch, dass man sich mit ihm einen Scherz erlaubte. Vielleicht war es ja seine Aufgabe, ihn zu durchschauen? Aber das würde eigenes Denken voraussetzen und das war nicht gern gesehen. Die junge Frau bestand aber darauf, dass es Pokémon an ihrer Seite waren. »Sollte ich denn schon davon gehört haben?« stellte er die Gegenfrage, noch immer sichtlich verwirrt. Und die Verwirrung legte sich nicht, als sein Gegenüber behauptete, dass sie noch nie etwas von Patraeos gehört haben wollte. Wie konnte man von denen noch nie etwas gehört haben? Sie waren überall in der Welt und schon als kleines Kind lernte man, was es mit ihnen auf sich hatte. »Du weißt nicht, was Patraeos sind?« fragte er vollkommen fassungslos, ehe er sich in dem Stück Wald umsah, in dem er sich gerade befand. Er wartete förmlich darauf, dass jeden Moment jemand aus der nächsten Ecke gesprungen kam und ihm mitteilte, dass es seine Strafe für seinen Regelbruch war. Andererseits...war das doch eine äußerst seltsame Strafe. Prügel, Verhaftung - ja, aber das? Was sollte ihm das sagen? Er sah auch zu Auruhin empor und versuchte, in dessen Gesicht irgendetwas zu lesen, das ihm weiterhelfen konnte. Aber einmal davon abgesehen, dass er das Gesicht seines Patraeos von hier unten kaum sehen konnte, hätte ihm Auruhin auch nicht helfen können. Denn er wusste genauso wenig, was hier vor sich ging. Der Wald faszinierte auch das Kaguron, denn auch wenn es einige Bäume zerstört hatte, fand er die Menge doch irgendwie faszinierend. Aber noch immer schien es nicht zum Angriff übergehen zu wollen, was wohl ein gutes Zeichen war. Dawson fand die seltsamen Wesen, diese angeblichen "Pokémon", immer noch sehr suspekt, aber er konnte sich bei Auruhin sicher fühlen. Was nicht hieß, dass er in deren Nähe kommen wollte. Die jetzige Entfernung war gerade noch so in Ordnung.
Als sich die junge Frau dann aber vorstellte, kehrte ein wenig Normalität in die ganze Sache ein. Ein wenig. Mit Namen konnte er durchaus etwas anfangen, doch es verwirrte ihn, dass sie sich lediglich mit ihrem Vornamen vorstellte. Üblicherweise sprach man sich doch zunächst mit dem Nachnamen an? Und dann waren da noch die vielen Namen ihrer Begleiter, die er erst recht nicht nachvollziehen konnte. Wieso hatte sie derartig viele Miniatur-Patraeos? Sie musste etwas ganz besonderes sein! Und daher auch weit über ihm stehen. Und weit über der Präsidentin. Was allerdings auch absolut keinen Sinn ergab. Niemand stand über der Präsidentin. Aber er hatte noch von keinem Fall gehört, in dem jemand gleich vier Beschützer an seiner Seite hatte. »Dawson.« nannte er letzlich nur seinen Namen, noch verwirrt von allem anderen. Aber nach mehr hatte Levia ja auch nicht gefragt, nicht wahr? Er betrachtete sie ein wenig genauer und versuchte, Anzeichen dafür zu finden, was sie genau von ihm wollen könnte. Doch er fand absolut gar nichts. Ihm entging aber auch nicht, dass eines ihrer Patraeos...Pokémon...was auch immer Auruhin anstarrte als wäre der irgendeine Bedrohung. Und dann kam auch noch Levia damit an und erzählte irgendetwas von Auftauchen oder Abstürzen und riesiges Ding. Dawson sah sie an, als sei sie verrückt geworden, dann folgte er ihrem Blick. Sie meinte tatsächlich...Auruhin? Hier war doch niemand abgestürzt! Gut, er hatte sich genüsslich auf den Bauch gelegt, auf diesen wunderbar weichen Boden, aber..abgestürzt war hier niemand. Dawson hatte zwar auch keine Ahnung, wie er hier gelandet war, aber wenn sie abgestürzt wären, hätte er das wohl gewusst. »Du sprichst von Auruhin? Hier ist niemand abgestürzt. Soll das eine neue Art der Bestrafung sein? Wenn Sie mich dazu bringen wollen, den Verstand zu verlieren, damit ich mich Ihnen nicht mehr wiedersetzen kann, werden Sie mehr brauchen als das hier.« sagte er und machte eine ausladende Geste auf die vermeintliche Wald-Projektion. Gut, er war kurz davor wirklich zu glauben, dass er verrückt wurde, aber er würde sich bestimmt nicht einrede, dass irgendetwas hiervon echt war! »Wie schaltet man das wieder aus?« fragte er, mittlerweile doch ein wenig aufgebracht, ehe er zu einem der Bäume ging und nach einem Ausschalter suchte. Auch einen Blick auf seine Armbanduhr riskierte er - war sie stehen geblieben? Die Zeit schien gar nicht weitergelaufen zu sein. Er hob seinen Arm an und drückte auf der Uhr herum, doch es geschah überhaupt nichts. »Bis vor ein paar Minuten hat sie doch noch funktioniert.« murmelte er vor sich hin. Vielleicht sollte er einfach wieder nach Hause gehen. Dort konnte jemand seine Uhr reparieren und er würde das Abendessen serviert kriegen. Wie jeden Tag also. Und dann musste er eine Lösung finden, diese Frau nicht heiraten zu müssen. Dieses Problem erschien ihm gerade aber sehr weit weg. Erst einmal musste er herausfinden, was hier eigentlich gespielt wurde.



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Beitrag von Leviaam So Nov 11, 2018 1:31 am

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#014 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Sollte er sie kennen, fragte er .... Sollte er sie kennen?! Natürlich sollte er sie kennen! Pokémon waren jetzt weiß Gott nichts unnatürliches oder so seltenes, dass man sich über sie wundern sollte – und doch tat ihr Gegenüber genau das und Levia widerstand dem Drang sich die Hand vor die Stirn zu schlagen. Das wäre nur unhöflich gewesen und sie sollte wenigstens versuchen mit ihrem Gesprächspartner nett und freundlich zu sprechen .... sie wollte schließlich auch nett behandelt werden, oder?
Aber das war bei Arceus nicht leicht – zumindest musste sich Levia ziemlich zurückhalten, da sie genau wusste, dass ihre direkte Art manchmal etwas ... ungestüm ... sein konnte. Also versuchte sie es auf die freundliche Tour: „Also .... eigentlich schon. Ich habe zumindest noch nie jemanden getroffen, der keine Pokémon kennt. Sie sind hier schließlich überall.“
Auf sein fassungsloses Gesicht, als sie ihm erzählte, dass sie nicht wisse, was Patraeos sein sollten, wusste sie im ersten Moment auch nichts zu sagen – stattdessen schüttelte sie zunächst den Kopf bevor ihr doch noch etwas einfiel, was sie sagen konnte. „Nein ... sollte ich das?“
Sie sah ihren gegenüber recht fragend an. Na immerhin antwortete er auf ihre Frage und sie erfuhr, dass sie mit einem gewissen Dawson sprach. Das erleichterte einiges – denn so konnten sie sich jetzt zumindest mit Namen ansprechen.
„Nett dich kennenzulernen, Dawson.“, meinte sie daraufhin, lächelte etwas und war doch erleichtert, dass das Gespräch in einem gewissen Rahmen normal verlief – dachte sie zumindest. Denn abgesehen davon, dass Dawson ständig zu diesem Ding schaute, war er wohl immer noch mit ihr und ihren Pokémon überfordert. Ein bisschen überfordert war Levia auch – und zwar, weil ihr langsam dämmerte, dass ihr Gegenüber und das riesige Ding zusammengehören konnten.
Dieser Verdacht erhärtete sich nur noch mehr, als Dawson sie ansah, als sei sie eine Verrückte, nachdem sie ihn gefragt hatte, ob er nicht mitbekommen hatte, wie das Irgendwas hinter ihnen abgestürzt sei. Er bezeichnete das Wesen als ... Aruhin? Moment, das Ding hatte einen Namen und er kannte es wirklich?!
Jetzt war es an Levia ihren Gegenüber fassungslos anzuschauen – und leider war er noch nicht fertig mit seiner Vorstellung. Er fing an davon zu faseln, dass hier niemand abgestürzt sei und ob das hier eine neue Bestrafung sei und das man ihn damit ja nicht klein kriegen würde. Die Weißhaarige sah zu ihren Pokémon, die jedoch ebenso verwirrt zu sein schienen wie ihre Trainerin. Diese strich sich dann auch durch ihre Haare, bevor sie sich zu Dawson wandte, der wohl gerade dabei war vollends seinen Verstand zu verlieren.
„Aruhin? Also dieses .... äh ich meine .... es hat einen Namen?“, fragte sie, noch immer sichtlich verwirrt. „Es gehört also zu dir? Außerdem, was für eine Bestrafung? Hier wird niemand bestra- ... was zur Zerrwelt tust du da?!“
Noch bevor Levia auch nur versuchen konnte Dawson zur Vernunft zu bringen, war dieser auch schon zu einem der Bäume gegangen und begann ihn ... abzusuchen? Für einen Moment beobachtete sie das Schauspiel und wie Dawson danach fragte, wo man 'das' ausschalten könnte. Wo dachte er denn bitte, dass sie hier waren?
„Ausschalten? Was denn bitte ausschalten? Wir sind hier doch nicht in einem Computerspiel, Dawson.“, versuchte Levia es noch einmal. Sie betete darum, dass er wieder zur Vernunft kommen möge, bevor auch sie noch anfing an ihrem eigenen verstand zu Zweifeln. „Und natürlich ist Aruhin hier abgestürzt – die kleine Schneise und die umgeknickten Bäumen kommen doch nicht einfach aus dem Nichts zustande.“
Auch wenn Levia noch nicht ganz verstand wieso dieses Etwas bei ihnen einen Namen hatte, so war es wohl doch besser, wenn sie den Namen benutzte und es nicht umschrieb, denn das schien Dawsons Psyche alles andere als gut zu tun. Okay, er war derjenige, der gerade versuchte die reale Welt abzuschalten, aber noch schlimmer wollte sie es nun wirklich nicht machen. Aber was sollte sie denn bitte noch tun um den Jungen wieder ins Hier und Jetzt zurück zu holen?
Denn jetzt drückte er wie wild auf seiner Armbanduhr herum, als ob er davon etwas erwarten würde. So langsam konnte man wirklich glauben, dass Dawson nicht von dieser Welt war. Ein bisschen verzweifelt strich sich Levia abermals durch die Haare, bevor sie ein paar Schritte auf Dawson zutrat, jedoch darauf achtend, ihm möglichst nicht zu nahe zu treten, für den Fall, dass dieses Ding doch zu ihm gehörte und er sein 'Patreaos' – oder wie auch immer es hieß – noch auf sie hetzte. Ihre Pokémon blieben freundlicherweise zurück, als ob sie verstanden hätten, dass Dawson sich bei ihnen nicht wohl fühlte, Das Lilminip sah nun zu Aruhin, während sich das Irrbis neben dem Maracamba ins Gras gesetzt hatte. Nur Atari beobachtete das ganze Geschehen sehr aufmerksam und ließ weder Levia noch Dawson aus den Augen.
Levia betrachtete den Jungen vor sich relativ besorgt. Nicht nur schien er irgendwie vollkommen durchgedreht zu sein, sondern wirkte gleichzeitig auch extrem verloren. Sie hatte das Gefühl, dass sie ihn nur zu einem geringen Teil verstand – und ihre Probleme sich gegenseitig richtig zu verständigen, waren nur noch weitere Zeugen davon. Vorsichtig räusperte sich Levia, um auf sich aufmerksam zu machen und sah Dawson an.
„Alles ... in Ordnung bei dir Dawson?“, fragte sie vorsichtig nach und sah ihn weiterhin besorgt an. Irgendwie tat ihr dieser Junge Leid – und das nicht, weil er sich so komisch verhielt, sondern weil seine Taten irgendwie mehr etwas von Verzweiflung als von Bedrohung an sich hatten. Die Training hatte nicht das Gefühl einem schlechten Menschen gegenüber zu stehen.
„Sag mal ... von woher kommst du?“, sie sah Dawson offen an. Vielleicht brachte diese Frage etwas Licht ins Dunkel? Vielleicht brachte sie auch noch mehr Fragen, aber so käme sie vielleicht wenigstens ein Stückchen voran. Irgendworan musste es ja schließlich liegen, dass er keine Pokémon kannte, oder?
Leider bemerkte Levia genau in diesem Moment, dass es sich etwas Grünes in Dawsons Haaren bequem gemacht hatte. Ein junges Webarack war wohl aus den Ästen des Baumes gefallen – eigentlich nichts ungewöhnliches vor allem für junge Pokémon dieser Art – doch in Anbetracht von Dawsons bisherigen Reaktionen war das hier wohl der ungünstigste Zeitpunkt, den man sich hätte wünschen können. Aber vielleicht bemerkte er es ja gar nicht, bis sich das junge Spinnenpokémon von alleine wieder in sein Nest bequemte?
Levia jedenfalls versuchte nicht zu offensichtlich auf das kleine Pokémon in Dawsons Haaren zu schielen, sondern lieber den Jungen anzusehen, der ihr momentan solche Sorgen bereitete. In diesem Augenblick wünschte sie sich sehr, dass sie eine Idee hätte, was sie tun könnte, aber ihr fiel beim besten Willen nichts ein. Diese ganze Situation war schlichtweg einfach unglaublich und definitiv nicht von dieser Welt ....


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Beitrag von Dawsonam So Nov 11, 2018 10:32 am

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Post #004, mit: Levia
Es war zum Verrückt werden! Nicht nur, dass diese Frau mit Wörtern um sich warf, die er nicht verstand, jetzt behauptete sie auch noch, dass diese Pokémon überall hier waren und sie niemanden kannte, der sie nicht kannte! Das war doch völliger Unfug! »Überall? Patraeos sind überall, aber nicht diese..Pokémon!« Es erschien ihm immer noch seltsam, das Wort überhaupt auszusprechen, so fremd klang es aus seinem Mund. Langsam verzweifelte er auch wirklich an der ganzen Situation und es wurde nur schlimmer, als sie ihm in Bezug auf die Patraeos die selbe Frage stellte, wie er in Bezug auf die Pokémon. Im Grunde hatte er die Frage ja nun auch schon beantwortet - Patraeos waren überall, wie sollte man sie nicht kennen? »Ich kenne niemanden, der sie nicht kennt.« wiederholte er die Antwort der Frau einfach, da es ja auch so war. Alle wussten, was die Patraeos taten und jeder, der eine an seiner Seite wusste, konnte sich glücklich schätzen. Nur so war Dawson wahrscheinlich dem Ausschluss aus der Gesellschaft entkommen: weil er durch Auruhin in die Elite aufgestiegen war. Jeder der Unterschicht wünschte sich, dass ihm das widerfuhr und Dawson hatte großes Glück gehabt, dass das Kaguron ihn auserwählt hatte. Dass die Frau, die sich folgend als Levia vorstellte, noch nie etwas davon gehört haben wollte, schien ihm einfach unbegreiflich! Dennoch, ihre Vorstellung half zumindest minimal, ihn wieder ein wenig runter zu kochen, denn auch, wenn sie direkt beim Vornamen verblieben, waren Vorstellungen doch etwas ganz Normales. »Ja..ja, freut mich sehr.« sagte er noch etwas neben der Spur, meinte es aber durchaus ernst. Dann fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, die daraufhin recht zerzaust zurück an ihren Platz fielen. Er musste sich beruhigen und einen kühlen Kopf bewahren. Das war einfach die neue Masche der Regierung: die Leute verwirren, die sich nicht an deren Regeln hielten, um dann von hinten zuzuschlagen. So musste es einfach sein! Doch sich zu beherrschen war so unglaublich schwer. Erst recht, als Levia irgendetwas von einem Absturz faselte. Es war niemand abgestürzt! Und natürlich hatte er seinem Patraeos einen Namen gegeben! Das machte man doch schließlich so. Es war wirklich zum Verzweifeln. »Ja natürlich hat er einen Namen! Er hat mich erwählt, da ist das doch ganz üblich.« versuchte er es abermals, doch dann wurde es ihm einfach zu viel. Irgendwie musste man diese Projektion doch abstellen können! So schön sie auch war, sie trug nicht gerade dazu bei, dass er sich bei klarem Verstand wusste. Er war nicht verrückt! Auch wenn Levia ihn gerade genau so anschaute. Er musste nur den passenden Schalter finden, also begab er sich zu einem der Bäume. Vielleicht der, den er zuvor noch berührt hatte. So echt, wie er sich angefühlt hatte, war die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch, dass die Projektion von ihm ausging! So unterbrach er Levia auch in ihren Sätzen, die dann plötzlich etwas von einer Zerrwelt sagte. Was sollte das schon wieder sein? Nein, Dawson war sichtlich bemüht, sich darüber nicht auch noch den Kopf zu zerbrechen. Aber wo zum Patraeos war der Ausschalter? Der Baum schien gar nichts herzugeben, weshalb er es nun mit seiner Armbanduhr versuchte. Die war für so etwas schließlich auch wie geschaffen. Aber auch hier passierte nichts. Weniger als nichts sogar, denn das Ding funktionierte überhaupt nicht mehr! Als wäre der Akku entfernt worden. Was unmöglich war, weil es gar keinen Akku hatte. Nun meldete sich aber auch Levia wieder zu Wort, die ihn absolut nicht zu verstehen schien. Ja was wollte er wohl ausschalten? Und natürlich wusste er, dass sie nicht in einem Computerspiel waren! Die liefen schließlich ganz anders ab, mit Hologrammen und so. Das hier war lediglich eine Projektion, die ihnen Welten zeigen sollten, die sie niemals würden erreichen können. Weil es sie nicht gab. Ebenso wie Auruhin nicht hier abgestürzt war! Levia schien das aber ganz anders zu sehen. Wegen der umgeknickten Bäume und der Schneise, die wohl vorher nicht da gewesen war, gab es für sie keinen Zweifel, dass sie abgestürzt sein mussten. Umgeknickte Bäume? Die hatte Dawson bisher noch gar nicht bemerkt. Verwirrt wandte er sich um und blickte in die Richtung seines Patraeos. Es stand mitten auf dem weichen, grünen Boden - inmitten von umgestürzten Bäumen. In einer Projektion stürzte nichts um. Stand man darin, verschwand sie. Nur...hatte er auch nicht durch den Baum hindurch greifen können. Wurde er nun also doch verrückt? Mit einem Schlag wurde er ganz ruhig, bewegte sich keinen Zentimeter mehr. Stattdessen starrte er Levia fassungslos an, die mittlerweile ein Stückchen auf ihn zu gekommen war und ihn besorgt musterte. Gern hätte er wild um sich geschlagen, aber er ahnte, dass ihn das auch nicht weiterbringen würde. Er musste sich beruhigen, damit er wieder nach Hause durfte. Es war bestimmt eine Art Test, den er gerade total vermasselte. Vielleicht wurde er ja dazu auserkoren, als Wissenschaftler die Außenwelt zu erkunden? Dann würde es durchaus Sinn machen, dass man ihn in eine solch echte Projektion steckte. Er wusste zwar nicht, wie es außerhalb aussah, aber vielleicht gab es da ja auch so viele Bäume? Oder war er bereits außerhalb der Mauer? Aber er hatte keinen Schutzanzug an! Was bedeutete, dass er sicher bald sterben würde. Wieder einmal stieg Panik in ihm auf - das konnte doch alles nicht wahr sein! »Nein, gerade ist nichts in Ordnung. Sterbe ich jetzt?« fragte er total verzweifelt. Er kam von diesem Gedanken einfach nicht mehr los. Er war gerade einmal achtzehn Jahre alt, er wollte noch nicht sterben! Oh Patraeos, er hätte besser auf die Regeln hören sollen, sie nicht ständig brechen sollen. War sein Leben jetzt vorbei?
Die folgende Frage nach seiner Herkunft ließ ihn dann auch abermals innehalten. Woher er kam? Meinte sie damit seine Schicht? Seinen jetzigen Wohnort? Verwirrt starrte er sie weiter an. Er hatte auf diese Frage keine Antwort, denn sie war ihm noch nie gestellt worden. Warum auch? Jeder kam aus Pandragon - woher auch sonst? »Ursprünglich vom äußeren Ring, jetzt wohne ich im Stadtkern, wie jeder mit einem Patraeos an seiner Seite.« antwortete er, bemüht, ruhig zu sprechen. Aber das war gar nicht so einfach! Immerhin konnte er nicht nachvollziehen, warum Levia ihn so überhaupt nicht zu verstehen schien. Oder warum er sie nicht verstand. Aber vielleicht konnte die selbe Frage seinerseits ja Licht ins Dunkel bringen! »Woher kommst du denn?« fragte er also vorsichtig. Es erschien ihm seltsam, diese Frage zu stellen - so, als wäre er eben doch verrückt - aber wenn es ihm half, sie irgendwie zu verstehen, dann bitte, stellte er auch Fragen, die keinen Sinn ergaben! Eine Antwort musste allerdings auf sich warten lassen, da er plötzlich ein Gewicht auf seinem Kopf verspürte, das ihn zusammenzucken ließ. Es war vorher noch nicht da gewesen! Auch bemerkte er Levias Blick, sodass er wie aus Reflex seinen Kopf schüttelte, um das, was auch immer sich dort befand, herunter zu bekommen. Statt damit aber Erfolg zu haben, klammerte sich das Ding nur an ihm fest, nicht gewillt, loszulassen. »Oh Patraeos, was ist das nur?« fragte er, nun wieder panisch geworden - hatte man seinen Kopf besetzt, um ihm die Regeln einzubläuen, auf dass er niemals wieder eigene Entscheidungen treffen würde? Mit seinen Händen griff er nach dem Ding, um es selbst zu entfernen, erschrak aber, als er spürte, wie weich das Etwas war, das sich auf seinem Kopf ausgebreitet hatte. Panisch versuchte er, es zu entfernen, doch es klammerte sich nur weiter in seinen Haaren fest. »Oh bitte, mach es weg! Ich tue auch alles, alles, was immer Sie wollen!« dass er gerade sämtliche Formen der Höflichkeit durcheinander warf, war ihm dabei nicht einmal aufgefallen, er wollte nur, dass dieses Ding von ihm abließ und ihn frei gab. Und er betete, dass diese Frau seiner Bitte nachkam. Mittlerweile fand aber auch Auruhin die Sache nicht mehr so lustig, denn er spürte die Angst seines zu Beschützenden. So gab er grollende Geräusche von sich - eine Warnung an die Frau und ihre Wesen, seinem Dawson ja kein Leid zuzufügen.



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Beitrag von Leviaam So Nov 11, 2018 2:58 pm

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#015 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Na super, das hatte es gebracht. Es wurde immer klarer, dass keiner verstand wovon der andere sprach – aber es war doch wohl offensichtlich, dass er hier keine Patraeos vor sich hatte – was auch immer sie sein mögen. Aber gut, wahrscheinlich war es besser dieses Thema auf später zu verschieben, besonders in Anbetracht des Nervenzusammenbruchs von Dawson, der folgte, nachdem sie sich einander vorgestellt hatten.
Gut, vielleicht war er auch verrückt, schließlich suchte er nach irgendeinem Ausschalter indem er einen Baum absuchte, der ganz offensichtlich keinen besaß. Levia betrachtete die versuche Dawsons mit einer Mischung aus Besorgnis und Verwirrtheit – so etwas war ihr tatsächlich noch nicht untergekommen – und sie war manchmal doch schon generell nicht unbedingt gut im Umgang mit solchen Menschen, die Probleme hatten. Wieso begegnete also ausgerechnet ihr jemand, der ganz offensichtlich jemanden brauchte, der ihn verstand?! Denn genau das tat Levia nicht.
„Erwählt?“, fragte Levia verwundert, bevor sie einen Moment darüber nachdachte. „Ah, verstehe, er hat sich dir also freiwillig angeschlossen. Ist das bei euch so üblich?“
//Vielleicht beruhigt er sich ja, wenn ich ein wenig mitspiele ... mir behagt das ganze zwar nicht, aber das ist immer noch besser, als wenn er hier gleich noch zusammenbricht oder sonst etwas schlimmes passiert//, dachte sich die Weißhaarige und sah Dawson dabei zu, wie er langsam aber sicher verzweifelte. Er tat ihr Leid, aber was bitte sollte sie machen?
Er drückte wild auf seiner Armbanduhr herum, als würde er etwas davon erwarten. Dachte er etwa dass eine Uhr ihm bei seinem Problem helfen konnte? Wer schleppte überhaupt ständig eine Uhr mit sich herum? Die einzige Uhr, die Levia besaß, war auf ihrem Viso-Caster und das war's. Sie machte sich doch nicht Stress, dass sie anfing ständig auf die Uhr zu schauen – zumindest solange wie sie keinen Termin hatte. Doch Dawson schien zu glauben, dass seine Uhr zu mehr in der Lage war, als nur die Uhrzeit anzuzeigen.
„Wieso drückst du ständig auf der Uhr herum? Sollte da jetzt etwas passieren?“, fragte sie verwirrt. Dieser Junge warf wirklich immer mehr Fragen auf. Patraeos, Ausschalter und jetzt noch das mit der Armbanduhr. Levia legte kurz eine Hand an ihren Kopf und rieb sich leicht die Schläfe. Ihr Kopf tat weh von den ganzen Dingen die sie momentan irgendwie versuchte zu verstehen und einzuordnen – doch das Problem war, sie konnte es nirgendwo einordnen. Das hier ging weit über ihr Verständnis hinaus und Dawsons Panikattacken waren da ebenso wenig hilfreich.
Doch das änderte sich, als Levia die umgestürzten Bäume erwähnte. Dawson sah nämlich ganz danach aus, als hätte er es gar nicht bemerkt und dann plötzlich wurde er ganz ruhig. Dieser abrupte Wechsel von einem Extrem ins nächste warf Levia erneut aus der Bahn. War das jetzt, was man die Ruhe vor dem Sturm nannte? War seine vorherige Panik vielleicht nur ein Vorläufer gewesen? Was sollte sie tun, wenn er tatsächlich komplett ausrastete?
Wenn dieses Patraeos tatsächlich sein Beschützer war, würde er ihn bestimmt bei jeder Bedrohung verteidigen. Wäre dieses Ding nicht hätte ihn Levia am liebsten gepackt und einmal kräftig geschüttelt um ihn zur Vernunft zu bringen, aber so blieb ihr nichts weiter übrig, als sich vollkommen unbeholfener Worte zu bedienen, von denen sie nicht einmal wusste, ob sie überhaupt halfen. Und Dawsons Frage danach, ob er jetzt sterben würde, zeigte ihr, dass das ganz offensichtlich nicht so war. Überrascht sah sie ihren Gegenüber an.
„Sterben? Wie kommst du jetzt bitte darauf?“, fragte sie und betrachtete den Jungen noch besorgter als vorher schon. „Niemand stirbt hier – das kannst du mir glauben.“
Bam – war das nun das nächste dicke, fette Fettnäpfchen in das sie treten würde? Ja, ganz offensichtlich war es bisher, dass dieser Mensch ihr glauben wollte und konnte – natürlich würde er es auch jetzt tun. Aber es war doch die Wahrheit. Argh, wieso tat sie sich das an? In ihrem Kopf rotierte alles, um die Dinge, die gerade geschahen in eine logische Reihenfolge zu bringen.
»Ursprünglich vom äußeren Ring, jetzt wohne ich im Stadtkern, wie jeder mit einem Patraeos an seiner Seite.« , diese Worte rissen Levia aus ihrem wirren Gedanken und Selbstzweifeln. War sie tatsächlich dabei verrückt zu werden und begann sich Dinge einzubilden, oder war das hier nur ein schlechter Scherz und gleich sprang ein Fernsehteam aus den Büschen? Aber ... dieser Absturz war so echt ... das kleine Erdbeben, die umgeknickten Bäume ... das konnte man doch gar nicht fälschen, oder? Sowas würde man doch selbst fürs Fernsehen nicht vortäuschen.
Sie betrachtete Dawson für einen Moment, bevor sie auch seine Frage beantwortete – das war nur fair, richtig? „Also ursprünglich komme ich aus Kalos, aber vor einigen Jahren ist meine Familie hier nach Einall gezogen. Wir haben bis vor kurzem in Marea-City gelebt, aber jetzt haben meine Schwester und ich ein Haus in Ondula – es ist wirklich schön da.“, ein kleines Lächeln stahl sich auf Levias Gesicht, als sie davon berichtete. Ja, sie freute sich sehr darüber, dass sie mit Larry ein Haus teilen konnte. Aber das löste das Problem, vor dem sie gerade stand, auch nicht. Im Gegenteil – es wurde sogar noch viel schlimmer.
Denn Dawson bemerkte durchaus, dass sich dort etwas auf seinem Kopf platziert hatte – und wie Levia es befürchtet hatte, bekam er die nächste Panikattacke. Er versuchte das kleine Poémon mit sanfter Gewalt von seinem Kopf zu entfernen, was jedoch nur dazu führte, dass sich das Spinnenpokémon noch mehr festkrallte. Und je panischer Dawson wurde, desto mehr klammerte das Pokémon – bis Dawson sie schließlich anflehte es wegzumachen und das er alles tun würde, was sie will. Leider fand wohl auch das Patraeos diese ganze Angelegenheit gar nicht lustig, denn es gab ein dunkles Grollen von sich, dass sowohl Levia, als auch ihre Pokémon leicht zusammenfahren ließ. Doch die Trainerin bemühte sich, sich nur auf Dawson zu konzentrieren und das riesige Patraeos so weit wie möglich auszublenden.
„Ganz ruhig – halt still, ich helf dir.“, meinte Levia. „Du musst auch nichts weiter tun, als dich zu beruhigen.“, die Weißhaarige ging Dawsonzu, aber irgendwie auch darauf bedacht zu zeigen, dass sie nichts im Schild führte. Sie sah das leicht verstörte Webarack an, dass noch immer nicht zu wissen schien, wie ihm geschah. Sanft sprach die Weißhaarige das kleine Pokémon an: „Alles gut – du musst keine Angst haben. Er hat sich nur erschreckt – komm her, Kleiner.“
Behutsam nahm Levia die kleine, grüne Spinne in ihre Hände und hob sie von Dawsons Kopf. Anschließend ging sie ein paar Schritte zurück und ließ Dawson sehen, was da auf seinem Kopf gesessen hatte, in der Hoffnung es würde ihn beruhigen.
„Das war nur ein kleines Webarack – weißt du, sie leben in solchen Bäumen und wenn sie klein sind, fallen sie manchmal runter. Ich glaube es hatte genauso große Angst vor dir, wie du vor ihm – aber mach dir keine Sorgen, es wird dir nichts tun. Guck.“, vorsichtig setzte Levia das kleine Pokémon auf einem niedrigen Ast des Baumes ab und nach einem kurzen Moment der Orientierung, verschwand das kleine Pokémon auch schon wieder zwischen den höheren Ästen. Levia sah wieder zu Dawson: „Alles wieder soweit in Ordnung?“
Sie konnte nur hoffen, dass auch der Aufpasser des Jungen mit dem Ergebnis zufrieden war – aber irgendwie konnte sie seinen Ärger zumindest ein bisschen verstehen. Atari würde bestimmt ähnlich handeln – auch wenn es doch nicht ihre Schuld war, dass das Webarack genau jetzt beschlossen hatte auf Dawsons Kopf zu landen. Als ob man so etwas planen könnte.
Aber gut, wie dem auch sei, es gab noch ein dringenderes Problem zu lösen – und genau darum wandte sie sich noch einmal an Dawson: „Entschuldige, dass kommt jetzt vielleicht etwas dämlich rüber, aber, sag mir ob ich das richtig verstanden habe, ok? Du hast keine Ahnung wo du hier bist, richtig? Und das dahinten ist dein Patreaos Aruhin, er ist dein Beschützer und hat sich dir freiwillig angeschlossen. Du hast früher irgendwo in einem äußeren Ring gewohnt, aber dank Aruhin wohnst du jetzt im Stadtkern deines Zuhauses. Bedeutet das also, dass diese Patraeos was besonderes sind? Glaub mir, ich will dich nicht ärgern, ich will nur versuchen dich zu verstehen, damit ich dir besser helfen kann. Und wenn es dir hilft dann ... mh, sagen wir es mal so, genauso wie Aruhin dich beschützt, beschützen mich meine Pokémon. Aber hier in Einall sind Pokémon nicht selten und fast jeder der hier lebt besitzt mindestens eines. Ich habe keine Ahnung wieso du denkst, dass das hier nicht real ist – aber schau sich doch um, du kannst alles anfassen und spüren, oder? Du spürst das Gras, die Rinde der Bäume und du merkst doch auch den Wind, oder etwa nicht?“
Levia sah Dawson an. Sie wollte ihn wirklich nicht ärgern oder in die Verzweiflung stürzen – sie wollte ihn nur verstehen – auch wenn ihr das unglaublich schwer viel, denn nach wie vor konnte sie sich nicht vorstellen, dass es tatsächlich möglich war, dass Dawson aus einer anderen Welt kam. Obwohl alle Zeichen dafür sprachen, konnte sie es nicht glauben – sollte es wirklich Welten außerhalb dieser geben? Aber ... das waren doch nur Märchen in irgendwelchen Büchern – oder?
Levia wusste nicht genau, was sie denken sollte – aber sie war zumindest bereit dem ganzen eine Chance zu geben. Auch wenn das hier ihre Vorstellungskraft bei weitem überstieg.
„Also ...“, sprach Levia dann schließlich. „Ich hab keine Ahnung wie es dir gerade geht oder was du denkst, aber ... wenn du mir nichts sagst, dann kann ich dir auch nicht helfen. Ich will versuchen dich zu verstehen, auch wenn es nicht einfach für mich ist – für sich wahrscheinlich auch nicht - aber damit ich versuchen kann dir zu helfen, musst du mir auch was erzählen. Was ist denn passiert, bevor du hier aufgewacht bist? Was war in deiner Heimat los? Wenn du willst kannst du mir im Gegenzug aber auch fragen zu meiner Heimat stellen – also ... wenn es dir hilft, meine ich.“
Levia betete zu Arceus, dass diese Fragen etwas Licht ins Dunkel bringen mögen. Es konnte doch nicht ewig so weitergehen, dass sie aneinander vorbei redeten und im schlimmsten Fall noch gegeneinander kämpften. Nein, das wollte Levia nun wirklich nicht – diese Aufregung wollte sie sich nicht antun. Schon gar nicht, weil Dawson eigentlich ganz nett zu sein schien – abgesehen von ihren unterschiedlichen Vorstellungen.
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Hain der Täuschung
Post #005, mit: Levia
Obwohl die beiden miteinander sprachen, hatte Dawson eher das Gefühl, dass sie glorreich aneinander vorbei redeten. Er verstand sie nicht und sie ihn nicht und das zog sich bisher durch die ganze Unterhaltung. Oder sie tat nur so, ihn nicht zu verstehen, um sie zu verwirren. Wer wusste schon, was in ihrem Kopf vorging? Aber sie spielte ihre Rolle so unglaublich gut! Wie konnte es da nicht der Wahrheit entsprechen. Sie schien jedenfalls sichtlich verwirrt zu sein, als er davon sprach, dass Auruhin ihn erwählt hatte. Wieso wusste sie eigentlich nichts darüber, was in der Welt so vor sich ging? War sie...vielleicht doch von der Außenwelt und die Regierung hatte sie bisher alle belogen? Vielleicht gab es dort ja diese Wesen, die sie Pokémon nannte. Oder es waren einfach geschrumpfte Patraeos, die neu in die Stadt gekommen waren! Was jedoch nicht erklärte, wieso sie sich so komisch benahm. Er atmete tief ein, um sich ein wenig zu beruhigen, dann antwortete er ihren Bemühungen, ihn zu verstehen. »Richtig.« Mehr sagte er dazu allerdings auch nicht, da er darüber nachdachte, was die Frage "Ist das bei euch so üblich?" genau zu bedeuten hatte. Als würde sie davon ausgehen, dass er nicht von dieser Welt war. Oder sie nicht von seiner. Wie auch immer man es betrachten mochte, es war alles sehr suspekt, aber es half tatsächlich, dass sie nicht noch viel mehr neue Fragen aufwarf, sondern sich bemühte, ihn zu verstehen. Vielleicht sollte er so freundlich sein, es ihr gleich zu tun. Nur war er dafür momentan noch viel zu aufgewühlt. Er musste diese Projektion loswerden, damit er sich wieder in der Stadt befand die er kannte, dann konnte er gern weiter mit der Frau sprechen. Nur fand er an dem Baum auch nichts, das ihn die Projektion ausschalten ließ und zu allem Überfluss funktionierte auch seine Armbanduhr nicht mehr. Wie verrückt drückte er darauf herum, bis Levia ihn fragte, warum er das denn tat und ob da nun irgendetwas passieren sollte. Er bemühte sich wirklich, nicht wieder auszuflippen, sondern stattdessen ruhig zu bleiben, was aber fast unmöglich war. Es war einfach frustrierend, dass sie nichts von dem zu verstehen schien, was für ihn so selbstverständlich war. »Ich verstehe zwar nicht, warum du es nicht weißt, aber manche Projektionen oder Hologramme werden durch Armbanduhren gesteuert. Was bedeutet, dass ich diese hier damit ausschalten können müsste, weil es nirgendwo sonst einen entsprechenden Schalter gibt.« bemühte er sich ruhig zu erklären, denn irgendwie brachte es ja auch nicht viel, Levia anzuzicken, nur weil gerade nichts so war, wie er es gewohnt war. Er musste aber auch einsehen, dass ihm die Uhr hier nicht weiterhalf. Sie war nicht mehr funktionstüchtig, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht funktionierte diese Projektion ja auch über Sprachsteuerung? Blieb die Frage, welches Wort er verwenden musste, um sie anzusprechen. Und ob sie dann auch noch stimmgesteuert war...gerade kam ihm aber auch ein ganz anderer Gedanke: was, wenn es wirklich keine Projektion war und er sich in der Außenwelt befand? Erneut stieg Panik in ihm hoch - dann würde er doch sicher sterben! Und Levia gleich mit ihm! Verzweifelt sprach er seine Sorgen aus, doch Levia versicherte ihm daraufhin, dass hier bestimmt niemand sterben würde. Das war gut, sehr gut! Nur woher wollte sie das wissen? »Okay...okay, aber...wo bin ich dann?« Er versuchte, es rational zu sehen und zu erkennen, wo er sich nun genau befand, aber er hatte dafür einfach keine Erklärung.
Und ihre Frage, woher er kam, machte es im Grunde nur noch schlimmer. Dennoch versuchte er, ihr die Frage irgendwie zu beantworten, auch wenn er sich nicht sicher war, worauf sie hinaus wollte. Und seine Antwort schien sie auch zu verwirren. Irgendwie glaubte er nicht, dass sie auf diese Weise weiterkommen würden. Und von seiner Frage, woher denn sie kam, erhoffte er sich auch nicht besonders viel. Dennoch war sie so freundlich, ihm darauf zu antworten - und hinterließ abermals ein sehr großes Fragezeichen auf seinem Kopf. Tausende unbekannte Wörter enthielt ihre Antwort: Kalos, Einall, Marea City, Ondula. Und das waren wohl nur die Wohnorte! Ebenfalls brachte es ihn völlig aus dem Konzept, dass sie mit ihrer Familie hergezogen war - und nun mit ihrer Schwester zusammenlebte. Eine Familie hatte man doch nur dann, wenn man verheiratet war und selbst ein Kind hatte. Und das auch nur 6 Jahre lang. Und eine Schwester? Dawson war sich nicht einmal sicher, was das überhaupt sein sollte. Doch das Strahlen im Gesicht seines Gegenübers ließ ihn erahnen, dass es etwas sehr Schönes sein musste. »Tut mir leid, aber das verstehe ich nicht.« musste er zugeben, statt die ganzen Fragen, die ihm im Kopf herum spukten, laut auszusprechen. Er ahnte, dass es der Situation nicht gerade zuträglich sein würde, wenn er jetzt noch mehr Fragen aufwerfen würde.
Ohnehin wurde er da jäh in seinen Gedanken unterbrochen, als er etwas auf seinem Kopf spürte, das ihn abermals zur Verzweiflung brachte. Und nun war es auch Auruhin, der nicht mehr lange brauchen würde, um in die Situation einzugreifen. Was bedeutete, dass das Ding auf seinem Kopf etwas sehr Gefährliches sein musste! Nachdem er völlig verzweifelt versucht hatte, es zu entfernen und daran gescheitert war, flehte er Levia um Hilfe an - die daraufhin vorsichtig auf ihn zukam und ihn mit Worten zu beruhigen versuchte. Sie wollte ihm helfen, wenn er sich beruhigte. Also gab er sein Bestes, das zu tun. Es fiel ihm gewiss nicht leicht und am liebsten wäre er einfach umher gerannt und hätte sich das DIng aus den Haaren gezogen, doch er zwang sich, ganz still zu bleiben, sodass Levia nah genug an ihn heran konnte. Und dann sprach sie...jedoch nicht mit ihm, sondern mit dem Ding auf seinem Kopf. Was auch immer es sein mochte. Glücklicherweise dauerte es nicht lange, da verließ ihn das Gewicht und er konnte wieder aufatmen. Nicht, dass er sich schon vollends beruhigt hatte, doch er war froh, als Levia von ihm zurück trat. Dass sie ihm das Ding dann zeigte, beruhigte ihn zwar nicht sonderlich, doch er konnte einen Blick darauf erhaschen. Es war grün und...irgendwie seltsam geformt. Eigentlich schien es ganz friedlich zu sein, aber es war Dawson trotzdem nicht geheuer. Angeblich war es ein Webarak, doch auch mit diesem Namen war er völlig überfordert. Vermutlich war es eines dieser Pokémon, die auch Levia begleiteten. Wo auch immer er war, es warf nur noch mehr Fragen auf. Argwöhnisch beobachtete er das Wesen, nachdem Levia es in den Baum gesetzt hatte, bis es endlich verschwunden war. Es lebte also in den Bäumen. Das war irgendwie gruselig. Und...seltsam, denn das musste bedeuten, dass diese Bäume wirklich echt waren. Was in seinen Augen immer noch völlig absurd war. »J-ja..danke.« antwortete er beschämt. Es war ihm peinlich, dass er so ausfallend reagiert hatte, wo das Wesen ihm letztlich doch gar nichts getan hatte. Auch Auruhin hatte sich wieder beruhigt. Die Gefahr war also gebannt.
Nicht aber die vielen Fragen, die sich in seinem Kopf angesammelt hatten. Nach der Sache mit dem Webarak schien Levia aber noch gewillter zu sein, ihn zu verstehen und zählte all die Dinge auf, die er ihr bisher erzählt hatte. Sie hatte da schon recht gut aufgepasst, doch noch immer war sich Dawson nicht sicher, ob er ihr ihre Unwissenheit glauben sollte. Aber vielleicht war auch er derjenige, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. Oder das hier war nur ein sehr realer Traum! »Ja, Patraeos sind die Beschützer der Stadt. Sie schließen sich nur ganz besonderen Menschen an, die sie dann fortan beschützen. Sie stehen über den Menschen und...naja, sie sind etwas Besonderes, wie du sagtest.« Gut, dann versuchte er eben, das Spiel mitzuspielen. Es war wohl immer noch besser, als die Lage völlig verzweifelt einzuschätzen und dann doch nicht weiterzukommen. Bisher war er schon einmal nicht gestorben, das war wohl ein gutes Zeichen. Levia erklärte anschließend noch, dass hier in Einall die Pokémon die Menschen beschützten und ihre Anwesenheit ganz normal war. Also war er...in Einall? Das Wort erschien ihm so fremd, dass ihn der Gedanke erschreckte, sich nicht mehr in Shiroh zu befinden. War das überhaupt möglich? Und wenn es stimmte, wie war er dann hierher gekommen? Als sie geendet hatte, sah er sich noch einmal um. Ja, er hatte die Rinde des Baumes und den grünen Boden fühlen können. Auch den Wind spürte er, aber der war ihm nichts Fremdes. Unsicher sah er wieder zu Levia. »Du sagst also, dass ich in Einall bin?« Er musste diese Frage einfach stellen, auch wenn er sich vor der Antwort fürchtete. Wenn er nicht in Shiroh war - was schon grotesk genug war - würde er unmöglich zur Sperrstunde wieder zu Hause sein können. Denn er hatte absolut keine Ahnung, wie er Pandragon wiederfinden sollte.
Dennoch kam er nicht umhin zu bemerken, dass er froh war, dass Levia keine neuen Fragen mehr aufwerfen wollte, sondern ihn stattdessen verstehen wollte. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie er sich fühlte, konnte ihm aber auch nicht helfen, wenn er ihr nichts erzählte. Es klang ganz so, als würde sie tatsächlich davon ausgehen, dass sie aus zwei verschiedenen Welten kamen. Was verrückt war. Es gab doch nicht mehr als eine Welt, oder? »Also glaubst du, dass...wir nicht aus der selben Welt stammen?« fragte er skeptisch. Nein, das erschien ihm immer noch sinnlos. Aber vielleicht hatte sie recht und er sollte etwas erzählen. Irgendetwas. Vielleicht konnten sie ja gemeinsam herausfinden, was letztlich geschehen war. Und wenn es nur war, dass sie ihn für verrückt erklärten. Das wäre immer noch besser, als gar keine Erklärung zu haben. »Um das klarzustellen: ich halte das für verrückt. Zwei Welten, die nebeneinander existieren sollen. Unbekannte Wesen auf beiden Seiten...das ergibt keinen Sinn. Aber ich wäre sehr dankbar, wenn wir dem gemeinsam auf den Grund gehen könnten.« sagte er vorsichtig und legte den Kopf schief. Es blieb ihm gerade sowieso nicht viel anderes übrig. »Also ich...muss zugeben, dass ich gegen die Regeln der Regierung verstoßen habe, bevor...das hier passiert ist, was auch immer es ist. Ich...war mit der Wahl meiner Frau nicht einverstanden und brauchte Zeit für mich. Vor ein paar Monaten habe ich seltsame...Dinger..gesehen, als ich auf Auruhin gesessen habe. Sie waren kreisrund und dunkel und ich wollte wissen, was es damit auf sich hat. Also bin ich zum Stadtrand - den wir nicht erreichen dürfen, weil er zu nah an der Mauer liegt - und habe danach gesucht. Aber ich habe nichts gefunden. Dann tauchte das Militär auf, um mich wieder nach Hause zu bringen. Und jetzt bin ich hier.« versuchte er alles möglichst logisch und verständlich zu erklären. Wie er hier her gekommen war, wusste er nun immer noch nicht, aber...vielleicht war es ein Ansatzpunkt? »Und du sagst, dass das alles hier-« er machte eine ausladende Geste durch den Wald. »- wirklich echt ist? Wir stehen...tatsächlich in einem echten Wald?« fragte er nach, ungläubig und unsicher, denn es erschien ihm nach wie vor unlogisch. Aber da sie auch nicht gerade sicher war, konnte er diese Frage doch bestimmt ohne Konsequenzen stellen, oder?



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Beitrag von Leviaam So Nov 11, 2018 6:46 pm

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#016 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Gut, es schien als seien sie auf dem richtigen Weg ... irgendwie.
Levia war froh, dass sie wohl einiges inzwischen irgendwie vernünftig einordnen konnte. Es war vielleicht noch nicht perfekt, aber es war besser als nichts und zumindest für den Anfang sollte es reichen. Doch wenn sie es richtig sah, war Patraeos wohl doch nur ein anderes Wort für Pokémon ... wenn man dieses riesige denn Ding denn so bezeichnen wollte ... vielleicht sollte sie einfach bei Patraeos bleiben. Auch wenn sich das Wort nach wie vor sehr fremd aus ihrem Mund anhörte – ob es Dawson so auch mit dem Wort Pokémon ging? Wahrscheinlich.
Nun aber tat sich eine ganz andere Sache auf, denn als Dawson ihr erklärte wozu diese Armbanduhr an seinem Handgelenk alles gut sein sollte, erwähnte er Projektionen und Hologramme und das man diese damit meistens ausschalten konnte. Da wurde ihr auch endlich bewusst für was Dawson das alles hier hielt – für eine reine Projektion!
Nach dieser Information hätte sie sich am liebsten hingesetzt, aber das war ihr nicht vergönnt. Sie kam gar nicht mehr dazu Dawson zu erklären, dass das hier nicht möglich war – und Hologramme kannte sie nur von den neusten Geräten aus Alola die Hologramm-Anrufe ermöglichten, aber sonst? Ein ganzer Wald wie dieser sollte eine reine Projektion sein? Wo bitte kam der Weißhaarige her?!
Jedoch kam sie nicht dazu ihm etwas zu sagen, da er sie sogleich fragte, ob sie denn hier sterben würde, was Levia jedoch verneinen und wie es schien den Jungen auch damit ein wenig beruhigen konnte. Seine Frage danach, wo er denn dann sei erübrigte sich, als Levia ihm erklärte wo sie wohnte. Das warf jedoch das nächste Problem auf, denn ab einem gewissen Punkt schien Dawson ihr nicht mehr folgen zu können und tat das auch kund. Doch bevor Levia nachfragen konnte, was er denn nicht verstanden hätte, trat das Webarak auf den Plan, das von den Bäumen in Dawsons Haare fiel und ihn damit in Panik versetzte. Zum Glück konnte Levia das leicht verstörte Pokémon relativ schnell aus den Haaren des ebenso verstörten Weißhaarigen befreien und zurück in die Natur entlassen. Dies war aber auch nur möglich, weil sich Dawson Mühe gab ruhig zu bleiben – ein Glück hatte er sich daran gehalten sonst wäre es ziemlich schwer geworden das Webarak zu entfernen – aber so konnten sich beide, das Webarak und Dawson, wieder entspannen und ihrer eigenen Wege gehen.
Auch das anschließende Gespräch verlief erfreulich glatt. Levia erklärte ihm was sie bisher verstanden hatte und das war offensichtlich gar nicht mal so falsch, wenn sie Dawsons Worte richtig deutete. Sie nickte leicht als er ihr erklärte, dass sich Aruhin ihm freiwillig angeschlossen hatte und ihn beschützte. Da lächelte Levia wieder und sah Dawson an: „Das ist sehr schön. Denn wenn er freiwillig zu dir gekommen ist, dann muss er dich sehr mögen und dir vertrauen – und Vertrauen ist sehr wichtig.“
Auf seine Frage, ob er in Einall sei nickte sie. „Ja, das hier ist die Einall-Region. Sie ist eine von vielen anderen Insel-Regionen, aber das ist jetzt erstmal Nebensache. Gerade befindest du dich in Einall – um genauer zu sein stehen wir hier gerade im Hain der Täuschung, einem großen Wald.“, erklärte sie anschließend noch ruhig. Er blieb schließlich auch so ruhig er konnte, wenn er ihr etwas erklärte, also sollte sie das auch tun, nicht wahr? Es war bestimmt nicht klug genervt oder laut zu werden, nur weil der andere einen nicht verstand – sie wollte schließlich auch nicht angemeckert werden.
Erfreulicherweise ließ sich Dawson sogar darauf ein ihr ein wenig über sich und seine vorangegangene Situation zu erzählen, sodass sie ihn vielleicht besser verstehen konnte. Sie sah Dawson aufmerksam an, während er erzählte. Auf seine Frage hin, ob sie wirklich glaube, dass sie aus zwei unterschiedlichen Welten stammten, hatte sie nur mit den Schultern gezuckt – sie konnte es doch selbst nicht glauben. Als er geendet hatte, ließ sich Levia im Gras nieder und sah zu Dawson – sie hatte einfach keine Lust mehr zu stehen.
„Sorry, aber ich glaube, da wir uns noch länger unterhalten, sollten wir uns setzen – mach's dir also ruhig bequem, wenn du magst.“, sie lächelte leicht und würde ihn natürlich nicht zwingen, aber das stehen wurde mit der Zeit doch anstrengend, wenn man sich nicht bewegte. „Also, um das auch mal klarzustellen, ich halte diese Sache mit den zwei Welten für ebenso verrückt, aber hast du eine bessere Erklärung für das hier? Ich meine, ich kenne die Dinge nicht, die für dich anscheinend selbstverständlich sind und du kennst die Dinge nicht, die ich kenne ... das ist doch schon merkwürdig. Aber ich finde auch, dass wir der Sache auf den Grund gehen sollten.“
Sie suchte sich eine bequeme Sitzhaltung und sah Dawson nach wie vor offen an. Sie war immer noch willens ihn zu verstehen, auch wenn einiges was er sagte für die schier unglaublich schien. Regeln der Regierung, Auswahl seiner Frau?!, und merkwürdige, dunkle, kreisrunde Dinger, eine Stadtmauer, die man nicht erreichen darf und schlussendlich das Militär, dass einen nach hause eskortierte?!
„M-Moment mal ....“, platzte es aus Levia heraus. „Hast du gerade ernsthaft 'Auswahl deiner Frau' gesagt? Du willst mir jetzt nicht erzählen, dass euch vorgeschrieben wird, wen ihr zu heiraten habt, oder?“ Fassungslos starrte Levia ihren Gegenüber an und würde sie nicht schon sitzen, würde sie es spätestens jetzt. So etwas unfassbares hatte sie ja noch nie gehört!
Aber ... da war doch noch etwas .... achja!
„Hm, kreisrunde, dunkle Dinger sagst du?“, Levia überlegte kurz, nachdem sie den ersten Schreck zumindest teilweise verdaut hatte. „Hm ... ich glaube so etwas habe ich auch mal gesehen. Als unsere 2 größten Städte angegriffen wurden waren am ganzen Himmel auch kreisrunde, dunkle Portale aus denen riesige Monster kamen, die angefangen haben zu wüten und die Gebäude zu zerstören. Ich weiß nicht was sie waren, aber später nannte man sie bei uns Ultrabestien ... aber ob das etwas mit dir zu tun hat weiß ich nicht und naja, nachdem die Portale verschwunden waren, habe ich auch nie wieder welche davon gesehen, geschweige denn eine der Ultrabestien die damals die Stadt zerstört haben .... auch wenn ich gerne wüsste warum sie es getan haben.“
Levias Worte waren ehrlich – zwar hatten viele Menschen damals Hab, Gut oder sogar ihr Leben verloren, aber niemand kam doch einfach so daher und zerstörte eine ganze Stadt, oder? Daher gab sie nicht diesen Ultrabestien die Schuld, oder sie versuchte es zumindest, aber die Erinnerungen stimmten Levia immer noch traurig, weswegen sie lieber schnell auf etwas anderes zu sprechen kommen wollte. Zum Glück nahm ihr Dawson die Entscheidung ab, indem er sie im Gegenzug ebenfalls etwas fragte – wie sie es ihm auch angeboten hatte.
Sie nickte und sah ihn an. „Ja, wie schon gesagt sind wir hier im Hain der Täuschung. Es ist sogar ein ziemlich großer Wald - und auch ziemlich echt. Gibt es bei dir Zuhause etwa keine Wälder mehr?“, fragte sie vorsichtig nach und so langsam merkte Levia, dass sie wirklich begann sich für die Erfahrungen von Dawson zu interessieren. Vor allem jetzt, wo das Gespräch ruhiger geworden war, war es doch ziemlich interessant sich auszutauschen – auch wenn ihr einige Dinge einen richtigen Schrecken eingejagt hatten.
„Oh, und bei euch kommt das Militär, um euch nach Hause zu begleiten? Also, bei uns gibt es zwar auch etwas, dass sich so nennt, aber die kommen nicht, um jemanden nach Hause zu eskortieren, nur weil derjenige seine Frau oder seinen Mann nicht mag.“, Levia schüttelte sich leicht. „Außerdem kann ich mir das gar nicht vorstellen ... das würde ich echt nicht mitmachen, wenn man mir so etwas vorschreibt – und meine Schwester bestimmt auch nicht.“
Aber wieso ließen sich Dawson und die anderen Einwohner diese Behandlung überhaupt gefallen? Levia konnte sich einfach nicht vorstellen, dass jemand mit einem Funken Verstand dermaßen mit sich umspringen lassen würde. Das war einfach ungeheuerlich!
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Beitrag von Dawsonam So Nov 11, 2018 7:36 pm

Hain der Täuschung
Post #006, mit: Levia
Nachdem das Webarak - er würde sich den Namen dieses Wesens gewiss gut merken! - endlich wieder verschwunden war, konnte sich Dawson ganz auf Levia konzentrieren. Oder er versuchte es zumindest, während er gleichzeitig versuchte auszublenden, was ihm alles durch den Kopf schoss. Er war noch immer mehr als verwirrt und verstand im Grunde herzlich wenig von dem, was Levia sagte oder wo er war, aber er verstand durchaus, dass sie versuchte, ihn zu verstehen. Also sollte er es ihr gleich tun und zumindest versuchen, runter zu kommen. Vielleicht hatten sie dann auch Erfolg in ihren Bemühungen, einander zu verstehen. »Es gibt niemanden, dem ich so vertraue wie Auruhin.« konnte er mit einem Nicken bestätigen. Wenn er ehrlich war, vertraute er absolut niemandem außer seinem Patraeos. Denn Vertrauen war nichts, das in seiner Welt gebraucht wurde. Man musste gehorchen, da spielte es gar keine Rolle, ob Vertrauen vorhanden war oder nicht. Es blieb einem schlichtweg nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Nur, dass Dawson damit leider ein paar Probleme hatte. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob er da der Einzige war, aber das war gerade ein ganz anderes Thema. Etwas, dem er sich später wieder widmen konnte, wenn er sein größtes Problem beseitigt hatte. Nämlich die Unwissenheit darüber, wo er war und wie er wieder nach Pandragon kam. Und wenn es half, mit Levia über die Stadt und sein Leben zu sprechen, würde er es tun. Hauptsache, er kam schnell wieder zurück, denn auch, wenn er die Regeln der Welt nicht immer gutheißen konnte, gab es doch Dinge, die ihm sehr gut gefielen. Und er musste dringend zurück, um Eliara wieder zu sehen. Bevor er aber anfing zu berichten, fragte er Levia noch, ob er sich dann gerade in Einall befand. Sie bejahte diese Frage und erklärte ihm, dass dies der Hain der Täschung war - ein großer Wald Einalls. Fassungslos sah er sich abermals um. Es gab hier also tatsächlich echte Wälder! Das war einfach unglaublich. Und gänzlich anders, als bei ihm. Dass es in dieser Welt noch viele andere Insel-Regionen gab, war dabei eine Information, die er zwar wahrnahm, aber beschloss nach hinten zu stellen. Denn nun war es wichtiger herauszufinden, was mit ihm passiert war und um das zu schaffen, bot Levia ihm an, über sich und seine Welt zu sprechen. Doch bevor er damit beginnen konnte, beschloss Levia offenbar, sich einfach auf den Boden zu setzen - sie begründete es damit, dass das Stehen auf Dauer einfach viel zu anstrengend war und da sie sich wohl noch eine Weile unterhielten, hielt sie es für sinnvoller, sich lieber zu setzen. Da Dawson darin nicht Schlimmes sehen konnte, tat er es ihr schnell gleich. Doch als er sich auf den grünen Boden setzte, war er abermals überrascht über die Weichheit des Untergrundes. Gras, Wiesen - in seiner Welt gab es so etwas kaum und wenn, dann war es ihm nicht erlaubt, sie zu betreten. Vorsichtig strich er über die grüne Fläche und lächelte. Wenn es stimmte, dass er in einer anderen Welt war, gab es vieles, was ihm hier besser gefiel. Dennoch wollte er ergründen, was es damit auf sich hatte und wie er hier gelandet war. Vielleicht fand er dann einen Weg, wieder zurückzukehren. Oder vielleicht sogar zwischen den Welten zu wechseln! Auch wenn er es immer noch absurd fand, dass es zwei Welten geben sollte und das teilte er Levia auch gleich als erstes mit. Sie sah es offenbar genauso, sagte aber auch, dass sie keine andere Erklärung dafür hatte. Dawson hatte allerdings gerade für nichts eine Erklärung, da war es nicht weiter wunderlich, dass er keine bessere Idee für seine Situation hatte. Gut war aber, dass auch Levia dem auf den Grund gehen wollte und so fing Dawson an zu erzählen. Er berichtete von seiner Frau, von den komischen Dingern, die er gesehen hatte, von der Mauer und dem Militär. Und als er geendet hatte, versuchte er in dem Gesichtsausdruck von Levia etwas zu deuten, das er nicht deuten konnte. Ihre Reaktion sprach dann aber auch Bände: sie konnte es offenbar kaum fassen, dass jemand seine Frau für ihn auswählte. Für Dawson war das ganz normal, auch wenn er sich nicht mit der ihm zugeteilten Frau beschäftigen wollte, doch für Levia schien das etwas gänzlich Unvorstellbares zu sein. »Ist das bei dir etwa nicht so?« wollte er wissen, wobei es ihm immer noch seltsam erschien, von ihr zu reden, als käme sie von einem anderen Planeten. Aber gut, das wollten sie ja außen vor lassen und Dawson gab sich wirklich Mühe, seine anfängliche Panik zurückzuhalten. Irgendwo an einem fremden Ort aufzutauchen, ohne zu wissen wie, ging aber nicht spurlos an einem vorbei, weshalb er seine Panik tatsächlich nur unterdrückte, um ein einigermaßen normales Gespräch führen zu können. Wobei ihm gerade der Gedanke kam, dass eine Welt, in der man sich seinen Partner aussuchen durfte, so viel besser wäre als seine. Er wüsste jedenfalls sofort, wen er wählen würde.
Aber das Thema Partner war natürlich nicht das Einzige, das er kurz angesprochen hatte. Er hatte auch die kreisrunden Dinger erwähnt, die er gesehen hatte und Levia merkte schnell an, dass sie ebenfalls mal so etwas gesehen hatte. Es waren wohl Portale gewesen, aus denen Wesen gekommen waren, die sie später Ultrabestien genannt hatten. Und diese Ultrabestien hatten die beiden größten Städte zerstört. Was Dawson kurz zu der Frage brachte, wie viele Städte dieser Ort denn überhaupt hatte. Shiroh besaß nur eine riesige Stadt, nicht mehr und nicht weniger. Aber das war wohl nur eine winzige Information daraus. Wichtiger war doch, dass die kreisrunden Dinger als Portale gedient hatten, die irgendwelche Wesen von wer-weiß-woher hierher gebracht hatten. »Also bin ich möglicherweise durch ein Portal gekommen?« fragte er noch leicht ungläubig und dachte noch einmal genauer darüber nach, was geschehen war, als das Militär aufgetaucht war. Er war einen Schritt gegangen und dann...hier gelandet. Vielleicht hatte sich so ein Portal ja genau in dem Moment vor ihm geöffnet? Aber hätte er es dann nicht bemerken müssen?
Eine weitere wichtige Frage war aber auch die nach der Echtheit dieses Ortes, denn er konnte sich noch immer nicht vorstellen, dass es wirklich real war. Dass sie sich in einem Wald befanden, in dem es echte Bäume, Büsche und Blumen gab - und echtes Leben. Natürlich, Levia hatte ihm bereits mitgeteilt, dass sie sich im Hain der Täuschung befanden, aber für ihn war es immer noch so surreal. Dennoch bestätigte Levia, dass es sich dabei um einen großen Wald handelte - einfach unglaublich! Sollte er für eine Weile hier festsitzen, hätte er wohl nichts dagegen, einfach hier im Wald zu bleiben. Dennoch wollte er auch herausfinden, wie er wieder zurück kam. Vielleicht konnte er Eliara dann diesen wundersamen Ort zeigen! »Nur als Projektionen. Wir haben zwar auch Bäume, aber nicht in dieser Menge.« erklärte er dann. Langsam wurde das Gespräch doch recht angenehm, auch wenn es ihn noch immer in den Fingern brannte, aufzuspringen und seinen Frust über seine Unwissenheit in die Welt hinaus zu schreien. Aber sie machten ja Fortschritte, nicht wahr? Die Vermutung, dass er durch ein Portal gekommen war, war zumindest gar nicht so abwegig, wenn es schon einmal passiert war. Während sich Dawson jedoch noch an diesen Gedanken klammerte, hatte Levia längst die nächste Frage im Sinn, die sie ihm dann stellte. Sie betraf das Militär, denn sie erzählte, dass es bei ihr zwar etwas Ähnliches gab, sie einen aber nicht nach Hause begleiteten. Genau genommen tat das Militär das in Pandragon auch nicht - es betraf nur spezielle Fälle wie ihn, wo sie immer wieder eingriffen. Ansonsten waren sie eher dafür da, die Ordnung zu wahren. Und Gewalt anzuwenden, wenn es ihrer Meinung nach nötig wurde. Levia fuhr damit fort, ihm mitzuteilen, dass sie so etwas sicher nicht mitmachen würde - und ihre Schwester auch nicht. Da war wieder dieses seltsame Wort, das ihn stutzen ließ. Was hatte es damit wohl auf sich? »Naja..eigentlich ist das Militär nicht dafür da, uns nach Hause zu begleiten.« erklärte er trotzdem zunächst. »Sie sind dafür zuständig, dass sich niemand gegen die Regeln auflehnt. Und...ich war da sowieso ein Sonderfall.« endete er recht vage, da er eigentlich nicht darauf eingehen wollte, dass er in seiner Stadt als kriminell galt und vermutlich längst tot wäre, wenn Auruhin nicht da gewesen wäre. »In Pandragon muss man sich an die Regeln halten, ob sie einem gefallen oder nicht.« fügte er noch rasch hinzu. Ob sie einem passten, spielte einfach keine Rolle. »Aber...du hast von einer Schwester gesprochen. Zwei Mal schon. Was darf ich mir darunter vorstellen?« fragte er vorsichtig nach, in der Hoffnung, dass er sich nicht gänzlich lächerlich machte. Aber da Levia es schon einmal erwähnt hatte und er sich erinnerte, wie ihre Augen geleuchtet hatten, als sie davon gesprochen hatte, kam er nicht umhin, neugierig darauf zu sein. Es musste wohl etwas ganz Besonderes sein.



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Beitrag von Leviaam So Nov 11, 2018 10:51 pm

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#017 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Es war schön zu hören, dass Dawson und sie scheinbar doch etwas gemeinsam hatten. Sie hatten beide ihre Beschützer an ihrer Seite, denen sie sehr vertrauten. Levia lächelte ihre neue Bekanntschaft an und nickte: „Verstehe ich. Ich vertraue Atari und den anderen auch mehr als den meisten anderen. Ich kann mich immer auf sie verlassen – egal was auch geschieht.“
Sie sah kurz nach hinten zu ihren Pokémon, die nun mehr oder weniger miteinander kuschelten. Selbst Atari hatte sich ins Gras gelegt – auch wenn er weiterhin ein Auge auf das Patraeon und Dawson hatte. Aber wenigstens schien er sie nicht mehr als große Gefahr einzustufen, sonst würde er sich nicht hinlegen.
Eigentlich verlief nun, da die größte Panik und Verwirrung vorbei zu sein schien, alles relativ ruhig. Dawson setzte sich nun sogar ebenfalls ins Gras und Levia konnte beobachten wie er darüber strich und es betrachtete, als würde es ihm zum allerersten Mal richtig bewusst werden, was er da eigentlich vor sich hatte. Er sah sich auch die Bäume an, als würde er manche davon erst jetzt richtig anerkennen und allgemein schien ihm erst jetzt langsam bewusst zu werden wo er sich eigentlich befand. Naja, vielleicht nicht so genau – aber zumindest schien ihm langsam klar zu werden, dass er sich nicht in irgendeiner Projektion befand.
Er hatte ihr ja sogar ganz aufmerksam zugehört, als sie ihm von Einall erzählte, auch wenn er vielleicht nicht alles davon verarbeiten konnte im Augenblick, so erzählte Levia doch recht gern von ihrer neuen Heimat, die sie zu lieben gelernt hatte.
Und noch etwas passierte. Sie sah Dawson zum ersten Mal richtig lächeln seit er hier gelandet war – und die Weißhaarige konnte nicht anders, als sich darüber zu freuen. Es war zumindest klar zu erkennen, dass Dawson die Natur zu mögen schien und außerdem war bewiesen dass er wirklich Lächeln konnte – und das waren doch zumindest schon einmal gute Voraussetzungen.
Doch es wurde ein bisschen ernster, als sie sich anfingen über ihre Erfahrungen auszutauschen. Es klang für die beide verrückt, dass sie aus verschiedenen Welten stammen sollten und doch wussten sie beide ihre momentane Situation nicht anders zu erklären. Wie sonst sollten ihre Unterschiede auch so groß sein?
Als Dawson fragte, ob es bei ihnen nicht so sei, dass man einen Partner vorgeschrieben bekam, schüttelt Levia den Kopf: „Nein, hier sucht sich jeder selbst seinen Partner aus. Manche haben auch einfach gar keinen, oder mögen sogar dasselbe Geschlecht. Ich kann mir das ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, wie man sich das Gefallen lassen kann ... eine Beziehung ohne Liebe ist schließlich eine einsame Beziehung, besonders wenn man sich den Partner nicht einmal aussuchen kann. Vielleicht mag man ihn sogar gar nicht. Also ich würde das ehrlich gesagt nicht aushalten ...“, erklärte sie frei heraus und sah Dawson an. Sie verurteilte ihn nicht – zumindest versuchte sie es, doch sie verstand nicht, wieso er und auch die anderen in seiner Heimat sich das gefallen ließen.
Als er dann noch einmal nach den Portalen fragte, die sie erwähnt hatte, legte die Weißhaarige den Kopf schief und dachte kurz nach, bevor sie antwortete.
„Möglich ist es auf jeden Fall“, meinte sie. „Die Portale waren bei uns mit einem Mal auch ganz plötzlich da – und manche waren sogar am Ende sogar im Boden, in den Wänden oder schwebten mitten in der Luft. Vielleicht bist du ja durch eines durchgelaufen ohne es zu merken und hast darum auch den Absturz nicht mitbekommen, sondern bist dann einfach hier aufgewacht.“
So ganz wollte diese Erklärung zwar nicht in ihren Kopf, aber dennoch klang sie irgendwie plausibel und auch ganz logisch, denn das würde zumindest einiges erklären: Dawsons Unwissenheit über den Absturz, den plötzlichen Wechsel und auch das er hier in einer Welt aufgewacht war, die sich so von seiner unterschied – und auch, dass ihn das Militär gar nicht aufhalten konnte, wenn es doch schon bei ihm war um ihn zu eskortieren.
„Hm.“, sagte sie kurz angebunden, als er erklärte, dass sie wohl zwar Bäume hätten, aber nicht in diesen Mengen. „Das klingt nach einem sehr zugebauten Ort, wo man nur wenig Grün sieht. Das ist schade .... denn ich für meinen Teil liebe die Natur und das frische Grün.“, ein bisschen geriet die Trainerin auch bei diesem Thema ins Schwärmen, aber auch nicht umsonst fühlte sie sich so von Pflanzen-Pokémon angezogen. Die Natur war einfachste das schönste, dass die Welt zu bieten hatte.
„Hast du darum von Hologrammen geredet? Kannst du die Natur nur dadurch besuchen?“, fragte sie interessiert nach. Denn jetzt ergab alles an Dawsons anfänglich seltsamen Verhalten für sie auch einen Sinn – zumindest wenn sie richtig kombiniert hatte.  
Aber leider blieb das Gespräch nicht beim schönen Thema der Natur, sondern wandte sich leider wieder den ernsteren Dingen zu, als Dawson Levias Frage zum Militär beantwortete. Das klang ja fast so, als würde man das Militär als Druckmittel gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Levias Mund klappte ganz leicht auf, als sie Dawson zuhörte und wieder legte sie den Kopf schief. Ein Sonderfall also? Also hatte er was angestellt, was gegen die Regeln seiner Heimat verstoßen hatte?
Zu gerne würde sie ihn fragen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Irgendwas in Dawsons Blick verriet ihr, dass er nicht weitersprechen wollte, auch wenn sie sonst so schlecht war Gesichtsausdrücke anderer zu lesen ... diesen Ausdruck kannte sie aber von sich selbst. „Verstehe.“, sagte sie schließlich, zog ein Bein leicht an sich heran und legte ihren Arm darauf ab, während das andere Bein am Boden angewinkelt liegen blieb. „Klingt als gäbe es ziemlich harte Strafen, wenn man das nicht tut. Das ist wirklich hart.“
Die Erzählungen von Dawson machten sie traurig. Es war zwar nicht so, dass man hier in Einall tun und lassen konnte was man wollte. Auch hier gab es Regeln ... aber so? Das war doch nur reine Unterdrückung – und so etwas konnte die junge Frau nun einmal gar nicht haben.
„Also, wir haben hier zwar auch Regeln, wie zum Beispiel, dass man niemanden absichtlich verletzen oder töten sollte ... aber bei dir scheint ja wirklich alles geregelt zu sein, wenn man schon ein ganzes Militär braucht um das durchzusetzen.“, fügte sie noch hinzu und sprach, wie immer, den ersten Gedanken aus, der ihr dabei in den Sinn kam. Einen Moment sah sie traurig zum Himmel hinauf, bis Dawson etwas anderes ansprach. Er fragte sie, was er sich unter dem Begriff 'Schwester' vorstellen sollte. Für einen Moment sah ihn Levia verwundert an, denn so etwas war sie noch nie gefragt worden und für einen Augenblick fragte sie sich wirklich, wie sie Dawson das erklären sollte – aber schließlich entschied sie sich einfach das zu sagen, was ihr in den Sinn kam: „Also, eine Schwester gehört zu einer Familie. Meine Eltern zum Beispiel haben mich und meine Schwester. Meine Schwester ist also quasi das zweite Kind. Wäre meine Schwester aber kein Mädchen sondern ein Junge, dann wäre sie mein Bruder. Und wir beide sind auch ganz besondere Schwestern – denn wir sind Zwillinge. Das bedeutet, dass wir am gleichen Tag auf die Welt kamen. Ich bin nur ein paar Minuten älter wie Larry, das ist alles.“, Levia kicherte kurz. Sie erzählte gern von sich und Larry, denn schließlich war ihre Verbindung etwas besonderes. „Mehr Geschwister habe ich nicht, aber es gibt hier auch Familien mit ganz vielen Kindern, da gibt es dann nicht nur 2 sondern manchmal auch 4 oder 5 Kinder – je nach Familie ist das also immer unterschiedlich. Es gibt nur wenige Familien, die nur ein Kind haben.“, erklärte sie schließlich und sah Dawson an. „Hast du keine Geschwister? Keine Schwester und keinen Bruder?“
Sie selbst konnte sich ein Leben ohne ihre Schwester absolut nicht vorstellen – das Band zwischen ihr und Larry war unzertrennlich und dementsprechend konnte sie sich gar nicht vorstellen wie es für jemanden war ohne ein Geschwisterkind aufzuwachsen. Das musste doch ganz schön langweilig gewesen sein!
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Beitrag von Dawsonam So Nov 11, 2018 11:47 pm

Hain der Täuschung
Post #007, mit: Levia
Auch Levia schien ihren Begleitern mehr zu vertrauen als den meisten anderen, doch bei ihr klang es durchaus so, als würde sie ihr Vertrauen auch noch anderen entgegen bringen. Bei Dawson war das nicht der Fall, einfach weil es sich bisher nie ergeben hatte. Und er es auch nie gebraucht hatte. Dennoch, es war schön, eine Gemeinsamkeit gefunden zu haben, auch wenn sie nur so gering war. Das gab ihm das Gefühl, dass hier doch nicht alles anders war. Wenngleich es kaum ein größeren Unterschied zu Pandragon geben konnte wie hier. Was, wie es klang, jedoch nicht unbedingt schlecht war. Denn als Dawson von seiner Welt erzählte, erfuhr er sogleich, dass sich dort, wo Levia her kam, niemand vorschreiben lassen musste, welchen Menschen er als seinen Partner an seiner Seite wusste, sondern dass man sie sich tatsächlich selbst aussuchen durfte. Das fand Dawson äußerst faszinierend und wundervoll. In Shiroh durfte niemand je wirklich eigene Entscheidungen treffen - doch wenn er eine treffen dürfte, so würde er sich für Eliara entscheiden. Er hatte es versucht, denn er sah es wie Levia: er wollt sich nicht damit abfinden, auch wenn es die Regeln so vorsahen. Aber wie konnte er den Rest seines Lebens mit einer Frau verbringen, die er weder kannte noch liebte? Zwar konnte er es sich absolut nicht vorstellen, jemanden des gleichen Geschlechts zu lieben - den Gedanken fand er tatsächlich recht grotesk - aber ihm gefiel der Gedanke, dass man frei wählen durfte. Sicher, manches konnte da bestimmt auch zemlich schwierig werden, aber er wollte nichts weiter, als seine Frau selbst zu wählen. Das konnte ja wohl nicht so falsch sein, oder? »Genau so habe ich auch gedacht. Und ich habe geglaubt, dass ich als Elite-Mitglied der Gesellschaft zumindest darüber entscheiden könnte, meine Partnerin abzulehnen, wenn ich auch nicht diejenige haben darf, die...« Bevor er weiterreden konnte, unterbrach er sich abrupt. Er konnte schlecht sagen, dass er die haben wollte, die er liebte, denn das war schließlich verboten. Natürlich schien es so, als sei Levia völlig in Ordnung, freundlich und hilfsbereit, aber er sollte nicht zu viel riskieren, selbst wenn es schien, dass er nichts zu befürchten hatte. »Meine Entscheidung, nicht zu heiraten, wurde nicht gestattet.« fügte er nur noch schlicht an. Punkt, aus, Ende. Er sah es so wie Levia, dass er sein Leben nicht mit einer Fremden verbringen wollte, doch er hatte da wohl kein Mitspracherecht. Wenn er genau darüber nachdachte, kannte er auch niemanden, der wirklich allein lebte. Sicher, es gab diejenigen, deren Partner verstorben waren und diejenigen, deren Partner im Gefängnis gelandet waren. Aber sie alle waren verheiratet oder es zumindest gewesen. Dass jemand ganz allein lebte, gab es einfach nicht. Einmal von den Robotern abgesehen, die es sowieso überall gab.
Schließlich aber kamen sie auf die Portale zu sprechen und Levia bestätigte, dass es durchaus eine Möglichkeit war, dass er durch eines davon hindurch geflogen war. Auch wenn er es unlogisch fand, dass er sich nicht an das Auftauchen eines solchen Portals erinnern konnte. Er hätte es doch eigentlich sehen müssen oder? Aber er war sich auch hundertprozentig sicher, dass er nicht abgestürzt war. Sicher, er war auf den Bauch gefallen, aber er war dabei die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen. »Ich bin nicht abgestürzt. Und einfach hier aufgewacht auch nicht. Ich...war einfach im einen Moment dort und im anderen hier, als wenn ich...einen Zeitsprung gemacht hätte oder so.« versuchte er es zu erklären, auch wenn es so etwas wie Zeitsprünge natürlich nicht gab. Jedenfalls wusste er nichts davon. »Nicht, dass es so etwas geben würde.« fügte er rasch noch an, da sie nicht glauben sollte, dass es so etwas in seiner Welt gab. Erst hier fiel ihm auf, wie sehr er schon in dem Denken verhaftet war, dass es tatsächlich zwei Welten gab - eine von Levia und eine von ihm. Als wäre das bereits selbstverständlich geworden. Es erschien ihm aber immer noch absurd. Nur war es wohl einfacher leicht, so zu denken, als irgendeine andere Erklärung dafür zu suchen. Vielleicht fand er ja noch eine Erklärung, die plausibler war, aber um nicht völlig den Verstand zu verlieren, blieb er lieber erst einmal bei dieser Version der Geschichte. So unglaubwürdig sie auch sein mochte.
Doch die Unterschiede zwischen diesem Ort und Pandragon waren so enorm, dass die Erklärung vielleicht doch gar nicht so abwegig war. Hier gab es Bäume in Hülle und Fülle, während es in Pandragon daran schlichtweg mangelte. Wie Levia sagte, gab es dort eher Gebäude, die den ganzen Ort einnahmen. Selbst in den Gärten der Stadt gab es gerade mal ein paar Blumen. Es war nichts Besonderes und gerade deshalb liebte er die Projektionen so sehr. Sie entführten ihn in eine andere Welt, fernab der sterilen Stadt. Jedoch ohne, dass er selbst je hätte dort sein können. Offenbar verband ihn da ebenfalls etwas mit Levia, die die Natur ebenso zu lieben schien wie er. Nur dass sie sie tatsächlich hautnah erlebt hatte. Für Dawson war dieser Wald jedoch das erste Erlebnis, das er in dieser Richtung machte. Doch so, wie Levia davon schwärmte, musste es tatsächlich so wunderbar sein, wie er immer geglaubt hatte. Sie sprach nun sogar die Hologramme an und brachte sie in Verbindung mit der Natur und ihm und die Erinnerung daran brachte ihn unwillkürlich zum lächeln. »Ja. Es gibt so viele Projektionen von Wäldern, Seen, Flüssen - oder von Wüsten. Ich wusste nicht, dass es so etwas tatsächlich auch...naja, real gibt. Ich liebe diese Orte, da sie so wunderschön sind. Wir haben Gärten in unserer Stadt, wo wir diese Projektionen uns anschauen dürfen. Sie sind sehr weitläufig, aber nicht annähernd so wunderbar und atemberaubend wie das hier.« erklärte er, immer noch vollkommen fasziniert von dem Anblick dieses Waldes. Er war einfach wunderschön! Etwas anderes fiel ihm dazu auch nicht ein, doch er hatte das Gefühl, die Schönheit auch damit nicht wirklich einzufangen. Welches Wort konnte er noch zur Beschreibung dieses wundersamen Ortes verwenden? Er wusste es nicht.
Aber neben der Schönheit der Natur, die er heute erstmalig am eigenen Leib erfahren hatte, gab es auch noch die weniger schönen Dinge, wie die Regeln und das Militär, die alles daran setzten, die Vorstellungen ihrer Präsidentin auch dauerhaft umzusetzen. Dass er als Sonderfall eigentlich schon längst hätte tot oder zumindest im Gefängnis sitzen müssen, wollte er eigentlich nicht erwähnen und er war froh, dass Levia in dieser Beziehung auch nicht weiter nachfragte. Stattdessen teilte sie ihm mit, dass auch Einall seine Regeln hatte, wo Dawson natürlich hellhörig wurde. Er hatte definitv keine Lust, schon wieder als krimineller angesehen zu werden. Vielleicht sollte er sich diese Regeln mal erklären lassen, bevor er noch gegen eine davon verstoßen würde. »Unser Tagesablauf ist auch durchgeplant. Aufstehen, arbeiten gehen, essen, schlafen. Freie Zeit, die wir aber auch nicht wirklich frei gestalten können. Es ist faszinierend, dass dir das so völlig fremd erscheint.« kam er nicht umhin zu sagen. Durfte man hier wirklich selbst entscheiden, was man machen wollte und was nicht? Es klang fast so, aber vielleicht hatte er sie auch einfach falsch verstanden. »Welche Regeln gibt es denn hier zu beachten?« wollte er da aber noch wissen, denn er wollte wirklich nicht gegen eine verstoßen. Er wusste zwar nicht, wie lange er noch hier bleiben würde - oder ob es wirklich eine andere Welt war - aber er wollte auch nichts riskieren.
Vom Militär und den Regeln kamen sie dann aber auch sehr schnell zum nächsten Thema: Schwester. Dawson hätte schwören können, das Wort zumindest einmal gehört zu haben, aber er konnte sich einfach keinen Reim darauf machen. Also fragte er nach, was ihm durchaus ein wenig peinlich war. Er war nur froh, dass Levia ihn dafür nicht auslachte und es ihm, wenngleich zunächst auch sichtlich verwirrt, geduldig erklärte. So erfuhr er, dass Schwestern zur Familie gehörten und ihre Eltern sie und ihre Schwester hatten. Allein dieser Satz warf bei ihm so viele Fragen auf, dass er Schwierigkeiten hatte, Levia weiter zu folgen. Natürlich wusste er, was Eltern waren, aber er kannte seine Etern nicht und auch die meisten anderen Bewohner Pandragons wussten nicht, wer sie gezeugt hatte. Und dann erzählte sie auch noch weiter, sprach von einem Bruder, wenn ihre Schwester ein Junge wäre und davon, dass sie Zwillinge waren. Bei diesem Wort klingelte tatsächlich etwas bei Dawson - das waren doch diejenigen, die am gleichen Tag von der selben Frau geboren wurden. Nur..wuchsen die doch nicht zusammen auf? Jede Familie durfte nur ein Kind haben, so sagten es die Regeln. So in Gedanken versunken, überhörte er fast, dass es sogar Familien mit 4 oder 5 Kindern geben sollte. »Fünf Kinder?!« fragte er fassungslos. Nein, so etwas hatte er noch nie gesehen. Und auch noch nie davon gehört. Und wieder hatte er tausende Informationen erhalten, die er erst ordnen musste. Langsam wurde es doch etwas viel - im Grunde war alles, was Levia erzählte, ihm völlig fremd. Das eine mehr, das andere weniger, doch er fühlte sich langsam wieder so überfordert wie am Anfang. Er versuchte, seine Gedanken zu ordnen und fokussierte sich dabei auf die Frage, die Levia ihm stellte. Die konnte er nämlich beantworten, auch wenn schon wieder ein neues Wort darin vorkam - "Geschiwster". Das wurde bei ihnen nämlich schlichtweg nicht gebraucht. Warum auch, wenn es pro Familie nur ein Kind gab? »Nein, ich bin allein. Wie jeder sonst auch.« gab er schließlich als Antwort, noch etwas perplex über all die Informationen, die er zu ordnen versuchte. Schwester, Bruder, Zwillinge...große Familien. »Von Zwillingen habe ich schon einmal gehört. Sie kommen auch bei uns vor, aber...jede Familie darf nur ein Kind haben. Zwillinge sind demnach verboten. Fünf Kinder in einer Familie -- das ist unvorstellbar! Wie groß wäre da die Möglichkeit, dass sie sich gegen die Präsidentin wenden!« Eigene Gedanken, Meinungen und Ansichten vor allem von Kindern konnten sich nur allzu schnell verbreiten, immerhin war es Kindern ganz egal, was sie sagten oder taten. Da durften einfach nicht so viele beieinander aufwachsen. »Du hast vorhin gesagt, dass deine Eltern -- du kennst deine Eltern?« Eigentlich hatte er etwas ganz anderes fragen wollen, aber diese Frage war ihm gerade in den Sinn gekommen und hatte die andere verdrängt. War es hier also so üblich, dass man seine Eltern kannte? Es hatte auch so geklungen, als hätte Levia lange Zeit bei ihnen gelebt. Aber das war doch nicht möglich, oder? Mussten sie also nicht ihre Eltern verlassen und gemeinsam mit anderen Kindern zur Schule gehen? Je länger dieses Gespräch andauerte, desto mehr Fragen warf es auf. Und Dawson fiel es immer schwerer, sich auf die Wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Er musste am Abend definitiv noch einmal all das durchgehen, was er bisher erfahren hatte. Damit er es nicht vergaß - und vielleicht, damit es ihm helfen konnte, nach Hause zurückzukehren.



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Beitrag von Leviaam Mo Nov 12, 2018 6:40 pm

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#018 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Es war für sie immer noch unglaublich, dass man sich in Dawsons Welt anscheinend so viel gefallen lassen musste und keine Chance hatte sich richtig zur Wehr zu setzen. Nicht einmal denjenigen, mit dem man sein ganzes Leben verbringen sollte, konnte man sich aussuchen. Das musste sie nicht verstehen, oder?
Aber auch Dawson schien überraschenderweise ähnlich zu denken – und das obwohl er mit diesem grotesken System aufgewachsen war. Sie hörte ihm natürlich aufmerksam zu, denn auch das war eine Form der Höflichkeit die sie beherrschte. Das zuhören war essentiell, nicht nur um der Höflichkeits Willen, sondern auch um zu verstehen – und nichts anderes wollte die Weißhaarige gerade. Sie wollte verstehen was es mit dieser anderen Gegend auf sich hatte, sie wollte verstehen welchen Regeln und Gesetzen und welcher Umwelt Dawson ausgesetzt war. Und nach allem was sie so bisher von ihm gehört hatte überraschte es sie doch ihn sagen zu hören, dass er ebenso dachte wie auch sie. Aber er erzählte noch mehr. Er erzählte, dass er ein Elite.Mitglied sei und darum dachte selbst entscheiden zu können, aber scheinbar war ihm nicht einmal gegönnt gewesen generell eine Heirat zu verneinen, aber da war noch etwas .... wenn sie es richtig herausgehört hatte, war da noch etwas gewesen. Für einen Moment war sich Levia unsicher, ob sie es überhaupt erwähnen sollte. Es war schließlich ein ziemlich persönliches Thema, was man wahrscheinlich nicht gerade gern mit einer fremden Person besprach, die man gerade erst vor wenigen Minuten in einer Welt kennengelernt hatte, die man nicht einmal kannte. Doch letztlich siegte die Neugierde des Mädchen dann doch und sie schnitt das Thema an: „Oh, dann hattest du wohl jemanden, den du gemocht hast. Das ist ja schön.“, sie sah Dawson freundlich an. „Umso ärgerlicher, dass du weder deine Frau aussuchen noch die Heirat gänzlich ablehnen konntest. Aber was hat es mit diesem Elite-Mitglied sein auf sich? Ist das so was wie ein System bei euch? Das eine Schicht höher gestellt ist als andere? Also ... du hattest zwar was erwähnt von den Regeln der Gesellschaft und das du durch Alruhin aufgestiegen bist, aber ... das ist ja noch einmal etwas anderes, wenn man die Gesellschaft in Schichten einteilt.“
Die Weißhaarige betrachtete Dawson ruhig und gelassen. Als Außenstehende fiel es ihr natürlich leicht sich offen über diese Dinge zu äußern, die sie selbst wunderten, aber für diese Menschen offenbar ganz normal waren. Dawsons Leben schien in sio vielerlei Hinsicht anders zu sein als das ihre, dass Levia kaum glauben konnte, dass sie gerade hier gemeinsam auf einer Lichtung saßen und miteinander sprachen. Sie konnte sich kaum vorstellen wie es war, wenn Wald und Wiese einem ganz fremd waren, wenn Pokémon unbekannte Wesen waren, die einen ängstigten oder wenn man nicht verstehen konnte was es hieß sich einen Partner für sein Leben frei aussuchen zu können. Das alles waren Dinge, die Levia nicht verstehen konnte oder wollte. Sie wollte nicht verstehen müssen wieso man jemanden heiraten sollte, den man nicht liebte – noch wollte sie den Rest wirklich verstehen, den ihr Dawson so erzählte. Abgesehen von den beschützenden Patraeos kam ihr Dawsons Welt bisher nur als ein einziger Alptraum vor, aus dem sie am allerliebsten sofort wieder erwachen wollen würde, sollte sie ihn jemals in ihrem Leben betreten.
Hinzu kam außerdem, dass sie sich noch immer nicht ganz sicher darüber waren, wie Dawson nun hier nach Einall gekommen waren. Er beteuerte nach wie vor nicht abgestürzt sondern einfach nur hier auf der Lichtung aufgewacht zu sein. Es sei alles so schnell gegangen, dass er gar nicht wusste, wie ihm eigentlich geschehen war. Das alles klang irgendwie merkwürdig unglaubwürdig, auch wenn Levia an seinem Gesicht ablesen konnte, dass er sich ganz sicher bei deinen Worten war. Er sah sie während er sprach die ganze Zeit an und das würde niemand tun, der sich seiner Sache nicht ganz sicher war.
„Okay, also ... bist du durch irgendein Portal oder sowas gelaufen ohne dass du es bemerkt hast und dann lagst du schon hier auf der Wiese und Alruhin war hinter dir und hat bei seinem Auftauchen dann wohl einige Bäume umgerissen.“, versuchte sie nun das Puzzle zusammenzufügen, dass sich vor ihnen aufgebaut hatte. Am plausibelsten war tatsächlich die Erklärung mit den Portalen, doch das setzte auch voraus, dass sie beide anerkannten, dass sie tatsächlich auch zwei unterschiedlichen Welten stammen mussten, die auf eine merkwürdige Art und Weise miteinander verbunden waren. Auf eine Art die bedeutete, dass man anscheinend ganz plötzlich von der einen Welt in die andere katapultiert wurde ohne die geringste Kontrolle darüber zu haben – das waren ja wunderbare Aussichten ...
„Also ... ich glaube jetzt zwar nicht an einen Zeitsprung, aber naja, vielleicht bist du einfach gerade einen Schritt gegangen und das Portal war einfach so plötzlich da, dass du es gar nicht mehr bemerken konntest, bevor du durchgegangen bist – und Aruhin ist dir einfach gefolgt, denn schließlich ist er ja dein Patraeon. Und scheinbar bist du dann wohl einfach hier gelandet .... vielleicht war das Portal hierher irgendwie falsch herum oder so und darum lagst du plötzlich mit dem Bauch auf dem Boden.“, mutmaßte Levia schließlich und legte nachdenklich eine Hand an ihr Kinn. Diese ganze Sache kam ihr immer noch so surreal vor. „Am liebsten würde ich mich ja einmal kneifen um zu sehen, ob das hier nicht doch nur ein Traum ist.“
Diese Aussage meinte sie gar nicht böse. Doch noch immer konnte sie nur schwer glauben, dass hier gerade quasi direkt vor ihren Augen zwei komplette Welten aufeinander gekracht sein sollte – und dann auch noch zwei so verdammt unterschiedliche.
Dawson jedenfalls bestätigte ihre Vermutung, dass er solche Wälder und Wiesen wie die, auf der die gerade saßen, nur aus sogenannten Projektionen kannte und das er gar nicht wusste, dass es sie auch wirklich gibt. Trotzdem erzählte er mit einer solchen Wärme von seinen Eindrücken innerhalb der Projektionen, dass Levia gar nicht mehr anders konnte als sich von seinem Lächeln anstecken zu lassen. Es schien sich nun noch eine zweite, sogar viel stärkere, Gemeinsamkeit abzuzeichnen, die sie beide miteinander verbinden würde. Auch wenn sie sie auf unterschiedliche Weise erfahren hatten, so war es doch die Natur, von der sie beide so begeistert und fasziniert waren, wie man es nur sein konnte. Auch schien Dawson gefallen am 'realen' Wald zu finden, was Levia umso mehr freute. Sie selbst konnte sich nur sehr schwer einen Wald vorstellen, den sie nur dank einer Projektion sehen konnte. Wie konnte eine Projektion nur einen ganzen Wald ersetzen?
Für die Weißhaarige gab es schließlich nichts schöneres als stundenlang durch die Natur zu wandern, wenn sie es wollte. Sie liebte es die Natur in all ihren Farben und Formen zu erleben – selbst Schnee hatte sie bisher nie aufgehalten. Ob Dawson wohl Schnee kannte?
Er erzählte von Wüsten, Wäldern, Seen und Flüssen – also allem was Levia schon von klein auf kannte und liebte. Und das alles hatte er noch nie mit eigenen Augen sehen oder anfassen können? Er wusste nicht wie es sich anfühlte seine Füße in die leichte Strömung eines Flusses zu halten, oder wie sich der Sand anfühlte, der in der Wüste lag?
„Hier gibt es all das was du aufgezählt hast – und sogar noch viel mehr. Ich würde dir so gerne alles davon zeigen, damit du dir ein Bild davon machen kannst. Denn es stimmt, die Natur ist einfach atemberaubend ... und dazu noch unbeschreiblich schön.“, Levia lächelte verträumt und sah kurz zum Wald. Es gab einfach keine Worte dafür, wie sehr sie sich der Natur verbunden fühlte. Hier war die frei und hier fühlte sie sich wohl. Genauso wie sich Larry unerklärlicherweise bei Geist-Pokémon wohl und geborgen fühlte, so wohl fühlte sie sich, sobald sie einen Schritt nach draußen tat. Es war eben einfach unbeschreiblich ....
Wesentlich weniger schön war hingegen das, was Dawson vom Miltär und schließlich auch von seinem Tagesablauf erzählte. Er erklärte ihr, dass ihr Tag vollkommen durchgeplant und strukturiert war – und scheinbar durften sie selbst ihre Freizeit gar nicht so frei verbringen, was für die Weißhaarige jedoch wenig Sinn ergab. Sie strich sich leicht durch ihre Haare und betrachtete Dawson wieder für einige Momente, bevor sie auf seine Erzählung einging: „Eure Freizeit dürft ihr nicht selbst gestalten?“, fragte sie etwas ungläubig. „Wieso habt ihr sie dann überhaupt, wenn ihr euch dann nicht wenigstens aussuchen könnt, was ihr tun wollt?“
Das machte doch wenig Sinn, oder täuschte sie sich da und hatte sich nur verhört?
Ein wenig wurde sie jedoch aus diesen Gedanken gerissen, als ihr Gegenüber sie fragte, welche Regeln denn hier in Einall galten. Kurz überlegte Levia, wie sie das am besten erklären sollte, denn das komplette Gesetz kannte sie schließlich auch nicht auswendig – aber es reichte bestimmt ihm die wichtigsten Dinge zu erläutern, die er so wissen musste – oder?
„Naja, zum einen ist es natürlich verboten Menschen oder Pokémon zu töten oder zu verletzen. Dann natürlich noch, dass man nichts und niemanden bestehlen soll. Die üblichen Dinge halt, die wichtig sind, aber jetzt alles aufzuzählen wäre auch etwas sehr viel. Die Leute, die bei uns darauf aufpassen, dass niemand Gesetze bricht sind Polizisten. Natürlich gibt es trotzdem Menschen, die sich nicht an die Gesetze halten und eben andere Leute bestehlen zum Beispiel. Wenn sie erwischt werden landen sie dann im Gefängnis – aber darum musst du dir keine Sorgen machen, denn ich denke nicht, dass du jemanden bestehlen, verletzen oder sonst irgendwie Schaden zufügen möchtest – also hast du auch nichts zu befürchten.“, sie lächelte Dawson freundlich an. Solche speziellen Regeln, wie er sie gerade aufgeführt hatte, hatten sie schließlich nicht. Jeder konnte sich aussuchen was er tat und was nicht – und wenn er sich eben dafür entschied kriminell zu werden, dann war das das Problem dieser Person, denn diese hatte ihre eigene Entscheidung getroffen. Da fiel Levia was ein, was sie vielleicht noch erwähnen sollte: „Oh – und bei uns gibt es eigentlich keinen vorgegebenen Tagesablauf. Nur bei bestimmten Berufen hat man eben eine gewisse Arbeitszeit, an die man sich halten muss, aber sonst kann man eigentlich machen was man will.“, versuchte die Dawson zu erklären ohne ihn gleich wieder zu überfordern, auch wenn sie sich sicher war, dass die dabei einen schrecklichen Job erledigte. Noch schlimmer wurde es erst, als sie damit anfing ihm die Konstellation einer Familie in 'ihrer Welt' zu erklären ... oder zumindest versuchte sie zu erklären. Denn offenbar erreichte sie damit nur eine erneute Verwirrung und Überforderung Dawsons, die sie so natürlich nicht beabsichtigt hatte. Aber wie konnte man das Wort Schwester auch jemandem erklären, der ganz offenbar nicht einmal wusste was ein Geschwisterkind war?
Dawson bestätigte das auch, indem er meinte, dass er alleine sei, wie jeder sonst auch. Sollte das heißen, dass es in seiner Welt nur ganz viele Einzelkinder gab, die dann weiterhin nur Einzelkinder zeugen würden? Irgendetwas ging da doch nicht ganz auf, oder?
Levia kratzte sich leicht am Hinterkopf, während in ihrem Kopf ein wahres Geratter herrschte. Sie war zwar nicht gut in Mathe, aber waren die Bewohner der Stadt dadurch nicht dazu verdammt irgendwann ausgedünnt zu werden? Wenn es ewig nur Einzelkinder gab, schrumpfte doch der Pool aus möglichen Partnern immer weiter zusammen, oder irrte sie sich da? Sie betrachtete Dawson, der noch immer ziemlich fassungslos von dem zu sein schien, was sie ihm über Familien hier in Einall erzählt hatte. Besonders schien ihn die Erzählung über Großfamilien mitgenommen zu haben, wo sie einfach nur beschrieben hatte, dass es oft Familien mit 5 Kindern oder mehr waren. Das gab es ja ganz offensichtlich nicht bei ihm, wenn er doch Einzelkind war, wie er behauptete. Ebenso erwähnte er diesmal eine Präsidentin – war das also die Person, der alle gehorchen mussten? Ganz offensichtlich, denn er faselte etwas davon, dass zu viele Kinder eine potenzielle Gefahr für diese Präsidentin wären, denn sie könnten sich ihr ja entgegenstellen.
Ein bisschen ungläubig sah Levia Dawson an und war immer überzeugter davon, dass es wahrscheinlich besser für ihn gewesen war hier zu landen, auch wenn er sicherlich einiges zurücklassen musste. Aber eine Welt die unter so strenger Kontrolle einer so machthungrigen Frau stand konnte nicht gut enden. Sie fragte sich sowieso wie sie überhaupt funktionieren konnte. Auch das Zwillinge verboten waren, war für Levia etwas, dass sie nicht begreifen konnte, denn Zwillinge waren etwas besonderes, denn sie hatten eine ganz besondere Bindung zueinander – und außerdem, was konnten denn die Kinder dafür, dass sie dazu auserkoren wurden Zwillinge zu sein? Sie konnten doch absolut gar nichts dafür. Nachdenklich und besorgt sah die Weißhaarige ihren Gegenüber an: „Was .. passiert denn dann wenn trotzdem Zwillinge geboren werden?“, fragte sie, obwohl sie sich vor der Antwort fürchtete. Aber sie musste es wissen – sie musste es einfach.
Doch kurz darauf erwartete Levia schon der nächste Schock, denn Dawson fragte sie tatsächlich, ob sie ihre Eltern kennen würde. Natürlich kannte sie ihre Eltern – das war doch ganz normal ... oder etwa nicht?
„Ähm, ja, natürlich kenne ich meine Eltern – schließlich haben sie mich und meine Schwester jahrelang großgezogen.“, antwortete sie schließlich, nachdem sie zum Schluss gekommen war, dass sie bei Dawsons Welt wirklich nichts mehr überraschen würde. Wahrscheinlich wurden die Kinder schon direkt bei der Geburt von ihren Eltern getrennt um sie im Sinne der Präsidentin zu erziehen oder irgend so ein anderer Schwachsinn. Aber wie dem auch sei – für den ganzen Mist konnte Dawson schließlich nichts, also wollte sie ihm auch keine Vorwürfe machen oder ähnliches – zumal ihr Gespräch gerade so gut verlief – das war nichts was sie kaputt machen wollte. Denn auch wenn seine Welt für sie der reinste Alptraum war, so konnte sie dennoch nicht verneinen, dass sie sich für diese Welt interessierte.
„Und, naja, ich habe bis vor kurzem ja sogar noch bei meinen Eltern gewohnt und ihnen im Teehaus geholfen.“, erzählte Levia weiterhin und sah Dawson an. Sie zögerte einen Moment, bevor sie ihm schließlich die Frage stellte, die sich daraus natürlich für sie ergeben hatte: „Kennst du ... deine Eltern etwa nicht, Dawson?“
Ein bisschen betrübte dieser Gedanke Levia schon. Auch im Bezug auf ihre Eltern konnte sich Levia schließlich nicht vorstellen, sich nicht mehr an sie zu erinnern. Sie waren schließlich schon immer ein Teil ihres Lebens gewesen – seit die denken konnte waren sie und Larry immer da gewesen. Sich nun vorzustellen sie wären nie da gewesen war etwas, dass die Weißhaarige nicht übers Herz brachte und es machte sie traurig, dass Dawson scheinbar all dieser Momente beraubt wurde und auch nie überhaupt nur die Chance darauf hatte sie selbst zu erleben.
Es war einfach unvorstellbar. In diesem Moment wünschte sich Levia wirklich sehr, dass sie ihm helfen könnte all das nachzuholen, was er versäumt hatte. Niemand hatte es verdient so vieler Dinge beraubt zu werden, die doch eigentlich sehr schön waren – oder?
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Beitrag von Dawsonam So Nov 18, 2018 3:23 pm

Hain der Täuschung
Post #008, mit: Levia
Über Hochzeiten und Partner zu sprechen, war etwas, das ihm doch irgendwie unangenehm war, eben weil er nicht selbst wählen durfte - und im gleichen Atemzug nicht einmal erwähnen durfte, dass es bereits jemanden gab, an den er sein Herz verloren hatte. Denn es war ihm schlichtweg nicht gestattet. Daher unterbrach er sich auch selbst und ermahnte sich, nur nichts Falsches zu sagen, denn er wusste immer noch nicht, inwiefern sich diese Welt genau von seiner unterschied oder ob das Ganze nicht doch ein ganz großer Schwindel war. Auch wenn es nicht so schien, konnte immerhin genau das damit bezweckt worden sein. Er war nun einmal nicht der Liebling der Regierung, da sollte er wohl mit allem rechnen. Doch die Reaktion von Levia war eigentlich recht positiv, jedenfalls schien sie sich zu freuen, dass er jemanden hatte - was er niemals erwähnt hatte! Leicht beschämt konnte er Levia nicht mehr anschauen, teilweise auch aus Angst, ob ihre Reaktion tatsächlich ehrlich gemeint war. Denn so etwas war er nicht gewohnt, jedenfalls nicht bei diesem Thema. Er sagte also lieber nichts mehr dazu und schwieg, hörte sich nur an, was Levia noch dazu zu sagen hatte. Sie fragte nämlich nun, was es mit den Elite-Mitgliedern auf sich hatte und ob die Gesellschaft in Schichten eingeteilt wurde. Also war das bei Levia wieder nicht so? Dawson fragte sich, ob irgendetwas von dem Ort, den er kannte, sich auch hier in Einall widerfinden ließ. Bisher schien dem nämlich nicht so. »Ja, es gibt die Unterschicht, die Mittelschicht und die Elite. Und natürlich die Präsidentin, die über allem steht.« erklärte er, denn damit konnte er ja nichts falsch machen, nicht wahr? Es handelte sich dabei immerhin um Fakten, die jeder bei ihm kannte. Und denen niemand entkommen konnte. »Ist die hiesige Gesellschaft etwa nicht so eingeteilt?« fragte er dann aber doch noch nach, denn nur so konnte er ja lernen, nicht wahr? Auch wenn es ihm mittlerweile alles zu viel wurde und er sich fragte, ob er die Flut von Informationen überhaupt im Kopf behalten konnte. Er bezweifelte es nämlich stark. Vielleicht sollte er sich einfach alles wichtige notieren! Nur funktionierte seine Armbanduhr ja gar nicht mehr. Und es schien nicht so, als kenne Levia ähnliche Gerätschaften.
Also war es vielleicht doch plausibel, dass sie aus zwei verschiedenen Welten kamen? Es fiel ihm immer noch schwer, das auch zu glauben, aber eine andere Erklärung für sein plötzliches Auftauchen hier im Wald hatten sie bisher auch nicht gefunden. Im Gegenteil, mittlerweile waren sie zu dem Punkt gekommen, dass er durch ein Portal gegangen war, ohne es zu bemerken und dadurch hier gelandet war. In einer anderen Welt, die ihm völlig fremd war. »Scheint so.« konnte er nur bestätigen, da er keine bessere Lösung dafür hatte. Auch wenn es ihm nach wie vor viel zu unlogisch erschien. Andererseits gab es in den Worten von Levia generell wenig Logik für ihn - Zwillinge, Eltern, Geschwister, freie Partnerwahl, Pokémon...das waren alles Dinge, die ihm völlig fremd waren, da es sie in seiner Welt einfach nicht gab. Wie also sollte er sich das anders erklären als durch zwei unterschiedliche Welten? Aber sollte er wirklich anerkennen, dass es mehr Welten gab als die eine, die er kannte? Das klang vielmehr nach irgendwelchen Geschichten, die nicht der Realität entsprachen. Levia schien damit aber auch so ihre Probleme zu haben, was Dawson zumindest ein wenig beruhigte. Das bedeutete immerhin, dass er nicht verrückt wurde - oder? Oder sie wurden beide verrückt. Die Erklärung mit dem Portal erschien ihm nämlich immer noch nicht wirklich plausibel. Es war einfach aufgetaucht, er hindurch gegangen und auf dem Bauch gelandet, weil seine Welt anders herum war? Das ergab nun wirklich keinen Sinn und dementsprechend skeptisch sah Dawson auch zu Levia. »Ich denke nicht, dass es helfen würde, sich zu kneifen.« überlegte er laut, etwas verwirrt über diesen Ausspruch. Selbst wenn man träumte, würde man davon wohl kaum wach werden - immerhin würde man sich dann im Traum kneifen, oder nicht? Irgendwie verwirrte ihn das noch viel mehr und er hatte das Gefühl, dass sein Kopf platzte. Es war einfach zu viel auf einmal!
Und es ging noch viel weiter, denn als er nun von Seen, Flüssen, Wäldern und Wüsten erzählte, offenbarte Levia ihm, dass es all das hier tatsächlich gab, ganz ohne Projektion, sodass jeder zu jeder Zeit dorthin gehen konnte. Und dass es tatsächlich so atemberaubend schön war, wie Dawson es sich immer gedacht hatte. Denn seine Projektionen waren das, was ihm am Tag am meisten Spaß machte. Er konnte in die Natur gehen, die es nicht wirklich gab, abschalten und sich an einen anderen Ort träumen. Die einzige Möglichkeit, der Trostlosigkeit der Stadt zu entkommen. Und hier sollte es so etwas wahrhaftig geben? So verträumt und glücklich Levia davon erzählte, konnte er es sich gar nicht anders vorstellen - und das war einfach unglaublich! »Sollte ich länger hierbleiben - und damit sage ich nicht, dass ich den Gedanken an zwei Welten logisch finde - würde ich mich sehr freuen, diese Orte zu sehen.« erwiderte er da, leicht verträumt, denn wenn er schon einmal hier war, wollte er unbedingt diese Orte kennenlernen. Und dann vielleicht genauso begeistert davon sein wie Levia. Und wenn er Glück hatte, würde er Eliara dorthin mitnehmen und sie ihr ebenfalls zeigen können. Was könnte es Schöneres geben?
Außer natürlich, überhaupt wieder irgendwie nach Hause zu kommen. Auch wenn es nicht der beste Ort zum Leben sein mochte, denn wie er jetzt erfuhr, war Einall da wesentlich lockerer, vor allem, was Regeln und Gesetze anging. Doch auch mit der Freizeitgestaltung schien Levia irgendwie nicht ganz einverstanden zu sein. Zumindest fragte sie erstaunt nach, dass sie sich die Zeit nicht selbst einteilen konnten. So ganz stimmte das allerdings auch nicht. »Nicht direkt. Also, wir dürfen schon entscheiden, was wir machen möchten. Ob wir in die Gärten gehen oder Videospiele spielen oder Sport machen. Nur müssen wir zu bestimmten Uhrzeiten eben wieder zu Hause sein.« versuchte er es zu erklären, wobei sein Verständnis von Gärten, Videospielen und Sport wohl ein gänzlich anderes war, als das, was Levia davon hatte. Denn all das fand auch nur virtuell statt. Da Dawson das jedoch nicht wissen konnte, erklärte er es auch nicht weiter. Stattdessen lauschte er den Worten Levias, die auf seine Nachfrage hin nun ein wenig über die Gesetze Einalls erzählte. Nicht töten oder verletzen, nicht stehlen - das war auch etwas, das in Shiroh nicht gern gesehen war und Strafen nach sich zog. Insofern hatte er wohl etwas gefunden, was seiner Heimat sehr ähnlich war. Auch wenn er nicht wusste, was mit "den üblichen Dingen" gemeint war, begnügte er sich mit dieser Antwort. Er würde einfach all das nicht tun, was in seiner Welt ebenfalls nicht erlaubt war, dann war er mit Sicherheit auf der richtigen Seite. Mittlerweile merkte er auch, dass er zunehmend von zwei Welten ausging und es in seinen Gedanken bereits genau so trennte. Aber anders konnte er auch gerade nicht darüber nachdenken. Nachfolgend erfuhr er sogar noch, dass Einall keinen Tagesablauf vorgab, an den sich ein jeder Bürger halten musste. »Es klingt nach sehr viel Freiraum.« überlegte er laut, bereute im nächsten Moment aber wieder, es gesagt zu haben - immerhin war es eine indirekte Kritik an der Regierung! Freiraum war nicht gestattet, man hatte zu tun, was gesagt wurde und es nicht in Frage zu stellen. Er hoffte inständig, dass Levia tatsächlich kein versteckter Regierungsmitarbeiter war. Denn das würde sehr fatal für ihn enden.
Doch auch die Familienkonstellationen ließen in Einall offensichtlich wesentlich mehr Freiraum zu, denn statt nur einem Kind konnte es hier viele Kinder geben, die dann sogar noch lange Zeit bei ihren Eltern lebten. Dawson hatte langsam das Bedürfnis, dieses Gespräch an der Stelle abzubrechen und eine Pause einzulegen, gleichzeitig fand er es unglaublich interessant, wie unterschiedliche die Erfahrung von ihm und Levia doch waren - und das nur aufgrund des Ortes, an dem sie aufgewachsen waren. Levia aber schien sehr schockiert darüber zu sein, dass Zwillinge nicht als solche aufwuchsen, wohl weil sie selbst einer war. Es interessierte Dawson durchaus, wie ihre Schwester wohl aussah. Zwillinge sollten einander doch stark ähneln, nicht wahr? Von Pandragon kannte er das nicht, da fand er es äußerst spannend, es hier mal kennenzulernen. »Sie werden getrennt. Das jüngere Kind wird entweder an ein Paar weitergegeben, das keine Kinder bekommen kann oder getötet.« erklärte er recht sachlich, fast schon zu nüchtern, aber für ihn war es nun einmal Alltag. Es war nichts Besonderes, dass diese Kinder auch getötet wurden, denn es war schlicht verboten, dass Zwillinge beieinander aufwuchsen. Und wenn man keinen Platz für das zweite Kind fand, wo sollte es dann schon leben? Natürlich konnten sie es auch in die Außenwelt aussetzen, aber da war das direkte Töten doch wesentlich humaner. Immerhin war die Außenwelt verseucht! Und wie sollte sich ein Säugling schon selbst ernähren können? Den nächsten Schock schien Dawson Levia dann aber mit seiner Frage zu bereiten, ob Levia ihre Eltern kannte. Es schockierte ihn jedoch wiederum, dass dem scheinbar so war, denn es war in Pandragon einfach nicht üblich. Natürlich kam es vor, aber wenn man von ihnen getrennt wurde und viele Jahre ohne sie aufwuchs, hatten die meisten gar kein Interesse mehr daran, ihre Eltern kennenzulernen. Für Levia schien genau das aber unvorstellbar zu sein. Für sie schien es das natürlichste von der Welt zu sein, ihre Eltern zu kennen und sogar bei ihnen aufzuwachsen. Für Dawson war das allerdings widerum unvorstellbar. Wieder einmal war es etwas, das komplett im Gegensatz zu seiner Welt stand und er konnte sich nicht vorstellen, wie die Familien hier zusammenlebten. Unwillkürlich fragte er sich, wie alt Levia eigentlich war und welche Zeitspanne für ein gemeinsames Leben mit den Eltern hier wohl üblich war. Bevor er diese Fragen aber alle stellen konnte, kam ihm ein neues Wort entgegen, mit dem er nichts anfangen konnte: was war bitte ein Teehaus? Tee gewann man aus verschiedenen Pflanzen, die auf den Äckern der Stadt wuchsen. Jeder Haushalt bekam etwas davon ab - es war also nicht der Tee selbst, der ihm unbekannt war, sondern die Wortkombination, unter der er sich nicht viel vorstellen konnte. Gab es also extra ein Haus, wo die Pflanzen gelagert wurden? Das erschien ihm nicht gerade logisch, zumal Pflanzen doch auch Sonne brauchten. Doch auch dieser Gedankengang wurde unterbrochen, als Levia ihn überaus vorsichtig fragte, ob er seine Eltern nicht kannte. Richtig, sie hatten ja über die Familie gesprochen. »Ich habe nur verschwommen einige Bilder im Kopf. Aber wir wohnen nur so lange bei unseren Eltern, bis wir mit 6 Jahren in die Schule kommen. Es ist uns nicht verboten, nach Ausbildungsabschluss wieder Kontakt zu ihnen aufzunehmen, aber das machen nur die Wenigsten.« erklärte er noch etwas abwesend, da ihm immer noch die anderen Fragen durch den Kopf schwebten und ihn ablenkten. Es war einfach so viel neues! Als würde er aus einem Paralleluniversum stammen, in dem alles Kopf stand. Oder sich jetzt in einem solchen befinden. Aber das war auch nicht gerade eine logische Erklärung für das alles. »Wie lange ist es hier denn üblich, bei seinen Eltern zu wohnen?« fragte er nach, um zumindest eine seiner Fragen noch beantwortet zu bekommen. Und da sie gerade beim Thema der Familie waren, passte sie gerade auch gut in den Kontext, selbst wenn er gewiss noch tausende andere Fragen hatte. Er würde sie vielleicht im Laufe des Gesprächs noch stellen oder nach hinten verschieben, je nachdem, wie es nun weiter ging.
Denn genau das würde er nun doch ganz gern wissen. Gab es eine Möglichkeit, schnell wieder nach Pandragon zu kommen? Wenn er wirklich durch ein Portal hergekommen war, würde er auch durch ein solches wieder zurück müssen. Jedenfalls vermutete er das stark. Wenn er aber nicht durch ein Portal gekommen war, musste er eine andere Möglichkeit finden, wieder zurückzukommen. Oder aber er blieb erst einmal eine Weile hier, lernte Einall kennen und kehrte dann zurück, um Eliara zu holen und das Leben zu leben, was er sich in den letzten Wochen verstärkt gewünscht hatte. Frei zu sein, freie Entscheidungen zu treffen und mit der zusammen sein können, die er liebte. Er stellte sich zwar durchaus vor, dass das sehr kompliziert werden würde, doch er würde es gern versuchen, wenn es bedeutete, dass er Eliara bei sich haben durfte. Natürlich war hier das Problem, dass auch sie mittlerweile jemanden an ihrer Seite hatte und er bezweifelte, dass sie sich gegen die Regierung stellen würde. Die einzige Möglichkeit war also, sie hierher zu holen. Wenn Einall tatsächlich eine andere Welt und das alles hier kein einziger, großer Schwindel war natürlich.



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Beitrag von Leviaam So Dez 02, 2018 7:23 pm

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#019 | Mit Dawson | Lichtung im Hain der Täuschung

Es war doch schön, wenn man jemanden gern hatte – oder etwa nicht?
Dawson ließ jedenfalls seinen Kopf sinken und sah sie nicht mehr an, was Levia doch ein wenig verwundert schauen ließ. War es in seiner Welt tatsächlich so schlecht, wenn man jemanden gern hatte? Am liebsten wollte sie ihn fragen, doch da er so zurückhaltend reagierte, ließ sie es lieber bleiben und ließ sich von ihm etwas anderes über die Gesellschaft erklären.
Laut ihm bestand seine Gesellschaft also aus unterschiedlichen Schichten. Der Unterschicht, der Mittelschicht, der Elite und irgendeiner Präsidentin, von der Dawson behauptete, dass sie über allem stünde.
„Präsidentin, die über allem steht?“, fragte sie daher auch etwas verwundert nach. „Was meinst du damit genau?“
Auf seine Gegenfrage hin schüttelte sie leicht den Kopf. „Nein, also eigentlich nicht. Zumindest nicht so streng wie es bei dir zu sein scheint. Aber es gibt welche die die Menschen hier nach ihrem Einkommen einteilen. Aber wirklich Gesetz ist das nicht und es hat meistens auch keine Auswirkungen auf irgendetwas. Außer das Reiche, also Menschen die viel Geld haben, oft nichts mit ärmeren zu tun haben wollen, weil arme Menschen meist in kleinen Häusern oder sogar auf der Straße leben.“, antwortete sie ihm und versuchte gleichzeitig einige Dinge zu erklären, damit Dawson hoffentlich nicht noch verwirrter sein würde.
„Haben die Schichten bei euch denn irgendwelche Auswirkungen auf euer Leben? Also ist es sehr wichtig in welcher Schicht man geboren ist?“, fragte sie dann ihrerseits interessiert nach. Auch wenn sie vieles in seiner Welt nicht gut heißen konnte, so war es ja nicht so, als ob sie nicht auch etwas darüber lernen wollte. Es war nun einmal Dawsons Heimat und vielleicht tat es ihm ja auch gut, wenn sie auch etwas Interesse an seinem Leben und seiner Welt zeigte und er in Ruhe erzählen konnte. Es waren zwar bisher für sie einige ziemlich schlimme Sachen dabei zur Sprache gekommen, die bei Dawson jedoch Normalität zu sein schienen, aber dennoch hatte sie immer noch nicht das Recht seine Welt gänzlich schlecht zu machen, oder? Vielleicht gab es ja etwas, dass sogar besser war als hier, wenn sie sich nur lange genug über ihre Unterschiede unterhielten? Es wäre jedenfalls schön, wenn Dawson nicht das Gefühl bekäme, dass seine Heimat gänzlich schlecht war, oder? Immerhin war er dort aufgewachsen und hatte seine Freunde dort .... obwohl ... hatte er überhaupt Freunde? Gab es das?
Noch verwirrter durch den Versuch herauszufinden was wohl in Dawsons Interesse wäre, wandte sich Levia noch einmal an den Weißhaarigen und fragte: „Sag mal .... gibt es bei euch eigentlich Freundschaften? Also .... dürft ihr überhaupt Freunde haben?“
Die Frage auszusprechen klang gleich noch verrückter, verwirrter und willkürlicher, als es schon in ihrem Kopf der Fall gewesen war. Außerdem war sie völlig außerhalb der Reihe, wo sie sich doch gerade noch über die verschiedenen Schichten und deren Bedeutung unterhielten. Auch das Gespräch über die Portale und ihre Theorien darüber wie er hindurch gestolpert sein konnte ohne es zu merken schien weder ihm noch ihr sonderlich zu helfen. Nein, denn sie schienen nur noch verwirrter zu werden und als Levia wohl lauter aussprach als gedacht, dass sie sich am liebsten kneifen würde um zu sehen ob das hier real sei, antwortete Dawson ihr, dass das wohl kaum helfen würde. Einen Moment verwundert sah sie ihn an, bevor sie den Kopf schief legte und mit einem leichten Lächeln antwortete: „Das ist nur so eine Redensart bei uns, wenn man etwas nicht versteht. Ich hoffe das hat dich jetzt nicht zu sehr verwirrt.“
Verlegen fuhr sich Levia durch die Haare. Kurz sah sie schuldbewusst hinunter zum Gras auf dem sie saßen. Das sie aber auch immer von einer Katastrophe in die nächste stolpern musste! Sie war nämlich offensichtlich nicht gerade der beste Ansprechpartner für einen Besucher aus einer anderen Welt. Auch wenn ihm ihre Erzählungen über die Natur, die Seen, Flüsse, Wälder und der Wüste zu gefallen schienen. Es war ein Punkt in dem ganzen Chaos, den sie als Gemeinsamkeit herausgefunden hatten und ein wenig klammerte sich Levia daran, auch wenn sie es nicht zugeben würde. Es war immerhin eine Gemeinsamkeit und das hieß, dass sie innerlich vielleicht trotzdem gar nicht so unterschiedlich sein konnten, oder? Es hieß doch, dass sie sich zumindest in einer Sache einig waren – ganz egal ob 2 Welten oder nicht ...
Er gab sogar zu, dass er diese Orte gerne sehen würde, wenn er länger hier bleiben würde und das brachte Levia zum Lächeln. Energisch nickte sie und sah Dawson direkt an – in ihren Augen funkelte die Freude und Abenteuerlust förmlich, während sie sprach: „Ich würde dir diese Orte wirklich gern zeigen. Du würdest bestimmt begeistert sein, wenn du das alles sehen könntest. Weil wenn es dir hier gefällt, dann wird dir auch das Meer, die Berge, die Wüste und auch die anderen Wälder hier gefallen. Am liebsten würde ich mit dir ja zu mir nach Hause gehen. In Ondula gibt es wirklich schöne Strände – und ich bin sicher, dass dich auch der Unterseetunnel faszinieren wird.“, erzählte sie ihm und merkte dabei gar nicht wie enthusiastisch sie dabei wurde und Dawson nur noch mehr neue Wörter an den Kopf warf. Aber sie war nun einmal ein Naturmensch – nicht umsonst hatte sie sich auf Pflanzen-Pokémon spezialisiert. Auch wenn man ihre Lieblinge gerne unterschätzte so waren Pflanzen doch auch sehr wichtig für das Leben, nicht wahr?
„Aber natürlich möchte ich auch nicht, dass du hier bleibst, wenn du das nicht willst,“, fügte sie noch schnell an. „Man kann ja niemanden zwingen irgendwo zu bleiben, nicht wahr?.“ Auch wenn Levia zugeben musste, dass sie dieser Gedanke doch etwas traurig stimmte. Denn eigentlich verstanden sie sich doch sehr gut, trotz ihrer Unterschiede, oder?
Leider bemerkte Levia gar nicht, dass Dawson ganz verträumt war, denn sie war immer noch in ihrem eigenen Gedankenstrudel gefangen, der immer größer geworden war, seit sie über ihre unterschiedlichen Erfahrungen gesprochen hatten. Natürlich hatten sie viel herausgefunden, doch waren das bisher meistens eher Unterschiede als Gemeinsamkeiten gewesen. Levia war sich unsicher, ob sich Dawson trotz der üppigen Natur hier tatsächlich wohl fühlte, denn eines war für sie klar ... wäre sie in einer anderen Welt, dann würde sie einfach nur nach Hause wollen .... zumindest hierher zurück nach Einall. Zurück zu ihren Eltern ... und, was noch viel wichtiger war, zurück zu Larina.
Trotzdem fiel es ihr schwer sich vorzustellen, dass Dawson wirklich dorthin zurück wollte, wo es so viele Vorschriften und Regeln zu beachten gab und man sogar nicht einem heiraten konnte wen man wollte. Das ging nach wie vor über ihr Verständnis hinaus, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass man sich in so einer Welt wirklich jemals wohl fühlen konnte ... oder lag es nur daran, dass sie selbst nicht dort aufgewachsen war?
Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr schwirrte ihr der Kopf und sie hatte das Gefühl ihr Scädel würde jeden Moment platzen und doch konnte sie nicht verhindern, dass all diese Gedanken sie heimsuchten wie böse Geister. Vielleicht sollte sie nachher einmal mit Larina darüber sprechen? Vielleicht wusste ja ausnahmsweise ihre Schwester einmal Rat und konnte ihr dabei helfen diese Gedanken zu sortieren. Sie zwar zwar einige Minuten jünger, aber das musste ja nicht heißen, dass sie als Ältere sich nicht auch mal Rat bei ihr einholen konnte, oder?
„Das jüngere Kind wird entweder an ein Paar weitergegeben, das keine Kinder bekommen kann oder getötet.“, dieser Satz warf Levia nun endgültig aus ihrem Gedankenkarussell und entgeistert starrte sie Dawson an. Hätte sie nicht schon am Boden gesessen, so täte sie es spätestens jetzt, denn diese Antwort, auch noch so sachlich formuliert, hatte ihr gefühlt den Boden unter den Füßen weg gerissen – und das war normalerweise ein Gefühl, dass Levia überhaupt nicht gern verspürte. Sie blinzelte ein paar Mal, bevor sich ihre ersten Muskeln aus der Starre lösten und sie verzweifelt nach Worten suchte, auch wenn ihr Gesicht Bände sprechen musste. „Was ...? warum? Wie ... ? Wie kann man dabei so sachlich bleiben?!“, platzte es schließlich aus ihr heraus und wäre sie nicht noch halb erstarrt, hätte sie Dawson wahrscheinlich am liebsten an den Schultern gepackt und einmal kräftig geschüttelt. Dabei wäre ihr auch Aruhin egal gewesen, den sie sowie schon ganz vergessen hatte, da er so friedlich geworden war.
„Das ... das ist doch schrecklich!“, versuchte sie dann weiter ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die bei Dawson hinsichtlich zu diesem Thema total abgestumpft zu sein schienen. „Man kann doch nicht einfach Kinder töten! Es ist schon schlimm genug wenn Eltern ihre Kinder aussetzen.“
Sie sah Dawson an. Es war ganz offensichtlich, dass es hier einen riesigen Unterschied gab. Hier in Einall konnte man nicht einfach Kinder töten oder irgendwo in der Wildnis aussetzen, oder einfach so jemand anderem geben, wenn die Eltern dagegen waren. Levia atmete ein paar mal tief ein und versuchte ihre Aufregung zu bändigen, die Dawson immer noch am liebsten durchgeschüttelt hätte um ihm zumindest eine passende Reaktion zu entlocken. Nein, das konnte sie nicht so stehen lassen.
„Das würde es hier niemals geben.“, meinte sie dann schließlich und sah Dawson fest entschlossen an. „Man würde hier nie den Eltern ihr Kind gegen ihren Willen wegnehmen, außer wenn sie es misshandeln, schlagen oder andere schlimme Dinge tun, die dem Kind schaden. Man kann hier auch nicht einfach Kinder töten, denn das wäre Mord und dafür kann man lebenslang ins Gefängnis gehen – und bei Kindern ist Mord tausendmal schlimmer, das würde hier niemals jemand einfach hinnehmen. Es gibt zwar Eltern, die ihre Kinder aussetzen oder sie nicht haben wollen, aber dafür haben wir Waisenhäuser, wo sich dann um die Kinder gekümmert wird, denn auch wenn Eltern ihre Kinder aussetzen begehen sie damit eine Straftat, denn ohne Hilfe sind kleine Kinder ja völlig hilflos und würden sterben. Ich verstehe nicht, wie du das einfach so sachlich sagen kannst, als wäre das überhaupt nicht schlimm.“, während sie sprach hatte Levia Mühe ihre Gefühle zurück zu halten und sie spürte, wie ihr beinahe die Tränen in die Augen stiegen – ganz besonders wenn die an Larina dachte. „Kinder können doch nichts dafür, dass sie geboren werden – und wissen die Leute bei euch nicht, dass gerade Zwillinge eine ganz besondere Verbindung zueinander haben? Zwillinge merken, wenn es jemanden von ihnen schlecht geht und wenn sie getrennt sind, dann spüren die die Trennung auch, denn sie gehören schließlich zusammen und wenn man Zwillinge trennt, dann werden sie immer das Gefühl haben, dass ihnen etwas fehlt. Ich jedenfalls würde meine Zwillingsschwester für nichts in der Welt hergeben wollen. Ich würde nie zulassen, dass ihr etwas schlimmes passiert, wenn ich es verhindern kann ....“
Schnell wischte sich Levia mit dem Ärmel ihres Mantels über die Augen, damit Dawson ja nicht sah, dass sie glänzten. Ein Glück erzählte ihr gerade Dawson etwas über seine Kindheit, was aber auch Levias Traurigkeit nicht wirklich verfliegen ließ. Dawson schien sich an seine Eltern gar nicht wirklich zu erinnern, wieder etwas, dass sie sich nicht vorstellen konnte. Sie kannte ihre Eltern und es war schon immer ein trauriger Gedanke für die gewesen über die Waisen nachzudenken, die ihre Eltern nie kennengelernt hatten ... oder die sogar von ihnen misshandelt wurden. Ihre Eltern würde sie auch nicht missen wollen, schließlich waren sie stets für sie und Larina da gewesen und würden es auch so lange noch sein, wie sie lebten. Erst jetzt wurde Levia langsam bewusst, wie einsam das Leben von Dawson eigentlich klang. Er hatte keinen Kontakt mit seinen Eltern, die ihn bestimmt vermissten, er hatte ja noch nicht einmal Geschwister. Immer noch ziemlich überwältigt von dem was hier gerade passierte, brauchte die Weißhaarige einen Moment, um auf Dawsons Frage einzugehen: „Naja, manche ziehen schon mit 18 Jahren aus, aber andere wohnen auch noch bis Mitte zwanzig bei ihren Eltern. Eben bis sie eine Arbeit gefunden haben, die ihnen gefällt und mit der sie auch genug Geld verdienen um sich das leisten zu können. Es ist sehr selten, dass jemand schon früher alleine wohnt. Denn, auch wenn manche Kinder schon mit 12 Jahren alleine auf Reise gehen um Erfahrungen zu sammeln und die Region auf eigene Faust zu erkunden, so können sie aber immer jederzeit nach Hause kommen.“, meinte sie und sah Dawson an. „Und du hast gesagt ihr müsst mit 6 zur Schule gehen? Heißt das ihr habt dort gewohnt? Also, so wie in einem Internat? Das man dort übernachtet, isst und schläft?“, fragte sie vorsichtig nach. Klar, sie wusste, dass es auch hier Internate gab, die schon jüngere Kinder besuchen konnten, aber solche Internate waren meistens teuer und nur reiche Eltern konnten sich das ohne Probleme leisten.
„Heißt das, dass es bei euch keine Schulgebühren bei Internaten gibt?“, fügte sie direkt hinzu. „Denn hier muss man für ein Internat bezahlen, für das Essen und so.“
Larina und sie waren nie auf einem gewesen, darum konnte sie auch nur das berichten, was sie darüber gehört und gelesen hatte. Wie kam es, dass in Dawsons Welt scheinbar einfach so alle Kinder auf ein Internat gehen konnten, egal woher ihre Eltern kamen und egal wie viel Geld sie besaßen? Wie war das möglich und wieso machten die Eltern das einfach so mit? Hatten sie keine Bindung zu ihrem Kind? Ihren Eltern wäre es schließlich nie eingefallen sie und Larina in ein Internat zu geben – außer sie beide hätten es ausdrücklich gewollt. Levia hatte sowieso nie verstanden, wieso Eltern ihre Kinder überhaupt einfach weggeben konnten und wohl auch wollten. Was war mit diesen Menschen nur falsch?
Sie sah Dawson an. Sie versuchte ihn zu verstehen, doch sie konnte es nicht, sie konnte einfach nicht verstehen, wieso man all diese Dinge einfach hinnehmen konnte ohne sich einmal zu fragen, ob es wirklich richtig sei. Wie konnte diese Präsidentin nur so grausam sein? Wie ging das?
Levia bemerkte kaum, dass sich eine Hand in den Waldboden gegraben hatte – und zwar schon seit Dawson die Tötung der Kinder angesprochen hatte. Nur langsam wurde ihr klar, dass es nicht seine Schuld war .... er war so aufgewachsen .... aber das entschuldigte doch nichts .... aber .... was noch unentschuldbarer war, war das Verhalten dieser Präsidentin. Das war ungeheuerlich!
Sie biss sich leicht auf die Unterlippe um nicht das zu sagen, was ihr gerade durch den Kopf schoss, denn am liebsten hätte sie Dawson diese Erkenntnis an den Kopf geknallt, doch sie befürchtete, dass nicht mehr viel fehlen würde, damit genau das passierte. Konnte ihr doch eigentlich egal sein, ob diese blöde Kuh in Dawsons über allem stand oder? Hier hatte sie schließlich keine Macht.
Also öffnete Levia den Mund um etwas zu sagen, wurde jedoch von ihrem Lilminip unterbrochen, dass ganz unverhofft zwischen ihr und Dawson auftauchte. Mit einem zögerlichen, fast schon liebevollem Laut, hielt sie Dawson mit ihren kleinen Ärmchen etwas hin. Es war eine kleine Blume, die das Pflanzen-Pokémon scheinbar selbst gepflückt hatte. Es sah Dawson aus ihren großen Augen heraus an und unternahm keine Anstalten die Blume zu senken, kam sogar kurz ein kleines Stückchen näher, als der Weißhaarige zuerst nicht reagierte. Levia brauchte selbst einen Moment, um das Verhalten ihres kleinen Schätzchens zu verstehen. „Aralia willst du .... willst du dich mit der Blume bei Dawson entschuldigen?“, fragte sie schließlich, woraufhin das kleine Pokémon einen zustimmend klingenden Laut von sich gab, ohne jedoch den Blick von Dawson abzuwenden. Es schien ihr wichtig zu sein, dass er die Blume annahm. Die anderen Pokémon standen in einiger Entfernung und beobachteten das Spektakel, während sich Abby noch immer ganz fasziniert von Aruhin zeigte und offenbar versuchte mit ihm zu reden – zumindest soweit Levia die ganze Situation einzuschätzen wusste. Ihr Blick blieb jedoch die meiste Zeit bei Dawson hängen, denn auch sie war gespannt darauf, wie er reagieren würde.
„Sieht ganz so aus .... als ob es Aralia sehr Leid tut, dass sie dich am Anfang so erschreckt hat.“, meinte sie noch, um Dawson aufzuklären, falls er verwirrt sein sollte. „Sie meint offenbar, dass du Blumen magst und will dir darum eine als Entschuldigung schenken.“ Sie lächelte leicht. „Ich glaube, sie möchte mit dir Freundschaft schließen.“
Das traute Levia dem kleinen grünen Pokémon nämlich zu, denn Aralia war sehr zutraulich und würde sicherlich traurig werden, würde Dawson ihre Entschuldigung ablehnen. Das Lilminip war nämlich kein Pokémon, dass andere gerne ärgerte, so wie Abby. Es hatte wohl gar keine Absicht gehabt Dawson zu ärgern, sondern sollte ihn wohl viel eher kennenlernen. Ob es wohl während des Gespräches die ganze Zeit nach einer passenden, schönen Blumen gesucht hatte, die sie Dawson als Geschenk anbieten wollte? Levia vermutete es zumindest stark .... aber .... wie würde nun Dawson darauf reagieren?
Levia
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Beitrag von Dawsonam So Feb 24, 2019 11:38 am

Hain der Täuschung
Post #009, mit: Levia
Wieder einmal kam er nicht umhin, verwundert über ihre Reaktion zu sein, denn für ihn war seine Aussage eigentlich ganz klar und deutlich gewesen. Eine Präsidentin, die über allem stand, war wohl offensichtlich, oder nicht? Scheinbar nicht, denn Levia schien es nicht ganz zu verstehen. »Ihr Wort ist Gesetz. Wer sich ihr wiedersetzt, wird bestraft.« erklärte er möglichst sachlich, darum bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm das zuwider war. Er war der Meinung, dass diese Frau keine Ahnung von den Menschen hatte, denen sie verpflichtet war, denn sie kümmerte sich immer nur um ihr Wohlergehen. Aber das durfte er unter keinen Umständen so irgendjemandem auch nur ansatzweise vermitteln, wenn er nicht gerade sterben wollte. Daher fragte er auch lieber rasch nach, ob ihre Gesellschaft hier denn nicht in Schichten eingeteilt war und bekam hierfür auch sofort eine Antwort. Offenbar gab es eine Unterscheidung zwischen Armen und Reichen und Dawson fragte sich, ob das so etwas war wie bei ihnen die Schichten, denn je höher man in der Gesellschaft stand, desto mehr verdiente man auch bei seinen Berufen. Einfach deshalb, weil der Beruf dann auch wesentlich komplexer wurde. Dass jemand auf der Straße leben musste, war ihm aber gänzlich fremd. Irgendwie stellte er sich das nicht sehr angenehm vor. Bevor er aber diesbezüglich eine Frage hätte stellen können, fragte Levia ihn ihrerseits, ob die Schichten irgendwelche Auswirkungen auf das Leben hatten und dann weiter, ob es wichtig war, in welcher Schicht man geboren war. Für Dawson klang es so, als würde sie die beiden Fragen in unmittelbarem Zusammenhang verstehen, für ihn waren es aber zwei einzelne Fragen, die man unabhängig voneinander betrachten musste. Natürlich hatten die Schichten Auswirkungen auf das Leben, das hatte er am eigenen Leib erlebt, doch nur, weil man in einer Schicht geboren wurde, hieß es nicht, dass man dort den Rest seines Lebens verblieb. »Ja und nein.« antwortete er zunächst, hatte aber vor, dies noch weiter auszuführen. »Je höher die Schicht ist, desto mehr Privilegien und Rechte hat man. Außerdem sind auch die Berufe komplexer und mit mehr Verantwortung bestückt. In der Schicht, in der man geboren ist, muss man aber nicht zwangsläufig bleiben.« fügte er also noch an und überlegte, dass auch das vielleicht zu Verwirrungen kommen könnte. Sie wusste schließlich bestimmt nicht, dass man in den Schichten auch aufsteigen konnte. »Ich wurde zum Beispiel in der Unterschicht geboren, gelte nun aber als Elite-Mitglied der Gesellschaft. Was die Regierung allerdings nicht sehr gern sieht.« Definitiv nicht. Tatsächlich hatten sie enorm etwas dagegen, aber nach den Regeln, die schon seit langer Zeit galten, hatten sie gar keine andere Möglichkeit. Denn eine Ultrabestie hatte ihn erwählt - das konnten sie schlecht verheimlichen. »Seitdem lebe ich im Stadtkern, mit einem großen Haus.« Und noch mehr Überwachung. Aber darauf würde er sicher nicht herum reiten, denn für eine solche Aussage konnte er auch wieder ins Gefängnis kommen. Wobei er andererseits nun ja auch gewisse Privilegien besaß. Er war sich aber sicher, dass die Regierung einen Weg finden würde, ihn loszuwerden, wenn er zu viele Fehler machte.
Die nächste Frage von Levia bezog sich nun aber auf andere Dinge, nämlich Freundschaften. Ihre Frage verwunderte ihn ein wenig, aber vermutlich war alles, was er ihr bisher gesagt hatte, so skuril für sie gewesen, dass die Frage wohl nur logisch war. Irgendwie, jedenfalls. »Sicher. Solange wir uns nicht gegen die Regierung zusammentun.« antwortete er also. Um das herauszufinden, mussten sie natürlich wieder streng überwacht werden, aber sie konnten ihnen schlecht verbieten, Kontakte zu anderen Menschen zu haben. Das stellte er sich ziemlich unmöglich vor, immerhin lebten sie eben zusammen. Der nächsten Satz von Levia war es nun aber, der Dawson wieder einmal aus dem Konzept brachte, denn ihm war nicht klar, wie es helfen sollte, sich zu kneifen, doch Levia brachte schnell Licht ins Dunkel. Es war nur eine Redensart, die es bei ihnen gab. Das verstand Dawson, weshalb er nickte, kurz darauf aber den Kopf schüttelte und ihre Frage verneinte, dass es ihn allzu sehr verwirrt hatte. Im Vergleich zu den meisten anderen Dingen war das nur ein sehr geringes Missverständnis.
Weitaus größer war es da, dass Orte wie Seen oder Wälder und viele andere hier tatsächlich existierten. Gern würde er sie sich einmal anschauen, denn so wie Levia fasziniert davon war, konnte er sich gut vorstellen, dass es ihm auch gefallen würde. Immerhin liebte er diese Orte und das schon, wenn sie gar nicht real waren. Wie viel besser würde es dann werden, wenn er sich wahrhaftig darin befand? Er war schon von diesem Wald hier vollkommen begeistert gewesen. Es freute ihn, dass Levia ihm diese Orte gern zeigen wollte, es verunsicherte ihn jedoch auch, dass sie ihn mit zu sich nach Hause nehmen wollte. Er konnte nämlich nicht einfach wieder nach Hause, da er keine Ahnung hatte, wie er dorthin kommen sollte, was ihn kurzzeitig traurig stimmte. Nicht etwa, weil er unbedingt wieder zurück wollte, sondern weil er sich an einem Ort befand, den er nicht einmal ansatzweise kannte. Und was war dieser Unterseetunnel? Es klang irgendwie gruselig, als würde man sich unter Wasser befinden. Was mit der menschlichen Natur nicht sehr schlau war, immerhin würden sie dann ertrinken. Oder nicht? »Naja...ich weiß ohnehin nicht, wie ich wieder zurück komme.« meinte er ein wenig verhalten. Es freute ihn, dass sie ihn mit zu sich nehmen wollte, es war ihm aber auch unangenehm, einfach mit zu ihr zu gehen. Er kannte sie immerhin kaum und sie ihn nicht und ihre Welten konnten unterschiedlicher nicht sein. Aber sie war freundlich und bisher verstand er sich recht gut mit ihr, insofern konnte es nicht verkehrt sein, oder? Oder wurde er dort dann auch überwacht von Robotern? Bisher hatte er davon ja noch keine gesehen, aber das musste ja nichts zu bedeuten haben. »Ich denke..ich würde mich freuen, wenn ich dich zu deinem Haus begleiten dürfte.« fügte er vorsichtig an. Er wollte sich nicht aufdrängen, aber wenn er in diesem Wald blieb, wo er sich nicht auskannte, würde er sicher nicht sehr weit kommen. Zumal er dann jedem, dem er begegnete, seine Geschichte neu erzählen müsste und er war sich sicher, dass ihm keiner glauben würde. Wie Levia ihm glaubte, war nämlich immer noch ein Rätsel.
Schließlich wechselten sie aber abermals das Thema und kamen auf Zwillinge und Geschwister zu sprechen und Dawson erklärte, dass der jüngere Zwilling entweder weitergegeben oder getötet wurde. Levias Reaktion darauf überraschte ihn allerdings sehr und erschreckte ihn auch. Es war, als hätte er irgendetwas Falsches gesagt. Sie schien jedenfalls ganz empört darüber zu sein, was Dawson zusammenzucken ließ. Er wollte sie bestimmt nicht angreifen oder irgendwie verletzen, aber für sie schien es wirklich eine große Unmöglichkeit, dass es so gehandhabt wurde. Für ihn war das allerdings ganz normal. »T-tut mir leid?« stotterte er verunsichert, auch wenn er eigentlich nicht wusste, was er falsch gemacht hatte. Er hatte keine Ahnung, was es bedeutete, jemanden auszusetzen, aber er bezweifelte gerade, dass das das Problem war, das Levia gerade hatte. Beschämt hörte er dabei zu, wie sie ihm erklärte, dass so etwas hier niemals gemacht werden würde. Im Gegenteil, es wäre sogar eine Straftat, Kinder zu töten. Dazu kam, dass Zwillinge offenbar eine besondere Verbindung zueinander hatten - das hatte Dawson tatsächlich nicht gewusst, aber es war nun einmal so, dass es in Shiroh so gehandhabt wurde. Dafür konnte er ja nichts. Doch ihm entgingen nicht die Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten, was Dawson sofort leidtat. Er wollte sie nicht verletzen! Leider wusste er nicht, was er sagen konnte, um es wieder gutzumachen, eben weil es für ihn einfach dazu gehörte. Levia hatte aber eine Zwillingsschwester und auch wenn er es sich nicht vorstellen konnte, liebte sie ihre Schwester vermutlich. Was ihre Reaktion erklärte. Aber so etwas gab es bei ihm eben einfach nicht. »Ich wollte dir nicht zu nahe treten.« sagte er entschuldigend. Vielleicht hätte er es einfach anders formulieren sollen? Oder es verschweigen? Aber sie hatte doch danach gefragt, oder nicht?
Letztlich fragte sie auch noch danach, ob er seine Eltern kannte, was jedoch nicht der Fall war. Er erklärte, dass sie mit sechs Jahren von zu Hause getrennt wurden, was wieder einmal etwas völlig normales für ihn war. Für Levia schien es jedoch abermals schwer zu glauben. Er fragte schließlich, wie lange es in ihrer Welt üblich war, zu  Hause zu bleiben, sodass er rasch erfuhr, dass viele mit 18 Jahren auszogen. Oder eben fann, wenn sie einen Beruf hatten, mit dem sie ausreichend Geld verdienen konnten, um eine eigene Wohnung zu finanzieren. Dawson hörte sich das alles an, konnte sich aber kaum einen Reim darauf machen. Zunächst war es für ihn undenkbar, solange bei seinen Eltern zu wohnen, dann verstand er nicht, wie es möglich war, sich einen Beruf auszusuchen, der einem gefiel. Er hatte das nämlich nicht gedurft. Und warum Kinder mit 12 Jahren die Region erkundeten, war ihm auch ein Rätsel. Neben all diesen Fragen war ihm aber auch nicht bekannt, was ein Internat genau war, da er den Begriff noch nie gehört hatte, doch Levia fragte ihn genau danach. Zum Glück führte sie es weiter aus und fragte ihn, ob sie in der Schule dann wohnen würden, was er mit einem Nicken bestätigen konnte. So musste er nicht wieder eine Nachfrage stellen. »Schulkinder leben zusammen in einem Haus, das sie nach der Schule aber verlassen müssen.« bestätigte er. Danach wurde ihnen ein eigenes Haus zugeteilt, auch wenn es ihm ein Rätsel war, wie es überhaupt genügend Häuser geben konnte. Immerhin starben die Erwachsenen nicht, nur weil Kinder ihre Schule abgeschlossen hatten. Levia stellte schließlich noch weitere Fragen, die wieder das Wort "Internat" enthielten, was Dawson nur wieder einmal verwirrte. »Mhm..ich weiß nicht, was ein Internat ist, aber bezahlen müssen wir nichts. Könnten wir auch gar nicht, immerhin haben Kinder noch kein Einkommen.« erklärte er noch ein wenig verwirrt. Einen Beruf hatte man nämlich erst, wenn man seine Ausbildung abgeschlossen hatte. »Heißt das, dass Kinder hier für ihre Schulbildung bezahlen müssen?« fragte er skeptisch. Dafür, dass es Levia so schockiert hatte, dass Kinder getötet wurden, war es doch eigenartig, dass es für sie normal war, dass Kinder bereits Geld haben mussten, um ihre Schule zu bezahlen. Was bedeutete, dass sie arbeiten gehen mussten, bevor sie überhaupt lesen konnten. Oder hatte er da etwas falsch verstanden?
Levia schien noch etwas sagen zu wollen, doch letztlich wurde sie unterbrochen - von ihrem Pokémon, das eine Blume in der Hand hielt und auf Dawson zukam. Das kleine Ding war ihm immer noch nicht ganz geheuer, was nicht nur damit zu tun hatte, dass es ihm völlig unbekannt war. Zunächst skeptisch sah er zu dem grünen Wesen und auch Auruhin, der bisher den Wald begutachtet hatte, richtete seine Aufmerksamkeit auf das Pokémon. Es konnte ja sein, dass es seinem Schutzbefohlenen etwas tun wollte. Aber das Kaguron merkte schnell, dass dem nicht so war, weshalb es sich stattdessen dem anderen Pokémon widmete. Das, das orange war und irgendwie an einen Kürbis erinnerte. Als dieses mit ihm zu sprechen begann, gab sich auch Auruhin alle Mühe, dem Gespräch zu folgen und daran teilzunehmen. Irgendwie war das Wesen doch ganz niedlich. Dawson hatte da aber ganz andere Probleme, denn er verstand absolut nicht, was das grüne Etwas überhaupt von ihm wollte. Levia brachte da jedoch Licht ins Dunkel, nachdem sie es selbst verstanden hatte. Aralia wollte sich offenbar bei ihm entschuldigen, was es mit dieser Blume tun wollte. Das verstand Dawson jedoch nicht ganz, da es ihm ein Rätsel war, wozu diese Blume gut sein sollte. Bei ihm war es jedenfalls nicht üblich, dem Gegenüber etwas zur Entschuldigung zu geben. Dem Pokémon schien das allerdings sehr wichtig zu sein, weshalb sich Dawson um ein Lächeln bemühte. Er hatte schon genug Schaden angerichtet, als er von Zwillingen und Eltern gesprochen hatte, da musste er es sich nicht auch noch mit Aralia verscherzen. Vor allem, wenn Levia tatsächlich so nett war, ihn noch mit zu sich nach Hause zu nehmen. »Dankesehr.« sagte er unsicher aus einem Impuls heraus, denn irgendwie fand er es richtig, sich nun zu bedanken. Vorsichtig nahm er die Blume entgegen. Tatsächlich war sie sehr schön anzusehen und faszinierte Dawson sehr, da er in seiner Heimat Blumen zwar gesehen, aber nie berührt hatte. Dufteten sie wirklich nach irgendetwas? Vorsichtig führte er die Blume an seine Nase und nahm einen tiefen Atemzug. Tatsächlich roch es irgendwie...unbeschreiblich, jedenfalls fand Dawson keine Worte dafür. Das zunächst verhaltene Lächeln wurde breiter. Es war ihm ein Rätsel, wieso seine Regierung ihnen all diese Eindrücke verwehren wollte. »Sie ist wunderschön.« schwärmte er und damit meinte er nicht nur das Aussehen. »Aralia hatte recht - ich mag Blumen.« sagte er verträumt, auch wenn es irgendwie komisch klang, jetzt wo er es ausgesprochen hatte. Aber das war nicht weiter wichtig. Er hatte das Gefühl, noch viel in dieser Welt entdecken zu können. Warum es nicht ausnutzen, bis er wieder nach Hause konnte? Wie auch immer er das schaffen sollte. Doch bis dahin konnte er endlich frei sein - und warum sollte er das nicht genießen?



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Beitrag von Leviaam Di Apr 02, 2019 1:43 am

#020 | Hain der Täuschung | Mit Dawson

„Eine Präsidentin die über allem steht und deren Wort Gesetz ist ... hm“, murmelte Levia leise vor sich hin und betrachtete Dawson nachdenklich. Sie versuchte sich vorzustellen wie es wohl wäre, wenn hier in Einall eine einzige Person über alles und jeden bestimmen würde, doch schon das ging über ihr Vorstellungsvermögen hinaus. „Aber wer oder was hat sie denn dazu bemächtigt?“, fragte sie schließlich und legte den Kopf leicht zur Seite um ihren fragenden Ausdruck noch etwas zu unterstützen. Was brachte denn eine ganze Stadt dazu ohne zu hinterfragen einer einzigen Person zu gehorchen? Das war irgendwie gleichzeitig unglaublich unwirklich, aber zum anderen auch wieder irgendwie spannend. „Oh .. ähm ... ich will dir damit auch nicht zu nahe treten oder so ... es ist nur so .... unwirklich für mich. Es fällt mir schwer mir so eine Machtkonstellation vorzustellen, weißt du?“, schob sie schnell noch hinterher und hoffte, dass Dawson sie nicht für total blöd halten würde.Das wäre ihr unglaublich peinlich.
Auf die Frage nach den Schichten in seiner Gesellschaft bekam sie auch eine recht ausführliche Antwort. Es war wohl so, dass man zwar in eine Schicht hinein geboren wurde, aber die Schicht auch verlassen konnte – wie er an sich selbst erläuterte. Kurz huschte der Blick der Weißhaarigen daraufhin zu Aruhin und wieder zurück zu Dawson, da sie ein Gedankenblitz ereilt hatte. Patreos waren schließlich unglaublich wichtig in Dawsons Welt, also machte das durchaus Sinn. Aber dennoch schien die Regierung Dawson nicht zu mögen, was wohl an seiner Gesellschaftsstruktur liegen mochte, denn sie für ihren Teil konnte ihn durchaus gut leiden.
„Ah okay. Also steigt man mit einem Patraeos direkt in die Elite auf – und mit einem Aufstieg verbessert sich dann auch das Wohngebiet und ... dann wahrscheinlich auch die Arbeit, oder?“, das war für Levia die einzig logische Schlussfolgerung, aber sie fragte doch lieber noch einmal nach, bevor es wieder zu irgendwelchen vermeidbaren Missverständnissen kam. So wie scheinbar bei ihrer Frage nach Freundschaften und anderen Kontakten. So verwundert wie er drein schaute, musste ihn diese Frage überrascht haben, was Levia jedoch nicht nachvollziehen konnte, da es für sie nur logisch war genau das zu fragen, nach allem was sie schon gehört hatte. Es hätte sie nicht einmal überrascht, wenn es ihnen verboten gewesen wäre jemand anderen aus ihren Partner zu treffen. Einen Moment sah sie Dawson an und wusste nicht, ob sie sich jetzt erklären sollte oder nicht, aber letztlich siegte ihre Unsicherheit angesichts dieser gänzlich ungewohnten Situation in der sie sich gerade befand – daher rang sie sich eine Erklärung ab, auch wenn ihr das etwas unnötig erschien: „Verstehe ... naja ... es klingt halt als würdet ihr sehr stark überwacht werden und so ... daher hätte es mich kaum überrascht, wenn dem so gewesen wäre.“, sie kratzte sich kurz leicht am Hinterkopf und lächelte entschuldigend. „Entschuldige, wenn ich da etwas voreilig war. Mh, hast du denn Freunde dort? Also ... zum Beispiel welche die die Natur genauso gern haben wie du? Auch wenn es bei euch leider nur Hologramme waren ..“, fragte sie dann nach um das Gespräch hoffentlich in eine schönere Bahn zu lenken, denn irgendwie hatte sie das Gefühl, das sie gerade immer tiefer in dunkle Themen abdrifteten.
Umso mehr freute es sie daher, das Dawson ihr Angebot annahm sie mit nach Hause zu begleiten. Auch wenn ihr dabei der traurige Unterton ihres Gegenübers außnahmsweise einmal nicht entging. „Hey, irgendwie finden wir einen Weg ... und wer weiß, vielleicht kriegen wir es auch hin herauszufinden wie du hin und her wechseln kannst, damit du immer die Natur hier genießen kannst, aber trotzdem nach Hause kannst sobald du willst ...“, versuchte sie daher Dawson ein wenig aufzumuntern. „Und Larry und ich werden auch versuchen es euch sehr gemütlich zu machen bei uns. Gibt es eigentlich irgendetwas das du nicht magst? Oder auch was du besonders magst? Larry möchte das sicher wissen, falls sie kochen sollte.“, erklärte sie dann und lächelte leicht. Hoffentlich verstand Dawson ihre freundliche Geste dahinter. Nur eine Sache beschlich sie dann doch und sie sah wieder zu Aruhin ... er würde definitiv nicht in die Wohnung der Zwillinge passen so viel war sicher ...
„Sag mal Dawson“, fing sie daher an und sah zum Hellblonden. „Wo ist Aruhin eigentlich, wenn du in deiner Wohnung bist? Er wird ja bestimmt nicht in deine Wohnung passen, oder?“ Ein wenig verunsichert sah sie Dawson an und hoffte sehr, dass sie nicht schon wieder in irgendein Fettnäpfchen getreten war.
Ganz anders war es da beim nächsten Thema ... Zwillinge. Hätte sie diese Antwort im Vorhinein gewusst, hätte sie lieber nicht nachgefragt, aber jetzt war es dafür wohl zu spät und mal wieder übernahmen ihre Emotionen die Kontrolle über sie. Sie wollte gar nicht so hart klingen, wie sie es vielleicht tat, aber wie konnte man nur so sachlich sein? Es ging hier um Menschenleben! Oder stumpfte man einfach ab, wenn man derartig aufwuchs?
Zu allem Überfluss stotterte Dawson dann auch noch eine Entschuldigung und meinte am Ende ihrer Erklärung auch noch, dass er ihr damit gar nicht zu nahe treten wollte – und das ließ die Weißhaarige auch innerlich wie äußerlich wieder zurück rudern. Für einen Moment konnte sie Dawson nur ansehen, denn sie musste erst die richtigen Worte finden.
„Schon gut ...“, sagte sie endlich, nachdem sie ihre Wut geschluckt hatte und in Dawsons doch etwas bedrücktes Gesicht sah. „Du ... du kannst ja am wenigsten dafür ... du hast es ja nicht eingeführt oder so .... Ich weiß zwar immer noch nicht wie man so einfach über Menschenleben reden kann, aber ich bin auch nicht in Shiroh aufgewachsen. Trotzdem .... eigentlich dachte ich, dass Menschenleben überall gleich viel wert sind .... wenn sie halt nur an kinderlose Familien gegeben werden würde, wäre das noch irgendwo in Ordnung ... aber warum sollte man Kinder töten? Die können doch am wenigsten dafür ...“, versuchte sie sich dann zu erklären und schaute schließlich kurz betreten zu Boden, bevor die Dawson wieder ansah, damit er merkte, dass sie die folgenden Worte auch ernst meinte: „Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe. Ich wollte nicht so emotional werden .... aber ich musste einfach an meine Schwester denken. Wir sind nämlich auch Zwillinge und ich könnte mir gar nicht vorstellen wie es ohne sie wäre. Sie ist mir wichtig ... genauso wie dir halt Aruhin wichtig ist, oder dieses Mädchen, was du so mochtest.“, sie hoffte sie trat ihm damit jetzt nicht zu nahe, aber ja, sie hatte sich gemerkt, dass er von einem Mädchen gesprochen hatte, was er mochte. Sie wusste zwar nicht wie sehr, aber das war auch in Ordnung – er musste ihr schließlich auch nicht alles erzählen. Sie kannten sich ja nach wie vor immer noch nicht allzu lange. „Ich hoffe du kommst trotzdem noch mit zu meiner Schwester und mit mit nach Hause?“, fragte sie dann noch etwas verunsichert, denn wenn sie eines nicht wollte, dann Dawson vergraulen oder ihn denken lassen, dass er jetzt nicht mehr willkommen war – denn das war bestimmt nicht so! „Wir könnten dann Tee trinken, falls du Tee magst.“, fügte sie dann noch an.
Zum Glück war das nächste Thema wesentlich angenehmer, auch wenn es wohl trotzdem ein kleines Missverständnis beinhaltete. Doch zunächst bestätigte sich Levias Annahme, dass die Kinder in Shiroh offenbar in einer Art Internat unterrichtet wurden. Zwar hatte sie Dawson erklärt was ungefähr ein Internat war, aber sich wohl beim Thema Bezahlung etwas unklar ausgedrückt, denn er schien zu glauben, dass die Kinder das Internat bezahlen mussten. Lev schüttelte schnell ihren Kopf. „Nein, die Kinder bezahlen das nicht, sondern die Eltern.“, stellte sie dann schnell klar. „Internate sind hier etwas ''besonderes'', wenn man es so ausdrücken möchte. Meistens schicken Eltern mit sehr viel Geld ihre Kinder auf Internate, da sie glauben, dass sie dort eine bessere Schulbildung erhalten, da sie dann ja in der Schule quasi wohnen. Und gerade weil sie dort wohnen, essen und schlafen, müssen die Eltern dann für den Schulbesuch bezahlen. Für Eltern, die sich das nicht leisten können oder möchten, gibt es öffentliche Schulen. Ab 6 Jahren gehen die Kinder dann für einige Stunden zur Schule und gehen am Nachmittag dann wieder nach Hause. Dort machen sie dann Hausaufgaben, also Aufgaben die sie von der Schule bekommen haben. Für Kinder, die dann irgendwann die Region erkunden wollen gibt es auch sogenannte Trainerschulen. Dort lernen sie sich um ihre Pokémon, oder eben Patraeos – wie es für dich einfacher ist -, zu kümmern und auch alles was sie für eine Reise brauchen.“, erklärte sie dann schließlich und hoffte, dass Dawson alles verstanden hatte. „Ich hoffe das war verständlich?“, hakte sie darum noch einmal vorsichtig nach und wäre auch gar nicht böse wenn Dawson doch noch etwas nachfragen wollte. „Ansonsten frag einfach ... aber, sag mal, wie lange seit ihr denn in eurer Schule? Bei uns ist es je nach Abschluss unterschiedlich – einige beenden die Schule mit 16 und können dann nach einer Ausbildung suchen, aber andere machen dann das sogenannte Abitur und beenden die Schule dann etwas später, meistens mit 19 – die gehen dann studieren, um zum Beispiel Anwalt zu werden muss man das machen.“, Lev gab sich wirklich Mühe damit alles zu erklären, was Dawson verwirren konnte. „Tut mir leid wenn .... es etwas viele unbekannte Wörter sind, aber ich weiß leider nicht wirklich, wie ich dir das anders erklären soll. Ich denke in Shiroh läuft das alles nicht so ab, wenn alle Kinder in ein Internat kommen, oder?“
Es war zwar nur eine Vermutung, aber wahrscheinlich gar nicht so abwegig, wenn sie so an das dachte, was sie bereits schon besprochen hatte. Bevor sie jedoch noch etwas anderes sagen konnte kam ihnen Aralia dazwischen. Das Lilminip wollte sich wohl bei Dawson für sein Verhalten entschuldigen, was Levia doch fröhlich stimmte. Während sie aber auf Dawsons Reaktion wartete, der ja bisher sehr zurückhaltend auf ihre Pokémon reagiert hatte, verlangte ihr Viso-Caster ihre Aufmerksamkeit. Es war eine Nachricht von der Liga. Verwundert hob Levia eine Augenbraue, sah jedoch lieber direkt nach – nicht, dass sich jetzt noch ein Herausforderer angekündigt hatte. Doch es stellte sich als eine Art Rundmail heraus, die sie darüber informierte, dass die Leitung aus Marea ganz plötzlich gekündigt hatte. Das überraschte auch Levia, die aber sofort eine Idee hatte ... falls es nicht schon zu spät war. Sie wollte sich gerade an Dawson wenden und ihn darum bitten sie kurz zu entschuldigen, aber dieser war gerade so mit Aralia und der Blume beschäftigt, dass sie nicht stören wollte. Also lächelte sie nur leicht, zückte ihren Viso-Caster und rief bei der Liga an um ihrer Idee auch gleich Taten folgen zu lassen. Sie wollte, wenn es möglich war, ihre Arena nach Marea-City verlegen lassen. Dann wäre sie viel näher bei ihrer Familie und auch Larina musste sich dann nicht allzu stark umgewöhnen. Ungeduldig wartete sie darauf, dass jemand am anderen Ende abnahm und kaum hörte sie das ersehnte klicken, brach es auch gleich aus ihr heraus.
„Hallo hier ist Linea, ich melde mich wegen der Arena in Marea. Wäre es möglich mich dahin zu versetzen? Ja, es hat persönliche Gründe ... familiäre um genau zu sein, Sie verstehen schon. Es wäre einfach wunderbar, wenn es klappen würde! Ja, ich kann einen Moment warten, kein Problem.“, Nein, eigentlich konnte sie gar nicht warten, aber was blieb ihr anderes übrig? Nur kurz sah sie von ihrem Viso-Caster auf um Dawson zu beobachten, der inzwischen die Blume von Aralia angenommen hatte und sich an ihr zu erfreuen schien. Als er sich auch noch bei ihr bedankte, gab das Lilminip einen fröhlichen Laut von sich und drehte sich einmal im Kreis. Aber sie hatte auch wieder ein kleines bisschen Abstand zu Dawson eingenommen, da sie wohl zu verstanden haben schien, dass ihm eine solche Nähe doch eher unangenehm war. Dennoch beobachtete sie ihn dabei wie er an der Blume roch und schien äußerst zufrieden mit sich zu sein. Zeitgleich gab der Viso-Caster ein leises Klicken von sich und Levia wandte sich ihrem Gesprächspartner wieder zu.
„Und?“, fragte sie eindringlich, bevor ihr Gesprächspartner auch nur den Mund öffnen konnte.
„Wir können Ihrer Bitte stattgeben.“, hörte Levia schließlich die erlösenden Worte. „Jemand anderes wird dann die Arena in Abidaya übernehmen. Wir werden die Umsetzung der Arena alsbald in Angriff nehmen. Daher bitte ich Sie um eine baldige Rückmeldung wegen dem Standort.“
„Das ist kein Problem!“, meinte Levia freudig. „Ich weiß schon ganz genau wo ich hin will!“ Das war auch gar nicht so schwer, da es sowieso nur eine naheliegende Möglichkeit in Marea gab. „Ich möchte kurz außerhalb von Marea an die Route 6. Schließlich soll das Thema der Arena erhalten bleiben – und eine passende Lichtung sollte sich dort auch finden lassen.“, erklärte sie dann schließlich ihren Plan und ein andächtiges Nicken ihres Gesprächspartners folgte.
„Gut, das erleichtert uns einiges. Ich erwarte Sie dann alsbald in Marea, beziehungsweise besagter Arena um die Details mit den dortigen Mitarbeitern zu besprechen. Viel Erfolg.“
„Alles klar. Ich danke Ihnen – auf bald.“, damit wurde von beiden Seiten das Telefonat einvernehmlich beendet und Levia konnte ein Grinsen kaum noch unterdrücken. Jetzt konnte sie ihrer Schwester schon zwei frohe Botschaften übermitteln! Obwohl .... das mit Dawson .... nah, egal, es war immer schön Besuch zu haben und Larry tat es bestimmt auch gut wenn sie neue Bekanntschaften machte. Ja, so war das ...!
„Es freut mich, dass dir die Blume gefällt.“, sagte sie dann, als ihr einfiel, dass Dawson ja noch immer vor ihr im Gras saß. „Aralia mag auch Blumen. Weißt du, ich habe sie schon seit sie ein kleines Ei war. Weil sich keiner um das Ei zu kümmern schien hab ich es mitgenommen und dann ist sie raus geschlüpft ... ich hatte sie sofort lieb.“, erzählte sie dann. „Vielleicht mag ich Pflanzen-Pokémon auch gerade deswegen so sehr, weil ich auch so gern in der Natur unterwegs bin ...“, sagte sie etwas verträumt und sah kurz zu Atari und Rea, die noch immer im Gras saßen und sich genüsslich sonnten, während sich das Irrbis wohl alle Mühe gab mit Aruhin anzufreunden. Immerhin trieb Abby keine albernen Späße. Schließlich sah sie auch wieder zu Dawson. „Gibt es denn noch etwas, was du gerne wissen möchtest, oder was dir irgendwie unklar war?“, fragte sie dann. Jetzt konnte nichts mehr ihre Laune trügen. Sie hatte bekommen was sie wollte und sie würde Larry auch gewiss gleich eine lange Nachricht hinterlassen! Ob sich ihre Schwester wohl auch so über diese Neuigkeit freuen würde? Levia hoffte es sehr. Doch erst einmal war sie überglücklich – sie konnte in ihrer Heimat bleiben und auch Larry blieb es erspart einen längeren Weg nach Rayono zurücklegen zu müssen. Diese Verlegung war ein einziger Gewinn für alle!
Levia
Wüstenblume
Arenaleiterin von Marea City

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Beitrag von Dawsonam Sa Apr 06, 2019 4:21 pm

Hain der Täuschung
Post #010, mit: Levia
Mit einer Person über seine Präsidentin zu sprechen, die keine Ahnung von ihr oder ihrem System hatte, war durchaus seltsam. Sie schien darüber nachzudenken und stellte letztlich auch noch eine Frage diesbezüglich. Wer oder was bemächtigte die Präsidentin dazu, diesen Posten zu bekleiden? Dawson sah Levia eine Weile einfach nur an, nicht sicher, wie er auf diese Frage überhaupt antworten konnte. Irgendwie war die Präsidentin schon immer da gewesen. Er konnte sich jedenfalls an keine andere Person erinnern, auch wenn selbst ihm klar war, dass es vor ihr sicher noch andere Präsidenten gegeben haben musste. Sie konnte das immerhin nicht schon seit Jahrhunderten machen. Außer natürlich, sie hatte einen Weg gefunden, unsterblich zu werden. Dawsons Gedanken würden letztlich wieder von Levia unterbrochen, die ihm gerade erklärte, dass sie ihm nicht zu nahe treten wollte, das aber nicht so recht verstehen konnte. Nun, das war wohl irgendwie verständlich, wenn es in ihrer Welt anders war, nicht wahr? Dawson kannte das Gefühl, etwas nicht zu verstehen oder greifen zu können, gerade in diesem Moment nur allzu gut. »Soweit ich weiß, bestimmt die Präsidentin ihren Nachfolger. Meist sind es direkte Angehörige von ihr.« setzte er also endlich zu einer Erklärung an. Wahlen gab es jedenfalls keine, immerhin hatte das Volk auch nichts zu sagen. Für Dawson war das alles eine Selbstverständlichkeit, weshalb er auch nie groß darüber nachgedacht hatte. Ebenso wie er seine Gesellschaftsstrukturen als gegeben hinnahm. Die Schichtzugehörigkeiten waren bei ihm genauso normal wie Roboter, die einen bewachten oder das Militär, das einen bestrafte, sobald man nur minimal gegen die Regeln verstieß. »Richtig. Man bekommt größere Häuser und mehr Verantwortung in seinem Beruf.« bestätigte er nun Levias Worte. Mit ihrer Vermutung hatte sie da ganz richtig gelegen, aber es war wahrscheinlich gut, dass sie nachgefragt hatte, bevor sie wieder etwas missverstand. Das kam zur Zeit immerhin bei beiden Seiten recht oft vor und auch Dawson gab sich alle Mühe, zu verstehen, was sie so erzählte. Einfach war das wirklich nicht und er fühlte sich mittlerweile auch ziemlich überfordert mit allem. Für ihn war es wirklich langsam an der Zeit, das Gespräch über ihre Welten zu unterbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen. Ihm gingen viel zu viele Gedanken durch den Kopf. Aber Levia hatte noch immer einige Fragen und so widmeten sie sich nun den Freundschaften, die auch Dawson durchaus haben durfte. Solange man sich eben nicht gemeinsam gegen die Regierung auflehnte oder Regeln brach... Levia erklärte ihm nun aber, dass sie aufgrund der großen Überwachung einfach angenommen hatte, dass sie keine Freunde haben durfte. Vielleicht war das auch die logische Schlussfolgerung? Dawson war sich da nicht ganz sicher, aber er war ihr deswegen auch nicht böse. Es war eben alles ein wenig viel auf einmal. »Wir werden auch überwacht. Und wenn sie glauben, dass wir irgendetwas Verbotenes tun, werden wir auch allzu schnell getrennt.« fügte er noch an, in der Hoffnung, nicht wieder in ein Fettnäpfchen getreten zu sein. Es war schwer abzuwägen, was er wie sagen konnte, ohne Levia dabei auf die Füße zu treten. Nicht, weil sie sich leicht verärgert fühlte, sondern weil sie einfach andere Vorstellungen von einem Miteinander hatte. »Ich habe..einige Bekannte, die ich hin und wieder im Park treffe. Ich glaube aber nicht, dass man sie als Freunde bezeichnen könnte.« antwortete er noch auf ihre Frage, wobei er darüber nachgrübelte, ob das für Levia wohl wieder undenkbar war. Aber er hatte wirklich wichtigere Probleme als fehlende Freundschaften, die er doch eigentlich auch gar nicht brauchte. Er hatte Auruhin, das war mehr, als er sich je zu träumen gewagt hatte.

Und jetzt war er hier, in einer Welt, die ihm völlig unbekannt war, mit vielen unterschiedlichen Regeln, Werten und Eindrücken, die er nicht alle verstand. Und er hatte keine Ahnung, wie er wieder nach Hause zurückkehren konnte. Das stimmte ihn durchaus traurig, nicht etwa, weil er wieder zum Militär zurück und sich von ihnen alles vorschreiben lassen wollte, sondern lediglich wegen ihr. Aber da er keine Ahnung hatte, wie er zurückkam, konnte er auch mit Levia mitgehen. Sie war immerhin sehr freundlich gewesen und wenn sie ihm schon anbot, dass er bei ihr wohnen konnte, sollte er das Angebot wohl auch annehmen! Dennoch, eine gewisse Traurigkeit schwang in seiner Stimme mit, die Levia auch nicht entging. Sie versuchte, ihn aufzumuntern und meinte zu ihm, dass sie sicher einen Weg finden würden, wie er zurückkehren konnte. Und vielleicht fanden sie auch eine Möglichkeit, wie er zwischen den Welten wechseln konnte. Das..erschien ihm allerdings sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn es die Möglichkeit geben sollte, würde seine Regierung ihn niemals gehen lassen. Dennoch lächelte er leicht - es war nett von Levia zu versuchen, ihn aufzumuntern und schnell wechselte sie auch wieder das Thema und fragte nach, ob es etwas gab, dass er nicht mochte oder dass er besonders mochte. Larry - das war sicher ihre Schwester, richtig? - wollte das wohl offenbar wissen, wenn sie kochen sollte. Wenn...sie kochen sollte? Verwirrt darüber - denn bei ihm kochten schließlich nur die Roboter - wusste er zunächst nichts darauf zu antworten, doch als er das Lächeln seines Gegenübers sah, beschloss er, sich dieser Frage erst später zu widmen. »Ich...uhm..ich liebe Erdbeermilchshakes.« murmelte er, irgendwie war es ihm gerade peinlich, Levia das so zu sagen. Auch wenn er selbst nicht genau wusste, warum. Außerdem war das auch nichts, was man kochen konnte, aber was das anging, war er eigentlich ziemlich offen. Jedenfalls fiel ihm spontan nichts ein, was er gar nicht mochte, also konnten sie da wohl nicht viel falsch machen. Levia schien aber noch eine weitere Frage zu beschäftigen - nämlich Auruhin. Nein, sein Begleiter passte ganz gewiss nicht in irgendeine Wohnung. Insofern war ihre Frage durchaus berechtigt. Gleichzeitig fragte er sich aber, ob ihre „Pokémon“ wohl mit in ihrer Wohnung waren? Das war doch bestimmt ganz wunderbar, wenn man seine Begleiter immer um sich haben konnte! »Nein, da passt er wirklich nicht rein.« antwortete er mit einem leichten Lachen. Seine Unsicherheit von vor ein paar Sekunden war wieder verflogen. Die Vorstellung, wie Auruhin in seinem Haus war, war irgendwie doch sehr amüsant. »Er bleibt in meinem Garten und wacht von dort über mich.« erklärte er letztlich und erhielt von Auruhin ein zustimmendes Brummen. Was nicht gerade leise war, aber das war seinem großen Körper zu schulden.

Im Verlauf des weiteren Gesprächs fühlte sich Dawson nun aber wieder sehr unbehaglich, als er die Reaktion von Levia auf die Handhabung der Zwillinge sah. Sie schien förmlich außer sich zu sein vor Wut, was Dawson natürlich unglaublich leid tat. Er wusste nicht recht, was er eigentlich falsch gemacht hatte, aber irgendetwas musste er getan haben, dass sie verärgerte. Vielleicht war es auch einfach die Tatsache, dass Kinder getötet wurden? Aber das diente lediglich dazu, dass ihre Bevölkerung nicht zu schnell heranwuchs. Dennoch, er entschuldigte sich dafür - wofür auch immer genau - was Levia zumindest ein wenig zu beruhigen schien. Sie erklärte ihm, dass sie einfach nicht verstehen konnte, wie man Kinder töten konnte - also ging es hier doch genau darum. Dawson war sehr unsicher, was er dazu nun genau sagen sollte, weshalb er schwieg. War es wirklich so unvorstellbar, dass Kinder getötet wurden? Dass sie nichts dafür konnten, blieb Dawson irgendwie im Kopf hängen und verließ ihn auch nicht, als Levia weitersprach. War die Art, mit Zwillingen umzugehen, vielleicht wieder etwas Grausames, dass nicht getan werden sollte? Levia entschuldigte sich nun für ihren Ausbruch bei ihm und erklärte, dass auch sie ein Zwilling war. Das erklärte wohl, warum seine Antwort sie so schockiert hatte. Sie oder ihre Schwester wären nach seinen Regeln nun tot. Dass einen das schockierte, war wohl nicht weiter wunderlich, richtig? Für Dawson bedeutete das aber auch, dass er bald tatsächlich sein erstes Zwillingspaar zu Gesicht bekommen würde! Ob sie sich ähnelten? Er wusste nicht, wie das genau bei Zwillingen war, immerhin gab es bei ihnen ja keine. Seine Gedanken wurden allerdings unterbrochen, als sie das Mädchen ansprach, das er so mochte. Er stockte. Davon durfte niemand etwas wissen! Sicher, er hatte sie vorhin sicherlich kurz erwähnt, aber jetzt aus ihrem Mund zu hören, dass sie davon wusste, war doch irgendwie erschreckend. Aber hier in dieser Welt war das nicht schlimm, richtig? »Wenn...wenn du sie nie kennengelernt hättest, dann...naja, dann wüsstest du nicht, wie es mit ihr ist. Wäre es dann nicht ganz normal für dich, dass sie nicht da wäre?« versuchte er vorsichtig zu erklären. Er war sich nicht sicher, wie weit er sich dabei vorwagen konnte und vielleicht wäre es schlauer gewesen, einfach den Mund zu halten. Aber was man nicht kannte, konnte man auch nicht vermissen, richtig? Die Zwillingskinder in seiner Welt waren eben keine Zwillinge. Niemand hatte Geschwister, das war schon so, seit er denken konnte. Für ihn und alle anderen war das also nichts Ungewöhnliches und mehr hatte er auch nicht damit ausdrücken wollen. Hoffentlich war er ihr damit nicht zu nahe getreten. Zu seiner Erleichterung fragte sie ihn aber, ob er nun immer noch mit zu ihr und ihrer Schwester nach Hause kommen wollte. Froh auch über die Ablenkung - so musste er nicht weiter über Eliara nachdenken - nickte er. »Das wäre schön.« sagte er. Tee trinken - das klang doch sehr ungefährlich und wenn er dabei nicht wieder irgendetwas von sich gab, dass die beiden Geschwister erschreckte, konnte dabei auch nicht viel schief gehen. Hoffte er jedenfalls.

Das nächste Thema der beiden betraf nun schließlich die Schule und..Internate. Dawson wusste nicht, was das genau war, doch er fand es reichlich seltsam, dass die Kinder dafür bezahlen mussten. Levia klärte ihn aber rasch auf, dass nicht die Kinder es waren, sondern die Eltern, die das Geld hinlegen mussten. Das war..eigenartig. Warum sollten die Eltern dafür bezahlen, dass die Kinder eine Ausbildung erhielten? Levia erklärte ihm, dass Internate wohl etwas besonderes war, auf das nur Kinder mit reichen Eltern gingen. Also quasi eine Schule für Elite-Mitglieder, überlegte Dawson, während er weiter zuhörte. Für Kinder, deren Eltern sich diese Schule nicht leisten konnten, gab es noch öffentliche Schulen, die man ein paar Stunden am Tag besuchte und dann ging man wieder nach Hause. Dawson hörte aufmerksam zu, musste es aber einfach so als gegeben hinnehmen. Denn solcherlei Dinge kannte er nicht. Und warum sollten Kinder die Region erkunden wollen? Gab es da irgendetwas Spannendes zu entdecken? Und warum hießen die Schulen „Trainerschulen“? Weitere unbekannte Wörter kamen ihm entgegen, als Levia weiter erzählte. Abitur, Studieren, Anwalt...Dawson sah Levia leicht überfordert an. Sie hatte ganz recht, so lief es bei ihnen jedenfalls nicht ab. »Richtig verständlich...war es nicht, tut mir leid.« musste er zugeben, wobei er beschämt zu Boden sah. Wieso war es nur so schwer, das alles zu verstehen? Es schien einfach alles grundlegend anders zu sein. »Wir besuchen die Schule bis zu dem Jahr, in dem wir Vierzehn werden. Dann beginnt im Frühling unsere Ausbildung. In welchem Beruf, entscheidet die Regierung. Also...ja.« antwortete er noch auf ihre Frage hin, wobei er sie immer noch nicht wirklich ansah. Wahrscheinlich war es für sie doch wieder undenkbar, dass man sich nicht selbst aussuchen durfte, wo man arbeiten wollte, oder? Daher hatte er es auch äußerst vorsichtig formuliert. Seine zahlreichen Fragen, so beschloss er, würde er später noch stellen, da er sich die Fülle an Informationen nun wirklich nicht mehr merken konnte. Ablenkung erhielt er aber jetzt von dem kleinen, grünen Wesen - Aralia - das ihm eine wunderschöne Blume reichte, über die sich Dawson seltsamerweise unglaublich freute. Sie sah nicht nur wunderschön aus, sondern roch auch noch wunderbar. Dass das kleine Pokémon - irgendwie immer noch sehr seltsame Wesen - dann sogar wieder Abstand zu ihm nahm, beruhigte ihn ebenfalls. Irgendwie waren die Wesen ihm noch nicht ganz geheuer, aber da es sie hier in Hülle und Fülle zu geben schien, musste er sich daran wohl gewöhnen. Ob Levias Schwester wohl auch diese Pokémon besaß? Er versuchte sich an einem Lächeln dem grünen Wesen gegenüber, war aber so in die Blume versunken - wortwörtlich - dass er zunächst gar nicht mitbekam, dass Levia anderweitig beschäftigt war. Erst als sie zu sprechen begann, hob er den Kopf an und blickte wieder zu ihr. Er versuchte zu erkennen, mit wem sie da eigentlich sprach, denn er war sich ziemlich sicher, dass sie ihre Worte nicht an ihn richtete. Wieder strömten neue, unbekannte Wörter auf ihn ein: Linea - er dachte, sie hieße Levia? -, Arena, Route 6, wieder einmal Arena..er versuchte zu erkennen, womit Levia das Gespräch führte und entdeckte ein Gerät in ihrer Hand, in das sie hinein sprach. Ein Hologramm konnte er allerdings nicht erkennen - war es so etwas wie seine Armbanduhr? Würde er damit Eliara erreichen können? Von der Person, mit der Levia sprach, bekam er nur bruchstückhaft das Wort Abidaya mit, mit dem er aber auch nichts anfangen konnte. Und dann hatte Levia auch viel zu schnell wieder aufgelegt. Sie schien überaus freudig zu sein, weshalb Dawson sie fragend ansah. Sie erklärte ihm aber nur, dass Aralia auch Blumen mochte und sie das Pokémon wohl als Ei gefunden hatte. Das war..verwirrend. Also war das kleine Ding aus einem Ei gekommen? Normalerweise aß man Eier doch einfach nur...dann sprach sie noch von Pflanzen-Pokémon, was bei Dawson die Frage aufwarf, ob es wohl auch noch andere Pokémon gab? Wurden sie in Kategorien eingeteilt? Es ergaben sich einfach viel zu viele Fragen, allein aus den paar letzten Minuten. »Es war..leider noch sehr viel unklar.« murmelte er vor sich hin. Es war ihm irgendwie peinlich, das zugeben zu müssen. Aber so viele Fragen wie er hatte, würden sie nie fertig werden und er war sich sicher, dass noch sehr viele mehr dazukommen würden. »A-aber ich glaube, dass...ich erst einmal eine Pause brauche.« fügte er noch unsicher an. Auch das war ihm irgendwie peinlich, aber er war sich sicher, dass sein Kopf nicht noch mehr Informationen würde verarbeiten können. »Aber das Gerät dort - man kann damit jemanden anrufen?« wollte er doch noch wissen, denn das war wirklich etwas, das ihn brennend interessierte. Vielleicht konnte er damit Kontakt zu Eliara aufnehmen! Den Code, um sie zu erreichen, kannte er schließlich auswendig. Er wusste nur nicht, dass die hiesigen Kommunikationsgeräte ganz anders funktionierten als seines. Und dass er von hier ohnehin niemanden in Pandragon würde erreichen können. »Darf ich versuchen, jemanden anzurufen?« fragte er dennoch leicht schüchtern nach. Hoffentlich war er damit nicht wieder in ein Fettnäpfchen getreten, aber er konnte auch verstehen, wenn sie das nicht wollte. Sie würde ihm ohnehin kurz erklären müssen, wie das Ding funktionierte, denn irgendwie bezweifelte er, dass er es wie seine Armbanduhr bedienen konnte.



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Beitrag von Leviaam Fr Mai 17, 2019 7:52 pm

#021 | Hain der Täuschung | Mit Dawson

Levia neigte ihren Kopf leicht zur Seite und sah Dawson geduldig an, während er wohl mit seiner Antwort bezüglich der Präsidentin haderte. Eigentlich wollte sie ihm doch gar keine Umstände bereiten, aber ihr schossen immer wieder neue Fragen in den Kopf. Vielleicht sollten sie bald eine Pause machen? Sie konnte sich ja kaum schon Shiroh vorstellen – da konnte sie erst recht nicht verstehen wie sich Dawson in ihrer Welt wohl fühlen musste .... aber es war bestimmt nicht leicht.
„Verstehe.“, murmelte sie auf seine Antwort hin dann auch nur leise. „So bleibt alles in der Familie.“
Mit Wahlen wollte sie jetzt nicht auch noch anfangen. Das konnten sie auch später noch klären, falls es dafür Bedarf gab. Jetzt war es schließlich nur um die Präsidentin von Dawsons Heimatort gegangen. Sie konnte zwar nach wie vor nicht verstehen, wie man auf eine einzige Person hören konnte, aber es war vielleicht etwas anderes wenn man damit aufwuchs? Sie fuhr sich leicht mit einer Hand durchs Haar. Es war für sie nicht leicht sich in Dawson hinein zu versetzen – um genau zu sein konnte sie es eigentlich fast gar nicht .... aber sie versuchte es. Immerhin war sie der erste Mensch, den er hier kennengelernt hatte. Da sollte sie keinen schlechten Eindruck hinterlassen – egal wie schwer es ihr auch fiel sich in andere Personen hinein zu versetzen.
Auch seine Antwort bezüglich der Veränderungen bei der Arbeit und Wohnsituation wenn man in der Schicht aufstieg, nickte sie ab. Das ergab Sinn und sie war froh, dass sie zumindest langsam einander zu verstehen schienen. Zumindest teilweise. Einige Dinge riefen beiderseits noch immer Missverständnisse hervor, aber das ließ sich sicherlich noch klären – sie durften nur nicht aufgeben. Auch wenn es wohl langsam Zeit wurde eine Pause einzulegen. Denn die ganzen Informationen zu verarbeiten und einzuordnen war doch anstrengender als es Levia gedacht hatte. Tatsächlich bekam sie schon langsam leichte Kopfschmerzen.
„Wir werden auch überwacht. Und wenn sie glauben, dass wir irgendetwas Verbotenes tun, werden wir auch allzu schnell getrennt.“ erklärte Dawson dann noch. Levia war ihre Frage schon ein bisschen peinlich, aber in Shiroh würde sie es eben nicht wundern, wenn es noch weitere, für sie unverständliche, Verbote gab, die einfach wenig Sinn ergaben. „Oh, verstehe – naja, wenn die Präsidentin so viel Macht hat, ist das wohl so ...“, versuchte Levia freundlich zu antworten ohne noch weitere Fragen in den Raum zu werfen. Doch nach wie vor verstand sie nicht, wie man so unterwürfig gegenüber einer Person sein konnte, die scheinbar einfach so ohne großartige Erklärung die Macht über alles und jeden in der Hand hatte und sogar über deren Liebesleben bestimmte. Das fand Levia immer noch abartig und sie würde es wohl auch nie ganz verstehen können, aber sie konnte Dawson deswegen schlecht verurteilen oder? Er schien schließlich auch unter seinen Umständen zu leiden ...
„Ich habe...einige Bekannte, die ich hin und wieder im Park treffe. Ich glaube aber nicht, dass man sie als Freunde bezeichnen könnte.“, erklärte er dann weiter und Levia sah ihren Gesprächspartner an. Sie wusste diese Information für einen Moment nicht einzuordnen, denn irgendwie hörte sich diese Aussage sehr traurig an, doch Dawson schien das gar nichts auszumachen. Auch hatte sich im Gespräch ja auch ergeben, dass es Dawson in seiner Welt mit vielem gar nicht so leicht hatte – hing das vielleicht damit zusammen?
„Naja“, antwortete die Weißhaarige dann schließlich doch. „Selbst wenn es keine Freunde sind, ist es schön, wenn man Leute mit den gleichen Interessen um sich hat ... es ist halt nur nicht schön, wenn man ganz allein ist, weißt du? Darum ging es mir ....“
Wieso versuchte sie eigentlich die ganze Zeit Dawson ihre Gründe zu erklären? Irgendwie hatte sie dadurch das Gefühl das ganze Gespräch teilweise nur noch schwieriger zu machen. Wahrscheinlich wäre Larry besser darin gewesen einige Dinge zu erklären. Irgendwie war sie wohl nicht dazu gemacht ...
Levia sah Dawson eine Weile an. Ihr Gespräch schien gerade traurigere Züge anzunehmen – zumindest fühlte Levia eine gewisse Schwere in der Luft, als sie mit Dawson über gewisse Dinge sprach. Über seine Welt, seine Regeln und seine Bekanntschaften. Trotz allem schien Dawson seine Heimat zu vermissen .... und Levia bekam immer stärker das Gefühl, dass es mit diesem Mädchen zusammenhing von das er gesprochen hatte. Ob er verliebt gewesen war? Eine verbotene Liebe in ihrer Welt voller Regeln und Gesetze? Das war ... auf eine Art und Weise wirklich süß ... aber schnell rief sich Levia innerlich zur Ordnung. Sie konnte immerhin nicht wissen ob das stimmte oder nicht. Sie sollte sie letzte sein, die über anderer Leute Beziehungen sinnierte. Sie hatte ja noch nicht einmal einen Freund – geschweige denn je einen gehabt. Da stand es ihr auch nicht zu einfach aus einem Gefühl heraus Dawson so etwas zu unterstellen, nur weil es sich so anhörte. In dieses Fettnäpfchen wollte die Weißhaarige definitiv nicht treten. Außerdem war es ein sehr persönliches Thema über das sie selbst mit einer mehr fremden als vertrauten Person auch nicht sprechen wollen würde. Also wieso taten sie es dann doch irgendwie ...?
Darum versuchte Lev die ganze Sache positiv aufzulösen, indem sie versuchte Dawson irgendwie aufzumuntern – und war sehr froh, als sich auf dem Gesicht ihres Gegenübers tatsächlich ein Lächeln zeigte. Nur die Frage ob der doch etwas radikale Themenwechsel nun gut oder schlecht war konnte sich Levia nicht wirklich beantworten. Zum einen schien Dawson doch erleichtert darüber zu sein, aber andererseits .... wieso war er dann so peinlich berührt? War das etwa keine normale Frage in seiner Heimatwelt und etwas, was man nicht fragte?
Doch bevor Levias Gedanken wieder anfingen Karussell zu fahren, antwortete Dawson auf ihre Frage damit, dass er Erdbeermilchshakes liebe. „Das wird sich einrichten lassen.“, meinte Levia dann mit einem Lächeln. Das war nun wirklich nichts sonderlich schweres – und ihre Schwester war im Kochen sowieso unschlagbar. Noch etwas was sie besser konnte ... aber davon ließ sich Levia bestimmt nicht die Laune verderben. Es machte ihnen schließlich beiden Spaß und darum grämte sie sich auch nicht über die kleine Differenz in ihren Kochkünsten. „Ich hoffe du wirst die Milchshakes mögen die wir hier machen.“, fügte die Weißhaarige noch schnell an – denn schließlich wusste sie ja nicht wie man dergleichen in Shiroh zubereitete.
Als Dawson wegen ihrer Aussage zu Aruhin in einer Wohnung lachen musste, war sie zuerst fast etwas beleidigt, bevor sich doch ein Grinsen in ihr Gesicht schlich, bis sie schließlich in sein Lachen einstimmte. Es war einfach zu komisch sich Aruhin innerhalb einer Wohnung vorzustellen. Dawson erklärte, dass Aruhin in seinem Garten verweilen würde, während er über ihn wachte, woraufhin vom riesigen Patraeos ein tiefes, zustimmend klingendes Brummen kam. Levia hätte auch nichts anderes von dem Patraeos erwartet – schließlich war Dawson ja sein selbst auserkorener Schützling, wenn sie es richtig verstanden hatte.
Dann kann Aruhin auch bei mir und meiner Schwester im Garten bleiben.“, beschloss Levia dann spontan wie sie manchmal war und wandte sich dann mit einem Lächeln Aruhin zu: „Aber du musst auf meine Beerenbäume aufpassen, ja? Sie sind mir sehr wichtig.“
Sie wusste zwar nicht inwieweit Patraeos oder Pokémon die menschliche Sprache tatsächlich verstanden, aber sie war sich sicher, dass es sie verstehen würde. Es schien schließlich auch Dawson zu verstehen. Sie war nur froh, dass sie nicht gegen es kämpfen musste. Ein Glück hatten sie und Dawson sich nicht auf dem falschen Fuß erwischt.

Was jedoch ein Problem war, war die Handhabung der Zwillinge in Shiroh. Natürlich war es eine andere Welt und eine andere Umgebung, aber was gab es schon gutes daran Kinder zu töten? Kinder waren unschuldige Wesen – sie suchten sich nicht aus als Zwillinge geboren zu werden ...
Und so fiel auch Levias Reaktion etwas ausfallender aus, als es vielleicht angemessen gewesen wäre, doch sie konnte nicht anders. Sie war selbst ein Zwilling und ein Leben ohne ihre Schwester konnte sie sich trotz aller Differenzen nicht mehr vorstellen. Es war einfach ein grausamer Gedanke für die Weißhaarige und es machte sie wütend darüber nachzudenken, dass es in Dawsons Welt normal war Kinder zu trennen oder notfalls auch zu töten – und das nur weil es einer einzigen Person nicht passte.
Doch trotz ihres Ausbruches beruhigte sich Levia und auch Dawson schien das ganze unangenehm zu sein. Lev war zum Glück klar, dass er am wenigsten dafür konnte, wie es in seiner Welt gehandhabt wurde ... nur deshalb musste sie es ja trotzdem nicht gut heißen, oder? Vielleicht konnte er ja auch etwas von hier mitnehmen, wenn er eines Tages in seine Welt zurück kehrte? Es sei denn er würde denken, dass das alles nur ein Traum war .... doch ein höchst seltsamer Traum, den sie dann beide gehabt hätten.
Levia fuhr sich erneut mit einer Hand durch ihre Haare. Für einen Moment fürchtete sie sogar, dass sich Dawson wegen ihres Ausbruchs nicht mehr trauen würde sie nach Hause zu begleiten und bei ihnen zu übernachten. Doch ein Glück war Dawson trotzdem noch gewillt ihr Angebot anzunehmen und Levia brachte auch wieder ein leichtes Lächeln zustande, als er ihre Frage diesbezüglich positiv beantwortete. Nur eine Frage seitens Dawson blieb zu diesem Thema noch offen: „Wenn...wenn du sie nie kennengelernt hättest, dann...naja, dann wüsstest du nicht, wie es mit ihr ist. Wäre es dann nicht ganz normal für dich, dass sie nicht da wäre?“, hatte er gefragt und Levia überlegte tatsächlich eine Weile, bevor sie ihm für ihre Verhältnisse doch sehr gefasst antwortete: „Das lässt sich so pauschal wohl gar nicht sagen. Aber ... ich weiß von meinen Eltern, dass Larry und ich schon als kleine Kinder sehr aneinander gehangen haben ... und an diese Zeit erinnere ich mich nicht einmal mehr. Schließlich waren wir da beide noch klein ... doch wir haben uns schon von klein auf gern gehabt ... außerdem hab ich mir geschworen auf meine Schwester aufzupassen. Uns trennen zwar nur ein paar Minuten, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen wie es ohne sie wäre ... es würde mir einfach etwas in meinem Leben fehlen, wenn sie nicht da wäre. Es mag in Shiroh normaler Alltag sein ... aber hier ist es das nicht. Du würdest hier in Einall nur eine sehr geringe Chance haben jemanden zu finden, der mit einer Sache wie dieser so normal umgeht wie du und die Bewohner Shirohs es tun. Ich weiß nicht ob es normal für mich wäre, einfach weil sie nie in meinem Gedächtnis da gewesen wäre .... aber wir sind zusammen 9 Monate miteinander aufgewachsen schon bevor wir auf die Welt kamen. Egal ob ich mich daran erinnere oder nicht ... sie war trotzdem ein Teil von mir – und ist nicht einfach irgendeine Bekanntschaft die ich dann einfach nie gekannt und wohl nie vermisst hätte ... sie ist meine Schwester mit der ich schon zusammen war, bevor wir überhaupt in die Welt geboren wurden.“
Levia sah einmal kurz ein wenig traurig zu Boden, doch sie wollte Dawson nicht das Gefühl geben, dass er wieder etwas falsches gesagt oder getan hatte, also sah sie ihn an und fügte hinzu: „Es ist nicht als ob du etwas falsches getan hättest, du bist schließlich in einer Stadt aufgewachsen wo es nur Kinder gibt, die keine Geschwister haben ... aber ... vielleicht lernst du ja doch ein wenig darüber, solange wie du hier bist und kannst mich dann verstehen. Ich bin auch nicht wütend auf dich, noch möchte ich dich oder deine Heimat verurteilen ... ich hoffe dass du jetzt nicht denkst, dass ich dich wegen dem verurteile womit du aufgewachsen bist.“, sagte sie und sah Dawson an. Es war wirklich nicht in ihrem Sinne, dass er dachte sie würde ihn wegen seines Lebens verurteilen, dass er jahrelang geführt hatte. Wobei .... hatte sie eigentlich eine Ahnung wie alt Dawson war?
„Ähm“, fing sie dann an, auch wieder um irgendwie das Thema zu beenden. „Wie alt bist du eigentlich Dawson?“
Schließlich war ihr nächstes Thema nicht weniger verwirrend – zumindest für eine Seite. Es ging immerhin um das Schulsystem. Zuerst nur Internate, aber irgendwie kam es dazu, dass Lev in die Lage kam das ganze Schulsystem erklären zu müssen ... und das war gar nicht so einfach. Sie seufzte leicht und lächelte etwas gequält als Dawson meinte es wäre tatsächlich sehr schwer verständlich gewesen ... aber das war wenigstens etwas, dass sie nachvollziehen konnte. Sie lachte kurz auf: „Ja, da ist dein Schulsystem besser und leichter zu verstehen. Aber ... um es so kurz und fremdwörterlos zu machen wie ich kann: Kinder von 6 bis 12 gehen in die Grundschule, danach gehen sie auf eine höhere Schule wo sie ihren Abschluss machen. Danach gehen sie in eine Ausbildung oder in noch eine andere Schule, die Universität heißt. Kinder aus reichen Elternhäusern, vielleicht kann man sie am besten mit der Elite deiner Welt vergleichen, gehen oft auf Privatschulen, also Internate und sinst dort meist bis sie 16 oder 18 sind, je nach Internat. Es gibt auch noch andere Schulen, von denen ich ja eine schon erwähnt habe, aber das erkläre ich dir wann anders, wenn es dir nichts ausmacht. Ich glaube eine Lichtung im Wald ist nicht der richtige Ort dafür. Außerdem krieg ich langsam Hunger – du auch?“, fragte sie und lächelte leicht. „Und was das mit der Ausbildung angeht ... naja, hab ich mir schon fast gedacht, dass da auch die Regierung mit rein spielt. Aber, ich bin schon neugierig was ihr so in Shiroh macht ... was machst du denn eigentlich für einen Job? Also, falls du Lust hast das zu erzählen, meine ich.“
Wahrscheinlich gefiel es Dawson auch mehr über seine eigene Welt zu reden, als wenn sie ihn die ganze Zeit mit Dingen hier aus Einall bombardierte. Ob ihm auch schon so der Kopf dröhnte wie ihr? Leider war Levia viel zu neugierig um die Sache mit der Ausbildung auf sich beruhen zu lassen. Vielleicht konnte Dawson ihr ja auch etwas interessantes erzählen, oder seine Ausbildung hatte ihm zumindest gefallen und sie hätten endlich ein schöneres Thema bevor sie nach Marea City aufbrechen würden?

Dann kamen jedoch Aralia und ihr Viso-Caster kurzzeitig dazwischen. Das Lilminip brachte Dawson eine Blume und entschuldigte damit ihr schlechtes Benehmen ganz zu Anfang des Gesprächs – und auf ihrem Viso-Caster war die Nachricht erschienen, dass die Arena in Marea-City nun unbesetzt sein würde. Während Dawson sich nun also mit Aralia und der geschenkten Blume beschäftigte, kümmerte sich die Weißhaarige um die Verlegung ihrer Arena von Abidaya nach Marea. Sie bekam jedoch nicht mit, dass Dawson einen Teil ihres Gespräches mitbekam und dementsprechend auch verwundert war, als sie ihm plötzlich von Aralias Herkunft erzählte. Aber sie war einfach so glücklich, dass sich Dawson und das Lilminip trotz des rauen Startes langsam zu verstehen schienen, dass es einfach aus ihr heraus gesprudelt kam. Leider gab Dawson letztlich zu, dass trotz ihres schon ziemlich langen Gespräches noch vieles unklar war, was Levia einerseits verstehen konnte, was sie aber auch irgendwie ein wenig bedrückte, denn sie gab sich schließlich alle Mühe Dawson alles zu erklären, was er nicht verstand.
„Naja .... zu deiner Welt habe ich wohl genauso viele Fragen und Dinge die mir einfach nicht in den Kopf wollen.“, versuchte die Weißhaarige dann zu erklären, in der Hoffnung, dass es Dawson dann weniger unangenehm war, dass er einiges noch nicht verstanden hatte. Sie strich sich nochmals durch die Haare und als Dawson etwas von einer Pause sagte, nickte sie. „Ja .... dass denke ich auch. Wir sollten .... zumindest keine neuen, komplizierten Dinge anfangen ...“, meinte sie und murmelte das letzte mehr oder weniger in sich hinein.
Als Dawson jedoch eine neue Frage stellte, sah Levia, die schon wieder einen leichten Blick zu ihren Pokémon geworfen hatte, wieder zu ihm und nach einigem Zögern nickte sie leicht. „Äh ... meinst du meinen Viso-Caster? Ja, kann man.“, antwortete sie und war beinahe noch überraschter als er fragte, ob er versuchen könne jemanden anzurufen. „Ähm ... wenn du du es probieren willst, gern.“, meinte sie, griff nach ihrem Viso-Caster und reichte ihn Dawson. „Aber bist du sicher, dass das so funktioniert? Schließlich ... ist das wahrscheinlich etwas anders, als die Geräte bei euch.“
Sie wollte Dawson wirklich nicht entmutigen, aber irgendwie zweifelte sie daran, dass er jemanden würde erreichen können. Doch vielleicht überraschte sie ja die Technik und er konnte es doch? Manchmal ging die Technik ja auch ziemlich merkwürdige Wege .... aber ob das zwischen Einall und Shiroh auch so klappte? Das war irgendwie fragwürdig ...
„Oh äh ... wenn du fertig bist, würde ich gern meiner Schwester schreiben ... damit sie auf deinen Besuch vorbereitet ist.“, fügte Levia noch an. Nicht, dass sie Dawson kein Gespräch mit seiner Freundin gönnen würde .... aber Larry war eben immer gern auf solche Dinge vorbereitet. Und das aus guten Grund ....
Hoffentlich war Larry auch noch erreichbar und würde sie Nachricht lesen, bevor sie mit Dawson vor der Haustür auftauchte ... Larry war schließlich nicht allzu begeistert von spontanen Besuchern ... insbesondere, wenn diese ihr fremd waren. Na das konnte ja heiter werden ...
Hoffentlich hielt Dawson ihre Schwester am Ende nicht für völlig verrückt, denn wenn Larry eines nicht war, dann das. Im Gegenteil, sie war eigentlich der freundlichste Mensch, den man treffen konnte - wenn man es erst einmal geschafft hatte ihre Schale zu durchdringen. Hoffentlich würde Dawson das auch in seiner Zeit wo er bei ihnen wohnte merken. Lev würde sich jedenfalls freuen, wenn ihre Schwester auch einen neuen Freund gewann - selbst wenn dieser wohl nicht von dieser Welt war ....
Levia
Wüstenblume
Arenaleiterin von Marea City

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